The Last Guardian Review – Meisterwerk mit Gangstörung

(Bild: Übergizmo)

Ein Jahrzehnt haben wir auf The Last Guardian warten müssen. Der geistige Nachfolger von Shadow of the Colossus ist immer wieder verschoben worden und hat gleichzeitig hohe Erwartungen geschürt. Ob die erfüllt worden sind, haben wir für euch getestet.

The Last Guardian Review

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The Last Guardian
(Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Einer der emotionalsten Weggefährten der Spielgeschichte  (Bild: Übergizmo)Steuerung behäbig und ungenau
 (Bild: Übergizmo)Epische und mysteriöse Spielwelt  Schlechte (Bild: Übergizmo)Kamera
 (Bild: Übergizmo)Abwechslungsreiche Rätsel  (Bild: Übergizmo)Technisch eher PS3 als PS4 und trotzdem nicht völlig flüssig
 (Bild: Übergizmo)Story wird schön erzählt und lässt Raum für eigene Interpretationen
 (Bild: Übergizmo) „Wow“-Momente zum Mitfiebern
 (Bild: Übergizmo)Klasse Soundtrack

The Last Guardian Release-Trailer

Junge trifft sanfte Bestie

Ich erwache als kleiner Junge in einer nach oben geöffneten Höhle neben einer Kreatur, die an eine Mischung aus einem Hund, einer Katze und einem Raubvogel erinnert. Das riesige Biest namens Trico liegt bewusstlos da, hat Speere im Körper stecken und wurde an eine Kette gelegt. Nun liegt es an mir Trico zu befreien und herauszufinden, wo ich bin, warum ich hier bin und was es mit der mystisch angehauchten Welt von The Last Guardian auf sich hat.

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Diese Bestie wird im Laufe des Spiels euer bester Freund (Bild: Übergizmo)

Dabei spart sich Game wilde Erklärungen und Missionsmarker sowie offensichtliche Hinweisen darauf, was als nächstes zu tun ist. Anfangs wird lediglich eingeblendet wie ich den namenlosen Jungen steuere. Das wars dann aber. Ganz im Sinne von Schöpfer Fumito Ueda will das Spiel euch auf eine Entdeckungsreise schicken, die ohne viele Dialoge oder sich wiederholende Rätselaufgaben auskommt.

Abwechslungsreiche Rätsel

Und die sind tatsächlich sehr erfrischend umgesetzt und zwingen mich, mir die Welt genau anzusehen, um vorwärts zu kommen. Dabei hilft euch an einigen Stellen Trico, indem er euch auf erhöhte Stellen anhebt oder verschlossene Tore zerstört. Episch sind auch die Momente, in denen Trico über Säulen und Türme springt, während ihr euch auf seinem Rücken festkrallt.

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Nach einem Kampf beruhigt ihr Trico mit Streicheleinheiten (Bild: Übergizmo)

Bei einigen Rätseln müsst ihr Trico mit versteckten Fässern füttern, damit es weiter geht. An anderen Stellen erklimmt ihr schwindelerregende Höhen, um den Schalter zu einer Zugbrücke zu finden. Oder ihr benutzt einen antiken Spiegel, um eine Stelle zu markieren, die Trico dann mit Blitzen beschießt. Im Gegensatz zu Tomb Raider oder Uncharted spart The Last Guardian deutlich mit Feinden, die es zu besiegen gilt. Es gibt einige Stellen, an denen ihr vor lebendigen Samurai-ähnlichen Statuen flüchten müsst. Da sich der Junge aber nicht wehren und nur mittels Button-Mashing aus deren Klauen befreien kann, liegt es an Trico, die Statuen platt zu machen.

Auch das sind Rätsel, in denen ihr herausfinden müsst, wie ihr eure Feinde zu Trico bringt. Dieser offenbart sich in solchen Situationen als Beschützer und Weggefährte, dessen Bund mit euch im Laufe des Spiels immer stärker wird.

Trico, der Katzenhundvogel

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Die Spielwelt von The Last Guardian: EPISCH! (Bild: Übergizmo)

Genau dieser Bund ist es, der The Last Guardian so besonders macht. Selten war mir ein nicht von mir gesteuerter Charakter (NPC) so wichtig wie Trico. Momente, in denen mich Trico minutenlang aus der Bewusstlosigkeit aufwecken will oder nach einem Fall ins Bodenlose mit der Schnauze auffängt, brennen sich in jede Gamer-Seele ein.

Andersherum ziehe ich Trico nach einem Kampf die Speere aus dem Rücken oder beseitige bunte Spiegel, die ihm panische Angst bereiten. Für einen Videospiel-Charakter fühlt sich Trico verdammt echt an. Vor allem wenn er sich beispielsweise schüttelt, nachdem er aus dem Wasser kommt oder wie ein Hund mit der Hinterpfote im Gefieder kratzt, wenn ihm langweilig ist.

