Autobauer-Trick: Darum ist die Winterluft so giftig! #dieselgate

(Bild: Jensbn~commonswiki)

Warum ist die städtische Luftqualität im Winter eigentlich so schlecht? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat fast ein Jahr lang nachgeforscht. Nun steht fest: bei Diesel-PKW werden Grenzwerte überschritten. Schon wieder.

In kalten Monaten ist die Luft besonders mit Schadstoffen belastet. Schuld ist aber weder die Wetterlage selbst, noch vermehrte Heizungsemissionen als Reaktion auf die Kälte. Vielmehr liegt es daran, dass wohl fast alle Hersteller von Pkw die Funktion der Abgasreinigung in Diesel-Fahrzeugen von der Außentemperatur abhängig machen. Das hat die DUH in eigenen Abgasmessungen herausgefunden.

Deutsche Autobauer wie Mercedes, Opel und Porsche machen ebenso davon Gebrauch wie Renault oder Fiat. Unterhalb bestimmter Temperaturen wird die Abgasnachbehandlung reduziert, zum Teil sogar fast vollständig deaktiviert. Und diese Temperaturen sind auch im Herbst und Frühling alles andere als unüblich.

Schon ab diesen Temperaturen wird es giftiger

Wird es kälter als plus 19 Grad Celsius, schalten Diesel-Autos von Fiat die Abgasnachbehandlung „faktisch aus“, wie die DUH schreibt. Unterhalb von plus 17 Grad reduzieren auch Renault, Opel und Porsche das Verfahren. Mercedes schaltete die Nachbehandlung nun bei einem Teil der Motoren ab, bei anderen Teilen unter plus 10 Grad.

„Dass Hersteller wie Mercedes Euro-6 Diesel-Pkw verkaufen, deren Abgasreinigung bei Außentemperaturen unter zehn Grad Celsius faktisch abgeschaltet wird, ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen tausend Fällen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Warum lassen es die Autobauer also zu, dass im Winterhalbjahr giftiges Stickstoffdioxid noch stärker die Luft verschmutzt?

Motor-Verschleiß wichtiger als menschlicher Verschleiß?

Den Autobauern zufolge solle die Reduktion der Abgasnachbehandlung den Motor vor Verschleiß schützen. Dabei geben die Zulassungsvorschriften klare Richtwerte und schreiben vor, dass die Abgasreinigung auch bei niedrigen Außentemperaturen funktionieren muss. Dennoch maß die DUH beim Diesel-SUV Fiat 500x eine 17-fache Überschreitung des NOx-Grenzwerts von 80 Milligramm pro Kilometer, eine 16-fache beim Renault Captur sowie eine 13-fache beim Mercedes B-Klasse 180 d.

Dabei veröffentlichte die Europäische Umweltagentur erst im November eine neue Studie, wonach allein in Deutschland jedes Jahr fast 11.000 Menschen vorzeitig an der Stickstoffdioxidbelastung sterben. „Vorzeitig“ bedeutet in Deutschland, früher als mit 75 Jahren. Viele hunderttausend weitere erkranken aufgrund der Belastung außerdem jährlich an Asthma, COPD oder leider unter akuten Atemproblemen. Auch wenn die Zahlen nie zu 100 Prozent stimmen werden und nur ein mittlerer Wert eines Intervalls sind – sie sind nicht aus der dreckigen Luft gegriffen. Danke, Diesel…

Tags :Bildquelle : Jensbn~commonswiki @ Wikipedia
  1. Unverständlich ist, warum immer der Diesel schlecht geredet wird, dabei liegt das Problem nicht am Diesel Motor an sich, sondern an den Herstellern, die unter dem scheinheiligen Vorwand des Motorschutzes die Abgas Nachbehandlung abstellen. Dabei ist die Technik schon vorhanden und in den Fahrzeugen verbaut, sie muss nur im vollen Umfang angewendet werden. Dazu muss unsere Regierung auch die Test Methoden verstärken und sich nicht immer von der lobby einlullen lassen.

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