Bowers & Wilkins P7 Wireless im Test: Operation Bluetooth

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Der britische Nobelhersteller Bowers & Wilkins bringt mit dem Bowers & Wilkins P7 Wireless einen Bluetooth-Mobilkopfhörer. Kann die drahtlose Musikübertragung mit der Übertragung über Kabel mithalten? Oder ist es sogar besser? Das Testergebnis ist eindeutig.

Bowers & Wilkins P7 Wireless: Operation Bluetooth

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Hinter dem feinen Lochblech aus Edelstahl gut zu sehen: Die Wandler-Membran. (Foto: Mehmet Toprak)

 PRO

 CON

sehr gute Verarbeitung, edles Design(Bild: Übergizmo)  
(Bild: Übergizmo)relativ schwer
(Bild: Übergizmo)Spitzenklang  
(Bild: Übergizmo)lange Akkulaufzeit  
(Bild: Übergizmo)wechselbare Ohrschalen  

Man sieht sie jetzt in Bus und U-Bahn immer öfter, die Kopfhörer ohne Kabel, an denen eine blau blinkende LED eine Bluetooth-Verbindung anzeigt. Musikfans sind bei der Signalübertragung via Bluetooth skeptisch. In der Regel leidet die Klangqualität und der Kopfhörer ist etwas schwerer, weil er eine Sende- und Empfangseinheit integriert und einen Akku benötigt.

Doch das Generve mit dem täglichen Kabelsalat scheint immer mehr Menschen auf den Drahtlos-Trip zu schicken. Kürzlich hat der britische Nobelhersteller Bowers & Wilkins eine Drahtlos-Version des Mobilhörers P7 vorgestellt – den Bowers & Wilkins P7 Wireless (hier gehts zur Herstellerseite). Dessen Bruder, der kabelgebundene P7, ist ein bestens verarbeiteter, edel designter Hörer, der auch anspruchsvolle Musikliebhaber glücklich macht. Kollege Matthias Sternkopf hatte den P7 schon vor zwei Jahren ausprobiert und war begeistert. „Der Kaiser unter den Kopfhörern“ lautete die Überschrift. Den Test könnt Ihr hier nachlesen.

Der P7 ist einer der wenigen wirklich hochwertigen Mobilkopfhörer mit Bluetooth. (Foto: Mehmet Toprak)

Der P7 ist einer der wenigen wirklich hochwertigen Mobilkopfhörer mit Bluetooth. (Foto: Mehmet Toprak)

aptX und seine Tücken

Jetzt also die Bluetooth-Variante. Damit der Sound auch trotz des verpönten Bluetooth auf hohem Niveau bleibt, unterstützt der P7 Wireless den Codec aptX. Der aptX-Codec ist für die hochwertige Übertragung von Audiosignalen via Bluetooth konzipiert.

Leider gibt es da einen Haken. Auch das Smartphone muss aptX unterstützen und das tun nicht alle. Apples iPhone und iPad beherrschen beispielsweise kein aptX. Eine Seite, die Smartphones mit aptX-Unterstützung auflistet, findest Du hier. Auf der Liste stehen unter anderem einige Galaxy-Modelle von Samsung, diverse Motorola-Smartphones und einige Geräte von HTC.

Unauffällig an der Unterseite der rechten Ohrmuschel: Bluetooth-Schalter, LED und USB-Buchse. (Foto: Mehmet Toprak)

Unauffällig an der Unterseite der rechten Ohrmuschel: Bluetooth-Schalter, LED und USB-Buchse. (Foto: Mehmet Toprak)

Mindestens ebenso wichtig wie der aptX-Codes ist, dass der Hörer bei der Bluetooth-Übertragung die Audio-Dateien direkt aus dem Smartphone-Speicher holt. Der interne D/A-Wandler bzw. Kopfhörerverstärker des Telefons wird umgangen. In der Regel ist die Verstärkerelektronik der Smartphones nur von durchschnittlicher Qualität. Schließt man einen Kopfhörer an, ist das beim Klang der limitierende Faktor. Bei der Übertragung via Funk dagegen werden die Dateien im D/A-Wandler des Kopfhörer verarbeitet. Und dass die Hi-Fi-Experten von B&W hier einen hochwertigen Wandler eingebaut haben, darf man annehmen.

Das sind Nachrichten, die Freunde des feinen Klangs, die sonst bei Bluetooth die Nase rümpfen, sehr neugierig machen. Auch ich war gespannt, ob der P7 Wireless in der Topliga der mobilen Hörer mitspielt.

