Canary im Test – Smarte Sicherheitskamera mit einfacher Bedienung

Canary im Test (Bild: Übergizmo)

Canary ist eine smarte Sicherheitskamera, die vor allem mit einer einfachen Benutzung überzeugen möchte. Zusätzlich gibt sie aber auch Aufschluss über die Luftqualität und hat sogar eine integrierte Alarmanlage. Im ausführlichen Test nehmen wir die Kamera unter die Lupe.

Canary im Test

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Canary Kamera (Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

 Einfache Bedienung(Bild: Übergizmo)  (Bild: Übergizmo)Keine automatische Offline-Speicherung
 Schickes, unaufdringliches Design(Bild: Übergizmo)  (Bild: Übergizmo)Abhängigkeit von Canary Cloud
 (Bild: Übergizmo)Gute Bildqualität  Keine Gesichtserkennung(Bild: Übergizmo)
 (Bild: Übergizmo)Eingebaute Sirene und Luftsensoren  

Sicherheitskameras sind ein immer wiederkehrendes Thema bei Übergizmo – so hatten wir erst vor wenigen Monaten das Netgear Arlo System im Test und auch der Test der Netatmo Welcome liegt nicht lange zurück. Fakt ist, dass Kunden, die sich für Smart Home interessieren, häufig primär an eine Sicherheitslösung denken. Während einige Unternehmen sich auf einen großen Funktionsumfang fokussieren, möchte Canary eine möglichst einfache Bedienung bieten.

Design – schlicht und elegant

Das fängt bereits beim Design an. Canary besteht aus einem weißen Kunststoffgehäuse, das sich durch die matte Oberfläche hochwertig anfühlt. Dieses hilft auch dabei, dass Staub und Kratzer darauf wenig sichtbar sind. Durchtrennt wird die weiße Hülle durch einen glänzenden, schwarzen Streifen, der oben und unten die Kamera abschließt. Durch die schwarz-weiße Kombination wirkt das Design sehr modern und die Kamera passt sich somit gut in diverse Einrichtungen ein. Ein Schmuckstück ist sie nicht, aber sie fällt eben auch nicht stark auf, was in vielen Wohnzimmern sicher gerne gesehen ist.

Canary im Test (Bild: Übergizmo)

Canary im Test (Bild: Übergizmo)

Canary geht hier also einen ähnlichen Weg wie die Netatmo Welcome, die allerdings etwas kleiner ist und aus Aluminium besteht. Auch bei den verfügbaren Knöpfen schlägt Canary eine ähnliche Richtung wie Netatmo ein – sichtbar sind nämlich keine. Auf der Oberseite befindet sich lediglich eine nicht gekennzeichnete Touch-Fläche, die nur zur Einrichtung gebraucht wird.

Mitten im schwarzen Streifen verbirgt sich die eingebaute Weitwinkel-Kamera, die von einem bei Tag unsichtbaren Ring von Infrarot-LEDs umrundet ist. Diese schalten sich erst ein, wenn die Lichtverhältnisse schlecht werden. Darunter ist ein eingebautes Mikrofon. Auf der Rückseite findet man drei Anschlüsse: micro-USB für Strom, einen Klinkenanschluss für die Einrichtung und einen LAN-Anschluss, um sich optional so mit dem Netzwerk zu verbinden.

Canary Sirene und Touchfläche (Bild: Übergizmo)

Canary Sirene und Touchfläche (Bild: Übergizmo)

Einfache Einrichtung

Dass Canary auf eine möglichst einfache Bedienung setzt, merkt man bereits bei der Einrichtung. Es hat keine fünf Minuten gedauert, da war Canary komplett startbereit. In der Box ist neben der Kamera selbst ein zwei Meter langes micro-USB-Ladekabel mit entsprechendem USB-Stecker enthalten. Das Netzteil lädt die Kamera mit 2 Ampère bei 5 Volt, man kann also sowohl ein beliebiges anderes Netzteil mit diesen Spezifikationen als auch ein (noch längeres) anderes USB-Kabel benutzen. Schön, dass man hier auf proprietäre Lösungen verzichtet. Außerdem liegt ein Klinkenkabel bei, das für die Einrichtung benutzt werden kann, wenn man ein Smartphone ohne Bluetooth verwendet (Gibt’s das überhaupt?).