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Trapez- und Klettereinlagen machen viele Rätsel aus (Bild: Übergizmo)

Die Geschichte von The Last Guardian lebt so von der Handlung des Spielers und wird nur sehr selten von einer Erzählerstimme oder Cutscenes unterbrochen. Von der Stimmung her vermittelt das die Isolation und die Ratlosigkeit wunderbar, die ihr als der Junge und Trico erfahrt. Die Sprachausgabe ist übrigens auf japanisch mit Untertiteln und hilft subtil, wenn ihr lange an einer Stelle nicht weiter kommt.

Die Mankos: Steuerung und Kamera

Das alles könnte so wunderbar sein und The Last Guardian zu einem echten modernen Klassiker machen, wenn da nicht zwei Punkte wären: Steuerung und Kamera. Die sind viel zu häufig so unglaublich frustrierend, dass ich froh bin, genug Kissen auf meiner Couch liegen zu haben, die meinen PS4-Controller vor dem sicheren Tod bewahrt haben.

Der Junge steuert sich so unglaublich schwammig und ungenau, dass es euch immer wieder aus dem Spielfluss rausreisst. Präzise Sprünge oder das Herumklettern auf Trico treiben einen stellenweise zur Weißglut. Vor allem da genaue Bewegungen bei Trapezeinlagen oder das Abspringen von Trico auf einen Vorsprung wichtig für der Rätsel sind.

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So liebevoll kümmert sich Trico um euch (Bild: Übergizmo)

Nach etwa einem Viertel des Spiels könnt ihr Trico dann einige Kommandos geben und spätestens ab da merkt ihr, dass die Steuerung nicht „so gedacht“ war, um die Ungelenkigkeit des Jungen zu simulieren. Trico an die richtigen Stellen zu bringen, damit er sich aufrichtet oder ihn über ein Hindernis springen zu lassen sind im besten Fall Geduldsspiele. Im schlimmsten Fall tut er partout nicht was man will oder steht Zentimeter neben dem Punkt, an dem er eine Aktion ausführen würde.

Schöne Spielmomente – technisch durschnittlich

Dazu kommt die Kamera, die oft von Tricos riesigem Körper verdeckt wird. Zum Beispiel während ihr gerade auf einem fußbreiten Steg balanciert. Oder in engen Innenpassagen, bei denen das Bild ständig hin und her springt. Da wünscht man sich, endlich wieder raus zu kommen, um die Landschaft mit ihren epischen Bauten bewundern zu können. Die Rätsel und das Vorankommen gestalten sich aufgrund der Kameraführung leider oft unnötig schwierig. Auch wenn man genau weiß, was zu tun ist, vermasseln Kamera und Steuerung oft die schönen Momente.

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Viele Stellen erreicht ihr nur durch genaues Beobachten oder mit Tricos Hilfe (Bild: Übergizmo)

Wie beispielsweise die Stelle, an der ich für Trico einen Spiegel zerstören will, die Halterung abreisst und ich mich gerade noch daran festhalten kann. Trico springt und klettert einen nahe gelegenen Turm herunter und wartet. Ich lasse mich fallen und Trico schnappt nach mir, lässt mich aber versehentlich los und ich kralle mich weiter fallend an seinem baumelnden Schwanz fest (und damit ist nicht sein bestes Stück gemeint, ihr Ferkel). Solche Augenblicke sind einfach episch und davon bietet The Last Guardian auch einige.

Da verzeiht man auch die Grafik, die keineswegs schlecht ist und besonders in den riesigen Außenarealen was her macht. Technisch merkt man dem Spiel aber seine zehn Jahre Entwicklungszeit an. Zudem fragt man sich, warum selbst auf einer PS4 Pro die Frameraten manchmal brutal einbrechen. Denn grafisch könnte das Game auch ein PS3-Titel sein und vermutlich wurde er ursprünglich auch für Sonys letzte Konsolengeneration entwickelt. Dank dem Leveldesign und dem emotional umgesetzten Weggefährten Trico fällt das aber weniger ins Gewicht.

Fazit

(Bild: Übergizmo)

The Last Guardian ist ein Titel, der seine Geschichte sehr minimalistisch und dennoch emotional erzählt. Der Bund des namenlosen Jungen und der sanften Bestie Trico ziehen euch einfach in ihren Bann. So verbringt ihr etwa 15 Stunden mit den ausgefallenen und fairen Rätseln in den mystischen Ruinen. Das Game ist von der Stimmung her eher ruhig, zeigt aber zwischendurch seine aufregenden Momente. Vor allem die letzten zwei Stunden machen vieles wieder wett, was die Steuerung und die verhunzte Kamera an Frustmomenten erzeugen.

Technisch etwas mehr auf der Höhe der Zeit, hätte The Last Guardian grandios werden können. Dennoch bleibt es ein sehr gutes Spiel, wenn man sich drauf einlässt und viel Frustresistenz mitbringt. Wer ausschließlich Games wie Doom, The Division oder Call of Duty daddelt, wird vielleicht nicht glücklich mit The Last Guardian. Fans von The Witness, FEZ oder Everybody’s Gone To The Rapture können aber zuschlagen.

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