Bowers & Wilkins P7 Wireless: Classy statt Protz

Rein äußerlich ist die Drahtlos-Variante kaum vom P7 zu unterscheiden. Die gleichen geschwungenen Stahldrähte, das gleiche weiche Leder, die gleichen einklappbaren Ohrschalen und natürlich, das etwas damenhafte Ledertäschchen. Mit seinem dezenten Design ist der P7 eine „classy“ Alternative zum protzigen Auftritt vieler Lifestyle-Kopfhörer. Der P7 ist halt der konservative Geschäftsmann und nicht der hektische Rapper, die elegante Reiselimousine und nicht der bullige Sportwagen.

Praktisch und durchdacht ist er außerdem. Die Ohrschalen lassen sich bequem abnehmen, sie haften per Magnet. Das ist schon mal vorbildlich, viele Hersteller verbinden die Ohrschalen fest mit dem Wandler. Wenn die mal schmutzig sind oder das Leder brüchig wird, kann man sie nicht austauschen.

Wenn der Akku mal alle ist oder kein Bluetooth-tauglicher Zuspieler zur Verfügung steht, lässt sich auch ein Kabel anschließen. (Foto: Mehmet Toprak)

Wenn der Akku mal alle ist oder kein Bluetooth-tauglicher Zuspieler zur Verfügung steht, lässt sich auch ein Kabel anschließen. (Foto: Mehmet Toprak)

Auch beim P7 Wireless gibt es noch ein Kabel. Das ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn man den P7 an ein Gerät hängt, das kein Bluetooth hat. Der Akku hält laut Hersteller 17 Stunden durch und benötigte auch im Test keinerlei Nachladen.

An der Unterseite der rechten Ohrmuschel gibt es einen winzigen Schalter, eine LED und einen Micro-USB-Anschluss. Letzterer dient zum Aufladen des Hörers, beispielsweise am PC. Die LED blinkt grün beim Aufladen und leuchtet konstant, wenn der Ladevorgang beendet ist. Das USB-Kabel liegt bei.

Zum Aktivieren der Bluetooth-Verbindung schiebt man den Schalter mit dem Fingernagel nach rechts, dann blinkt die LED blau. Zum Pairing mit einem Smartphone drückt man den Schalter. Sofern Bluetooth auch auf dem Smartphone aktiviert ist, stellt man auf dem Touchdisplay die Verbindung her. Beim nächsten Mal verbinden sich Smartphone und Kopfhörer automatisch. Ausprobiert habe ich es mit einem Nokia Lumia 1320 und einem Samsung Galaxy S3 Neo. Klappt problemlos.

Auf der Rückseite der rechten Ohrmuschel gibt es noch drei Tasten, zwei davon für die Lautstärke, eine zum Stummschalten der Musik, wenn ein Anruf reinkommt. Außerdem kann man damit Anrufe entgegennehmen und beenden.

Bequem aber warm

Der Hörer sitzt sehr bequem, umschließt auch meine Ohren ganz. Bewegt man den Kopf, bleibt der Hörer fest, auch das furchtbar lästige Knarzen, dass manche Modelle bei jeder Bewegung von sich geben, gibt es beim Bowers & Wilkins P7 Wireless nicht. Einer längeren Hörsitzung steht also nichts im Weg. Sehr bequem, das wird oft übersehen, ist auch die einseitige Kabelzuführung, wenn man denn doch mal mit Kabel hört.

Es kann allerdings sein, dass der Bowers & Wilkins P7 Wireless bei Menschen mit größerem Kopf etwas drückt. Zarte Gemüter werden ihn außerdem als relativ schwer empfinden, er wiegt immerhin 325 Gramm. Deshalb hier gleich der zentrale Tipp: Kaufe niemals einen Kopfhörer, den Du nicht wenigstens fünf Minuten lang selbst getragen hast. Vor allem nicht, wenn er 400 Euro kostet. Musikhören mit heißen Ohren macht keinen Spaß.

Solide verarbeitet: Das Lederpolster auf dem Kopfbügel ist sorgfältig vernäht. (Foto: Mehmet Toprak)

Solide verarbeitet: Das Lederpolster auf dem Kopfbügel ist sorgfältig vernäht. (Foto: Mehmet Toprak)

Ich persönlich habe mit dem Bowers & Wilkins P7 Wireless noch ein anderes Problem. Ich mag Leder bei Kopfhörern nicht. Gerade im Sommer kann es darunter schnell mal sehr warm werden. Aber weil Leder glatt auf der Haut aufliegt, dichtet es gut ab und ist damit auch akustisch günstig.