Die beiliegende Dokumentation ist zu knapp. Man wird einfach nur auf die Setup-Webseite des Unternehmens verwiesen, wo es eine ausführliche Bedienungsanleitung als PDF gibt. Dabei hätte es gereicht, wenn man auf die Android- und iOS Apps verweist, denn genau dort findet die komplette Einrichtung statt. Schade, das hätte man besser lösen können.

Canary Anschlüsse (Bild: Übergizmo)

Canary Anschlüsse (Bild: Übergizmo)

Die restliche Einrichtung ist dafür sehr einfach und schnell. Die App führt einen durch alle Schritte: Zuerst verbindet man sich per Bluetooth mit der Canary, dann richtet man die WLAN-Verbindung zum Router ein. Auch ein Canary-Konto muss angelegt werden, damit die Kamera eine Verbindung zur Cloud herstellen kann. Dann legt man Namen und Ort für die Kamera fest. Letzterer wird benutzt, um lokale Notrufnummern zu laden und in der App zu hinterlegen.

Letzteres funktionierte in unserem Test nur bedingt gut. So wurden an der Berliner Stadtgrenze die Nummern für Potsdam geladen, das immerhin noch 7 Kilometer entfernt liegt. Die Nummer der Feuerwehr stammt aber wiederum aus Berlin. Dazu sind die hinterlegten Nummern nicht die Notrufnummern, sondern direkte Wahlverbindungen zu den Service-Stellen. Man sollte sie in den Einstellungen in jedem Fall prüfen und gegebenenfalls ersetzen.

Canary LED Ring (Bild: Übergizmo)

Canary LED Ring (Bild: Übergizmo)

Bedienung & App

Die Bedienung der Überwachungskamera findet komplett über das Smartphone statt, wobei nur Android und iOS unterstützt werden. Eine Web-Oberfläche fehlt ebenfalls. Die Canary App ist einfach aufgebaut. Auf dem Homescreen sieht man eine Übersicht seiner Kameras, die man zuvor nach den überwachten Räumen benannt hat. Darunter findet man einen Live-Schalter, um sich direkt mit der Kamera zu verbinden, sowie einige schnelle Informationen zur Luftqualität wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Unten links kann man zwischen unterschiedlichen Modi schalten und sehen, wer die Kamera steuern darf.

Automatische Modi

Das Besondere an Canary sind die automatischen Modi. Durch die Verbindung  mit dem Smartphone über die Cloud weiß Canary, ob ihr zu Hause oder unterwegs seid. Das Aktivieren der Überwachung entfällt also, wenn ihr das Haus verlasst. Diese Funktion ist auch bei mehreren Nutzern möglich, die mit der Canary App verbunden sind. So deaktiviert sich die Überwachung automatisch, wenn der Partner nach Hause kommt, ihr aber noch im Büro sitzt.

Wem das zu viel Eingriff in die Privatsphäre ist, kann die automatische Erkennung über Ortungsdienste deaktivieren und stattdessen über die App die Modi wechseln. Insgesamt gibt es drei davon. Unterwegs, Zuhause und Nacht. Unterwegs bedeutet, dass Canary beobachtet und euch Bewegungen meldet, wenn ihr unterwegs seid. Die Menge an Bewegung, die toleriert wird, bevor eine Benachrichtigung verschickt wird, kann man stufenlos einstellen. Mit Hilfe eines Schiebereglers legt man einen Wert zwischen niedrig und hoch fest – was die einzelnen Werte bedeuten, das erfährt man nicht. Beispiele oder einzelne Stufen wären hier angebracht, sonst hat man einfach kein Gefühl wieviel gefiltert wird.

Canary App: Lufqualität und Modi (Bild: Übergizmo)

Canary App: Lufqualität und Modi (Bild: Übergizmo)

Der zweite Modus nennt sich Zuhause. Hierbei ist die Kamera immer noch aktiv, die Benachrichtigungen sind aber deaktiviert. Diese kann man aber auch aktivieren, beispielsweise wenn man Canary als Baby-Cam benutzt. In diesem Modus kann man die Überwachung auch komplett ausschalten, sodass sowohl die Kamera als auch das Mikrofon nicht aufnehmen. Dann erlischt auch der weiße LED-Ring auf der Unterseite.

Der Nachtmodus ist der letzte verfügbare Modus. Hier kann der Nutzer einstellen, ob Benachrichtigungen auch nachts erfolgen sollen oder ob überhaupt Videos aufgenommen werden sollen. Der Nachtmodus kann manuell eingeschaltet werden, alternativ kann man einen automatischen Zeitraum festlegen, bei dem Canary in den Nachtmodus schaltet.

