Lichtmalerei eines Huawei-Smartphones ausprobiert [Kameratest]

(Bild: Übergizmo)

Seit einiger Zeit haben Huawei-Smartphones das Kamera-Feature "Lichtmalerei". Damit sollen sich Bilder mit speziellen Belichtungseinstellungen ganz einfach fotografieren lassen. Ob es wirklich klappt, welche Mechanismen dahinterstecken und wie die Resultate aussehen, erfahrt ihr hier.

Zunächst zum Smartphone: Für den Test der Lichtmalerei-Funktion verwendeten wir ein Huawei Nova mit rückseitiger 12-Megapixel-Kamera und Blendenwert f/2.2. Fotografiert man im 16:9-Format, wird die Auflösung auf 9 Megapixel reduziert. Die PDAF Phasenfokussierung soll außerdem schnell scharf stellen, während der CAF Kontrastfokussierer die Klarheit zweier verschiedener Bilder vergleicht, um mehr Details darstellen zu lassen. Mehr zur Kamera und den weiteren Aspekten des Smartphones findet ihr im ausführlichen Testbericht: Huawei Nova – Akkuwunder im Praxistest.

Lichtmalerei

Das Kamera-Feature „Lichtmalerei“ soll vier verschiedene Aufnahmen ohne großen Aufwand ermöglichen: Rücklichtspuren, seidenes Wasser, Sternenspuren und Licht-Graffiti. Allen Modi gemein ist, dass sie mit einer langen Belichtungszeit arbeiten. Wer solche Bilder bislang mit einer Spiegelreflexkamera aufnehmen wollte, musste dazu schon ein halbwegs fundiertes Verständnis vom Zusammenhang zwischen Belichtungszeit, Blendenöffnung und anderen Einflussfaktoren haben. All das Hintergrundwissen soll beim Kamera-Feature von Huawei nicht nötig sein – die Einstellungen werden automatisch vorgenommen. Allein, ein ruhiges Händchen ist stets vonnöten.

Rücklichtspuren

(Bild: Übergizmo)

Je länger man die Kamera aufnehmen lässt, desto mehr Rücklichtspuren können auch aufgezeichnet werden. (Bild: Übergizmo)

Im Modus „Rücklichtspuren“ können beispielsweise fahrende Autos bei Dunkelheit fotografiert werden. Aufgrund der langen Belichtungszeit sieht man am Ende die Lichtspuren der roten Rücklichter bzw. hellen Frontlichter – ein hübscher Effekt.

Aber es gibt Schwierigkeiten. Aufgrund der langen Belichtungszeit sieht man am Ende jeden kleinen Wackler. Wer also einfach aus der Hand fotografiert, wird mit den Fotos auf keinen Fall zufrieden sein – außer man erfreut sich an Bildern wie dem Folgenden.

(Bild: Übergizmo)

Eigentlich auch nicht schlecht – verwackelte „Rücklichtspuren“ (Bild: Übergizmo)

Wackler entstehen nicht nur, wenn man aus der Hand fotografiert, sondern auch wenn man die Aufnahme per Toucheingabe aufs Display beginnt und etwas zu fest gegen das Smartphone drückt. Zwar bietet Huawei auch an, die Aufnahme per Spracheingabe („Cheese“) zu starten, beenden ließ sich die Langzeitbelichtung damit aber leider nicht.

Das Wackel-Problem hat man bei allen vier Lichtmalerei-Modi. Unser Tipp: Bastelt euch einfach ein Stativ, das hilft enorm. Wir haben in eine kleine Schachtel aus Pappe einen (nicht zu großen) Schlitz geschnitten, in den wir das Smartphone steckten. Dadurch ließ es sich problemlos und ruhig auf verschiedene Oberflächen stellen. Und mit ein wenig Übung schafft man es auch, den Auslöser so vorsichtig zu bedienen, dass man kaum am Smartphone wackelt.

Seidenes Wasser

„Seidenes Wasser“ ist der einzige Modus, den man vorzugsweise bei Tageslicht verwendet. Dabei nimmt man fließendes Wasser über eine längere Zeit auf, sodass ein beeindruckender Effekt entsteht: was ruht, bleibt scharf – was fließt, wird seidig. Auch hier kamen wir um den Einsatz unseres selbstgebastelten Stativs nicht herum, das Ergebnis war dann aber schon beim dritten Versuch herausragend.

