Darf ab Mitte 2017 kein WLAN-Gerät mehr verkauft werden?

(Bild: Shutterstock)

In der EU gilt ab Mitte 2017 eine neue Richtlinie für Funkprodukte. Diese könnte für ein Verkaufsverbot bisheriger WLAN-Hardware führen, befürchten Experten. Ob es wirklich dazu kommt, ist aber zweifelhaft.

Ab 13. Juni 2017 gilt eine neue EU-Richtlinie die „Radio Equipment Directive – RED der EU (2014/53/EU). Lancom-Chef Ralf Koenzen warnt, dass dann keine WLAN-Access-Points und Router verkauft werden dürften, sofern sich nicht sehr viel ändert.

Koenzen zufolge müssten dann zudem „selbst all jene Funkprodukte neu bewertet werden, die im Zweifel schon seit Jahren rechtskonform …. verkauft werden. Damit droht also nicht nur eine Verzögerung bei WLAN-Neuentwicklungen, zum Beispiel im so spannenden 802.11ac Wave II-Bereich, sondern die vollständige Marktzugangsblockade für alle WLAN-Produkte. In ganz Europa!“

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Koenzen räumt ein, das der RED „einige wichtige Ideen zu Grunde liegen, die wir sehr begrüßen“, etwa die effizientere Nutzung des Funkspektrums. Um diese Ideen umzusetzen, brauche es jedoch neue Normen und Standards, mit denen die technischen gewünschten Vorgaben festgelegt werden. Die ansonsten nicht für rasche Entschlüsse und dynamisches Handeln bekannte EU ist aber offenbar weitaus weniger geduldig, wenn sie anderen Vorgaben macht, als bei eigenen Prozessen. Denn die zuständigen Standardisierungsgremien erhielten erst Mitte 2015 von der Europäischen Kommission den Auftrag, eine große Zahl von Normen zu überarbeiten.

Damit sind sie noch lange nicht fertig – was niemanden wundert, der einigermaßen Einblick in die Abläufe und Prozesse der Standardisierungsgremien hat. Als Beispiel nennt Koenzen die Norm EN 301 893 für das 5-GHz-Band. Sie solle laut Auskunft der ETSI 2018 fertig werden. Damit könnten mindestens neun Monate lang nach verpflichtendem Inkrafttreten der RED keine WLAN-Produkte in diesem Bereich verkauft werden –denn ohne die Standards zu kennen, können die Hersteller nicht prüfen, ob ihre Produkte konform zu ihnen sind.

Die Standardisierungsgremien könnten allerdings den Prozess nicht einfach abkürzen und die Normen noch rechtzeitig verabschieden. Dazu fehle „es schlichtweg an Kapazitäten, und der Verzug ist viel zu groß“ – ganz abgesehen davon, dass dann noch die langwierige Prüfung der fertigen Normen durch die EU-Kommission ansteht. Laut Koenzen liegen Brüssel derzeit knapp 80 Normen ungeprüft vor.

Somit sind nicht nur klassische WLAN-Produkte wie Access Points oder WLAN-Router betroffen. Auch „zahllose weitere Funkprodukte, vom Smartphone über drahtlose Mikrofone bis zu den DVB-T2-Antennen, die ab März 2017 für den digitalen terrestrischen Fernsehempfang nötig sind“, seien von der Richtlinie, der dadurch erforderlichen Neubearbeitung der Standards und dem dadurch ausgelösten „Normierungsstau“ betroffen.

Nach Ansicht von Koenzen ist der einzige echte Ausweg die Verlängerung der in der Richtlinie festgelegten Übergangsfrist. Damit schließt er sich einer soeben erhobenen Forderung von Digitaleurope, dem europäische Dachverband der IT-Verbände an. Er hat sich vergangene Woche bereits mit einem offenen Brief (PDF) an die EU-Kommission gewandt.

Tags :Quellen:Mit Material von Peter Marwan, Silicon.de
  1. Wie wird mit bisherigen WLANs umgegangen?
    Gibt es da Bestandschutz?
    Oder wird BundesNetzAgentur alte WLANs anpeilen, messen und dafür hohe Strafen kassieren?
    (Wie früher oft bei den Schwarzfunker)
    Mit Knöllchen für WLAN könnte sich die BundesNetzAgentur und auch der deutscher Staat weiter bereichern…

  2. Bei Funkanlagen gab es früher in D strenge nationale Zulassungs- Restriktionen mit teuren FTZ / ZZF / RegTP, usw. Prüfungen und Bauartzulassungen.
    Die waren praktisch auch protektionistische Maßnahmen zum Schutz der deutschen Hersteller, gegen ausländische Hersteller.
    Bis einige ausländische Hersteller vor EU Gerichten gegen Protektionismus klagten und gewannen.
    Seit dem brauchen Funkanlagen nur eine „Konformitätserklärung“, die jeder Hersteller bzw. der Inverkehrbringer sich selbst ausstellen kann.
    Nur falls die Normen nicht eingehalten wurden, und es auch (seltenst) nachgeprüft wurde, sollten solche Funkanlage zurückgenommen werden und der Kaufpreis zurückgezahlt werden. Und was wenn die Importeur- Ltd oder GmbH aufgelöst und durch eine neuer ersetzt wurde? (Der Endkunde durfte das Gerät verschrotten)

    Es dürfte nach Juni 2017 ähnlich funktionieren. Abnorme WLANs werden aus dem EU- Ausland (z.B. England oder Schweiz) vermarktet, und das Risiko trägt der Endkunde. Vertrieb mit dem Vermerk „Nur für Export“ ist legal.
    Und dann bleibt noch der Direktbesteller Asien Angebot.

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