Vor dem Klangtest ein erstes Zwischenstand: Bestens verarbeitet, durchdacht konstruiert, und auch vom Design her schön. Der Bowers & Wilkins P7 Wireless spielt in der Oberliga.

Der Klangtest

Um den Klang zu testen, habe ich den Hörer erst mal für einen Tag an ein DAB-Radio gehängt und mit Dudelfunk in Schwung gebracht. So können sich die Wandler und die Membranen schon mal lockermachen.

Im Test habe ich neben einem Nokia Lumia 1320 (kein aptX) das Samsung Galaxy S3 Neo (mit aptX) verwendet. Danach habe ich ihn noch über Kabel mit dem 3,5 Millimeter-Klinkenstecker an eine Stereoanlage von Teac gehängt. Für den Betrieb einer Stereoanlage ist das 1,2 Meter lange Kabel aber zu kurz, für unterwegs aber genau richtig.

Die Ohrmuscheln lassen sich einklappen, so macht sich der Kopfhörer für den Transport klein. (Foto: Mehmet Toprak)

Die Ohrmuscheln lassen sich einklappen, so macht sich der Kopfhörer für den Transport klein. (Foto: Mehmet Toprak)

Der Bowers & Wilkins P7 Wireless liefert grundsätzlich ein sehr natürliches und ausgewogenes Klangbild. Der Bass reicht nicht ultratief, aber sehr tief und ist vor allem schön präzise und knackig. Wer den wuchtigen Tiefbass bei Electro- oder Rockmusik liebt, wird gut bedient.

Passend zur konservativ-eleganten Optik ist der Hörer tendenziell warm abgestimmt. Die Entwickler haben vermutlich den Bereich zwischen oberem Bass und unteren Mitten leicht betont, das gibt dann die ohrenschmeichelnde Wirkung.

Auch in den Höhen ist alles okay. Nichts kommt scharf oder überlaut, alles ist flüssig und geschmeidig. Bei manchen Hörern wirken hohe Frauenstimmen leicht nervig, eine Spur zu scharf, einen Tick zu stählern. Da ist der Bowers & Wilkins P7 Wireless auf der richtigen Seite und gibt hohe Stimmen ohne Schärfe wieder. Insgesamt also ein sehr angenehmes Klangprofil, ideal für langes, entspanntes Hören. Nur, wer einen besonders analytischen und neutralen Hörer bevorzugt, wird mit dem Bowers & Wilkins P7 Wireless nicht ganz glücklich sein. Der legt den Schwerpunkt auf geschmeidiges Musizieren.

Tolle räumliche Darstellung

Eine große Stärke des Bowers & Wilkins P7 Wireless ist die sehr gute räumliche Darstellung. Man hört die genaue Position der Instrumente im Stereospektrum, man kann vorn und hinten unterscheiden. Das merkt man vor allem bei Jazz- oder Klassikkonzerten, die ja hauptsächlich mit „natürlichen“ Instrumenten gespielt werden. Der Bowers & Wilkins P7 Wireless macht eine große Bühne auf, man kann jedes Instrument genau orten – sofern die Aufnahme das hergibt.

Etwas damenhaft: In diesem Täschchen findet der B&W-Kopfhörer unterwegs Platz. (Foto: Mehmet Toprak)

Etwas damenhaft: In diesem Täschchen findet der B&W-Kopfhörer unterwegs Platz. (Foto: Mehmet Toprak)

Ein weiterer Vorzug des Hörers ist, dass er auch leise sehr gut spielt. Weniger gute Hörer haben oftmals die unangenehme Eigenart, dass sich der linke bzw. rechte Kanal erst ab einer gewissen Lautstärke zuschaltet. Beim Bowers & Wilkins P7 Wireless sind auch bei sehr niedrigen Lautstärken beide Seiten gleich laut.

Bluetooth vs Wire

Soweit das grundlegende Klangprofil des Bowers & Wilkins P7 Wireless. Es gilt für alle Hörszenarien und Anschlussarten. Jetzt wollte ich wissen, ob Musik via Bluetooth besser klingt als die über Kabel. Genau das ist ja die Kernkompetenz des Bowers & Wilkins P7 Wireless.

Die Antwort fällt verhalten positiv aus. Klangtests sind immer subjektiv, und ich musste mich durchaus konzentrieren, um den Unterschied zu hören. Aber der Unterschied ist da. Via Bluetooth mit aptX ist das Klangbild durchsichtiger und feiner, gleichzeitig wirkt es direkter und hat mehr Attacke. Hört man die gleiche Musik noch mal über Kabel, hängt da plötzlich ein feiner Schleier davor.