(Bild: Übergizmo)

Wunderschön seidiges Wasser, fantastisch glänzendes Eis und gestochen scharfer Rest – ein schönes Foto. (Bild: Übergizmo)

Die Belichtungszeit betrug in diesem Fall circa drei Sekunden. Auf dem nächsten Bild seht ihr, wie die Szenerie auf einem gewöhnlichen Foto aussieht, gefolgt von einer missglückten Aufnahme, bei der das Smartphone beim Starten und Beenden der Langzeitbelichtung kurz wackelte.

(Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

Lies auch: Alles über Huawei auf Übergizmo

(Bild: Übergizmo)

Ohne ruhiges Händchen beim Starten der Aufnahme verwackelt das Foto. (Bild: Übergizmo)

Licht-Graffiti

Sicher habt ihr schon einmal gesehen, dass mit Licht geschrieben wurde. Beim Huawei Nova soll das mit dem entsprechenden Modus „Licht-Graffiti“ möglich sein. Das Prinzip: man steckt das Smartphone wieder in das selbstgebaute Stativ, beginnt die Aufnahme und malt mit einer Taschenlampe oder einer anderen Lichtquelle in der Luft. Auch dieser Modus funktioniert sehr gut und ist überdies kaum anfällig für Wackler bei Touchgesten auf dem Display. Dafür erfordert es natürlich ein wenig Übung, bis man halbwegs leserlich in die Luft schreiben kann.

(Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

Die Belichtungszeit spielt bei diesem Modi eigentlich keine Rolle. Solange man schreibt, kann man die Aufnahme einfach laufen lassen.

(Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

Sternspuren

Zuletzt stellen wir euch den vierten Modus „Sternspuren“ vor. Auch hier mussten wir ein Stativ verwenden, um ein scharfes Bild zu erhalten. Um letztendlich die Sterne auf dem dunklen Nachthimmel zu erkennen, braucht es aber eine lange Belichtungszeit. Die folgenden Fotos wurden über 30 sowie 210 Sekunden aufgenommen.

 

(Bild: Übergizmo)

3,5-minütige Sternspurenaufnahme. (Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

30 Sekunden-Aufnahme mit einfallendem Stadtlicht – unscharf und unspektakulär. (Bild: Übergizmo)

Bessere Aufnahmen des Nachthimmels wird man sicherlich außerhalb von Städten erhalten, wo weniger Licht von Straßenlaternen und Gebäuden stört. Im „Sternspuren“-Modus ist die Kamera schließlich besonders lichtempfindlich, was zum Beispiel an unseren beiden folgenden Silvester-Bildern deutlich wird.

(Bild: Übergizmo)

Nur wenige Sekunden Belichtungszeit. (Bild: Übergizmo)

 

(Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

Übrigens: im Lichtmalerei-Modus ist die Auflösung der Bilder auf 8 Megapixel im 4:3-Format, bzw. 6 Megapixel im 16:9-Format reduziert. Stören wird das aber erst, wenn man die Bilder großflächig ausdrucken möchte.

Lichtmalerei: So funktioniert´s

Hinter den vier Lichtmalerei-Effekten stecken Mechanismen der Langzeitbelichtung. Was die Fotosensoren aller Kameras aufnehmen ist nämlich nichts anderes als Licht – in diesem Fall eben über einen längeren Zeitraum.  Alles Licht, das in der manuell einstellbaren Zeit auf den Sensor auftrifft, wird in einem einzigen Bild verarbeitet. Würde man mehrere Bilder daraus machen, hätte man ein Bewegtbild, also Video.

Das schwierige bei der Langzeitbelichtung ist neben dem ruhigen Positionieren des Fotografie-Geräts aber die Kameraeinstellung, die das Huawei Nova automatisch anpasst. Die Einstellung bestimmt zum Beispiel, wie sensibel der Kamerasensor für das einfallende Licht ist. Würde man ohne angepasste Einstellung einfach nur alles Licht über mehrere Sekunden aufnehmen, hätte man tagsüber sofort eine weiße Fläche – ohne noch Objekte zu erkennen.

Fazit

Nettes Feature und häufig tolle Bilder! Allein, ein Stativ oder irgendetwas, das das Smartphone stabilisiert, ist stets vonnöten. Dann sind nicht selten auch besondere Aufnahmen, die bis vor wenigen Jahren noch den Fotografie-Expert*innen vorbehalten waren, problemlos für jede*n möglich – vor allem aber im Modus „Seidenes Wasser“.

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