Apple wegen Facetime im Auto verklagt

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Apple ermöglicht auch im Auto die Benutzung von FaceTime. Nach Ansicht von Eltern, die ihre fünfjährige Tochter bei einem Autounfall verloren haben, ist Apple an deren Tod mitschuldig, weil keine Technik eingesetzt wurde, die FaceTime beim Fahren unterbindet.

In Texas wurde Apple von Hinterbliebenen eines Kindes verklagt (PDF), weil ihre fünfjährige Tochter im Dezember 2014 bei einem Autounfall ihr Leben verlor. Ein Autofahrer, der mit dem Auto der Eltern kollidierte, verwendete währenddessen FaceTime. Er fuhr ungebremst auf ein Stauende auf.

Das Ehepaar James und Bethany Modisette wirft Apple vor, eine bereits im Jahr 2008 patentierte Technik, die eine Nutzung bestimmter Apps während der Fahrt verhindert, nicht in Facetime integriert zu haben. Apple habe sich also bewusst gegen eine sichere Version von Facetime entschieden und diese auf dem iPhone 6 des Unfallverursachers vorinstalliert.

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Der beim Santa Clara County Superior Court eingereichten Klage zufolge argumentiert die Familie, die 2008 zum Patent angemeldete und im April 2014 patentierte Technik hätte verhindert, dass der Fahrer die Facetime-App nutzt, während er ein Fahrzeug führt. Das wiederum hätte den Unfall verhindert, bei dem die Eltern zum Teil schwere und die fünfjährige Tochter sogar tödliche Verletzungen erlitten.

Am 24. Dezember 2014 war der 22-jährige Garrett Edward Wilhelm mit einem SUV ungebremst mit einer Geschwindigkeit von 65 Meilen pro Stunde (104,61 Kilometer pro Stunde) auf den Toyota Camry der Familie Modisette aufgefahren und hatte diesen überrollt. Letzterer war aufgrund eines Staus deutlich langsamer unterwegs. Nach Angaben der Polizei war Wilhelms Facetime-App sogar noch nach dem Unfall aktiv.

„Der Beklagte Apple verfügte spätestens seit 12. Dezember 2008, als er seinen Antrag beim US-Patentamt einreichte, über die Technologie, um solche Vorfälle zu verhindern“, heißt es in der Klageschrift. Apple habe zudem nicht auf mögliche Gefahren bei der Nutzung von Facetime hingewiesen. Das iPhone des Unfallverursachers müsse deswegen als „ab Werk defekt“ eingestuft werden.

Von Apple fordern die Kläger Schadenersatz in nicht genannter Höhe. Das Unternehmen aus Cupertino wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Der Unfallverursacher muss sich indes wegen Totschlags verantworten.

Techniken, mit deren Hilfe die Nutzung eines Smartphones in Fahrzeugen oder während der Fahrt erkannt werden kann, sind nicht neu. Hersteller implementieren sie unter anderem in ihre digitalen Assistenten, um bestimmte Komfortfunktionen wie beispielsweise eine automatische Rufannahme oder automatische Antworten auf SMS zu aktivieren. Die Fahrzeugerkennung kann über eine Kopplung mit bestimmten Bluetoothgeräten oder die eingebauten GPS- und Bewegungssensoren erfolgen. Allerdings nutzt bisher kein Hersteller diese Techniken, um bestimmte Apps während der Fahrt zu deaktivieren oder zumindest auf mögliche Gefahren bei einer Nutzung während der Fahrt hinzuweisen. Solche Hinweise finden sich in der Regel nur in Apps, die für die Nutzung während der Fahrt entwickelt wurden, wie beispielsweise Navigationsanwendungen – und dort in der Regel auch nur beim ersten Programmstart.

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Tags :Quellen:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de
    1. Ich bin jetzt nicht unbedingt ein Fan von Apple… Wer hier aber eindeutig Schuld ist, ist der Fahrer. Wie kann man auch nur so blöd sein und während der Fahrt ein Videotelefonat führen? Es kommt ja auch niemand auf die Idee während der Fahrt nen Film zu schauen…

      Was kommt als nächstes im Ami Land? Ein Warnhinweis das man das Atmen beim TV schauen nicht vergessen soll?

      Meist ist nicht die Technik schuld sondern der Nutzer eben selbiger.

      1. Sehr zwiespältige Geschichte. Zum einen hätte Apple die Funktion aus Sicherheitsbedenken nicht unbedingt verbauen müssen (oder deaktivieren können, wenn sich das Fahrzeug bewegt). Andererseits kann vor allem in der heutigen, technisierten Welt ein bisschen Menschenverstand nicht schaden. Das hält aber auch hierzulande einige nicht davon ab, beim Fahren SMS zu schreiben. Tragisch ist die ganze Geschichte natürlich ohne Frage.

        1. Ich verstehe den Zwiespalt. Jedoch sollte man meiner Meinung nach den Nutzer zur Verantwortung führen. Nur weil man etwas kann… heißt es nicht das man es tun sollte. Das ist einfach gesunder Menschenverstand. Ich darf ja auch niemanden überfahren… obwohl ich es theoretisch machen könnte.

          Ich finde einfach das Individuum sollte nicht für etwas entlastet werden nur weil die Möglichkeit eines Missbrauchs besteht… wo soll das hinführen? Zu Menschen die führ ihr eigenes Handeln keine Verantwortung mehr übernehmen?

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