Canary LED Ring (Bild: Übergizmo)

Canary LED Ring (Bild: Übergizmo)

Der Sicherheitsaspekt

Insgesamt funktioniert die Überwachung gut, Benachrichtigungen zu Bewegung gehen je nach Verbindung binnen Sekunden ein. Erhält man eine Benachrichtigung, so kann man sich live mit der Kamera verbinden und bekommt Bild und Ton vom Geschehen mit einer Verzögerung zwischen fünf und zehn Sekunden.

Die Qualität von Ton und Bild ist sehr gut. Die Kamera bietet eine Auflösung von Full High Definition bei einem Aufnahmewinkel von 147 Grad. Der große Winkel stellt sich auch in großen Räumen als sehr nützlich dar, weil so gut wie immer alles im Bild ist. Im Live-Modus hat man die Möglichkeit ins Bild reinzuzoomen und einen detaillierten Blick aufs Geschehnis zu werfen. Außerdem gibt es unten zwei Schaltflächen: Eine für die zuvor erwähnten Notfallnummern sowie eine zweite für die eingebaute Sirene. Diese besitzt einen Schalldruckpegel von 90+ dB . In unseren Tests mussten wir nach wenigen Sekunden aufgeben, der Ton ist extrem störend, schrill und laut.

Was der Canary fehlt ist die Möglichkeit Gesichter zu erkennen, in dieser Hinsicht ist die Kamera also nicht besonders smart. Auch kann man keine Zonen festlegen, in denen man über Bewegungen auf dem Laufenden gehalten wird – hierfür ist das Netgear Arlo System besser geeignet.

Zusätzlich zu den Sicherheitsfunktionen hat Canary eingebaute Sensoren für die Raumluft. Gemessen wird die Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie die Luftqualität und diese Informationen werden in einzelnen Graphen zusammengefasst. Handlungsempfehlungen gibt es aber nicht.

Alle Daten in der Canary-Cloud

Ein Aspekt, den man bei Canary kritisieren kann, ist der zwingende Zugriff über die Cloud. Alle aufgenommenen Videos liegen von Anfang an in der Cloud und können nur von der Smartphone-App aus erreicht werden. Eine direkte Speichermöglichkeit auf eine SD-Karte oder NAS gibt es genauso wenig wie einen automatischen Download in seinen eigenen Cloudspeicher. Das einzige was Canary anbietet, ist die Möglichkeit, gezielt einzelne Videos aufs Telefon herunterzuladen – und das muss man für jeden einzelnen Clip manuell auswählen.

Canary Unterwegs Modus (Bild: Übergizmo)

Canary Unterwegs Modus (Bild: Übergizmo)

Dafür hat man mit dem Standard-Konto genau 24 Stunden Zeit, danach werden die Clips gelöscht. Wer seine Videos gerne bis zu 30 Tage lang online ansehen will, braucht eine Mitgliedschaft, die 9,99 Euro im Monat kostet. Bei mehr als einem Gerät erhöht sich der Preis weiter. Die Frage besteht natürlich, ob man ein Video wirklich länger als 24 Stunden zur Verfügung haben muss. Schließlich kann man es sich aufs Smartphone herunterladen, falls was passiert. Dennoch, eine automatisierte Speicherung auf seine eigenen Medien hätte hier geholfen – würde aber dem Geschäftsmodell widersprechen.

Abschließend bleibt auch immer die Frage, wie sicher die Videos auf den Servern von Canary gespeichert sind. Immerhin stellt man sich so eine Kamera vielleicht auch ins Schlafzimmer.

Canary im Test (Bild: Übergizmo)

Canary im Test (Bild: Übergizmo)

Canary im Test – Fazit

Was an Canary gefällt ist die einfache Bedienung und das schicke Design. Die Kamera passt sich perfekt in die Wohnung ein und fällt wenig auf. Die automatischen Modi sind zuverlässig, sodass man sich wenig Gedanken um den Betrieb im Alltag macht. Für einen Preis von 199 Euro ist der Sicherheitsaspekt gut, kommt aber nicht an das Niveau von der Netatmo Welcome oder dem Netgear Arlo System heran. Dafür fehlen Features wie Gesichtserkennung, festlegbare Überwachungszonen oder automatisierte Offline-Speicherung der Videos. Wen das nicht stört, bekommt eine wirklich einfach zu handhabende Überwachungslösung.

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