Hinter dem feinen Lochblech aus Edelstahl gut zu sehen: Die Wandler-Membran. (Foto: Mehmet Toprak)

Hinter dem feinen Lochblech aus Edelstahl gut zu sehen: Die Wandler-Membran. (Foto: Mehmet Toprak)

Das ist kein Klassenunterschied zum Kabelbetrieb, aber, wenn man gut hinhört, sehr wohl zu bemerken. Der interne Wandler des B&W macht also einen ausgezeichneten Job und ist in den allermeisten Fällen den A/D-Wandlern der Smartphones vorzuziehen.

Beim Betrieb über Kabel war übrigens der Sound über das Nokia Lumia 1320 geringfügig besser als der mit dem Samsung Galaxy S III Neo.

Operation Bluetooth ist also geglückt. Der drahtlose Klang ist beim Bowers & Wilkins P7 Wireless mindestens genauso gut wie über Kabel. Kombiniert mit dem sagenhaften Bedienkomfort – nie wieder Kabelsalat – gibt es ab sofort keinen technischen Grund mehr, auf die drahtlose Musikübertragung zu verzichten.

Schönes Detail: die eingravierte Markierung für links und rechts. (Foto: Mehmet Toprak)

Schönes Detail: die eingravierte Markierung für links und rechts. (Foto: Mehmet Toprak)

Wenn Du noch mehr aus Deinem Bowers & Wilkins P7 Wireless rausholen willst, gibt es noch eine andere Möglichkeit. Kauf Dir einen hochwertigen Musikplayer wie beispielsweise den FiiO X3 II, der auch hochauflösende HiRes-Dateien wiedergibt. Ich habe das nicht getestet, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass bei einem solchen Highend-Player der A/D-Wandler noch eine Ecke besser ist als der im P7.

Die andere Möglichkeit: Kauf Dir ein mobilen Kopfhörerverstärker. Der Mini-Verstärker holt sich die Musik über den Micro-USB-Anschluss des Android-Smartphones oder die Lightning-Schnittstelle beim iPhone. Die interne Verstärkerelektronik wird umgangen. Diese Kopfhörerverstärker gibt es schon ab etwa 40 Euro, ab 100 Euro kann man richtig guten Klang erwarten. Ein Beispiel hierfür wäre der DAC-HA200 von Onkyo.

Fazit

Der Bowers & Wilkins P7 Wireless ist ein hervorragender und sehr gut verarbeiteter Kopfhörer für Liebhaber des feinen Klangs. Das Niveau kann sich mit dem eines guten Heimkopfhörers der 500-Euro-Klasse messen. Ein Highend-Kopfhörer ist er aber nicht. Echte Spitzenhörer bieten noch mehr Detailreichtum, spielen noch direkter und das Klangbild ist noch durchsichtiger. Bei einem Highend-Hörer schließt man die Augen und sieht den Sänger vor sich stehen. Da reicht der Bowers & Wilkins P7 Wireless nicht ganz hin.

Dafür kostet ein Highend-Hörer aber auch 1000 Euro und der Bowers & Wilkins P7 Wireless nur 400.

 

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  1. Lieber Mehmet
    Danke für deinen schönen und ausführlichen Bericht. Zum ersten Mal lese ich auch über einen Aspekt, den die anderen Tests im Web scheinbar einfach übersehen. Immer wird die Übertragung per Bluetooth gegenüber dem Kabel als besser gelobt. Nun gut, es ist ein Bluetooth-Kopfhörer, aber wenn ich ein wirklich hochwertiges Quellgerät benutze, z.B. einen Sony HighRes-Player, dann nützen mir die tollen Wandler im P7 und die Bluetoothübertragung nichts, da per Bluetooth keine Musik hochaufgelöst übertragen werden kann. Dann kommen der playerinterne Wandler und das Kabel zum Zug. Und auch da zeigt der P7, was er als Kopfhörer kann. Das habe ich in deinem Test zum ersten Mal gelesen.
    Für mich hat der P7 den Vorteil, dass ich per Bloototh sehr gut Musik hören kann (z.B. beim Spazierengehen oder auf dem Weg zum Bahnhof) und dann zuhause oder im Zug auf das Kabel wechseln und wirklich hochaufgelöste Musik geniessen kann.

    Mit freundlichen Grüssen
    Andreas Schaub

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