Apple AirPods: Sound im Zeichen des Apfels

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Das wohl am kritischsten beäugte Apple-Produkt 2016 waren mit Abstand die AirPods, die neuen Kopfhörer aus Cupertino. Wir wollten genau wissen, was sie denn nun sind: Lachnummer oder doch Hörgenuss?

Apple AirPods

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Apple AirPods

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Sehr gute, fehlerfreie Verarbeitung  (Bild: Übergizmo)Sehr teuer (179 Euro)
 (Bild: Übergizmo)Guter Klang aber…  (Bild: Übergizmo)… stark basslastig und in den Höhen oft nicht ganz sauber
 (Bild: Übergizmo)Guter Halt und bequemer Sitz  
 (Bild: Übergizmo)Schnelles, einfaches Pairing  
 (Bild: Übergizmo)Lange Akkulaufzeit  

 

Design und Lieferumfang

Ja, sie sehen seltsam aus. Der Vergleich mit Dentalhygieneprodukten wie Zahnseide und Zahnbürstenköpfen kommt nicht von ungefähr, wie man auf den Bilder gut sehen kann. Die beiden AirPods sind kleiner als befürchtet – die Aufbewahrungsschachtel allerdings auch. Sie kommt mit ihren Maßen gut an Süßstoffspender oder eben Zahnseideschachteln heran, was zum Mitnehmen sehr praktisch ist, wenn man denn kleine Taschen hat. Bei Handtaschen hört der Spaß garantiert schnell auf, denn die Schachtel ist wirklich sehr klein.

Im Größenvergleich: Pillendöschen und Apple AirPods Case

Im Größenvergleich: Pillendöschen und Apple AirPods Case

Die AirPods sind gute vier Zentimeter lang und passen exakt und nur richtig herum in das weiße Schächtelchen, welches zugleich als Ladestation dient. Auf den Ohrstöpseln steht ein R oder L für rechts und links, unten verfügen sie über einen metallenen Abschluss, der die Mikrofone beherbergt.

Eine Schönheit sind die AirPods nicht. Sie sind zwar kleiner als Zahnbürstenköpfe, dafür kommen sie aber Antennen, die futuristisch aus den Ohren herausragen recht nahe. Unter langen Haaren und Mützen lassen sie sich aber ganz gut verbergen. Einen Design-Award kann niemand dafür verlangen.

Inbetriebnahme

An der weißen Box befindet sich ein Knopf, den man drücken muss, wenn man die AirPods zum ersten Mal mit dem Apple-Gerät verbinden möchte. Dazu muss am iPhone, iPad, iMac, MacBook oder iPod Bluetooth eingeschaltet sein. Die Schachtel befindet sich in der Nähe des Geräts, Knopfdruck, an. Ganz einfach und es funktioniert in Apple-Manier tadellos und sehr schnell. Auch wenn man zwischen verschiedenen Devices hin- und herswitchen möchte, ist dies kein Problem. Im Normalfall merken die AirPods, welches Gerät in Benutzung ist. Ist es doch einmal verwirrt, weil beispielsweise das iPad und das iPhone direkt nebeneinander in Gebrauch sind, muss man einfach in den Bluetooth-Einstellungen einmal manuell umschalten.

Handhabung und Komfort

Kommen wir zum vorherrschenden Thema: Fallen die Dinger nicht ständig raus? Nun, das kommt ein bisschen auf die individuelle Beschaffenheit der Ohren an. Meine eigenen Lauscher würde ich als “Problemohren” bezeichnen. In-Ears drücken auch in der kleinsten Größe, klassische billige Headsets verabschieden sich ständig und überhaupt sind doch die On- und Over-Ears das einzig Wahre. Dachte ich.

Die Apple AirPods mussten im Test einige Bewegungen aushalten. Sowohl den Joggingtest mit ordentlich Schweiß sowie den Headbangtest (mit nicht weniger Schweiß!), als auch den Alltagstest mit Spazieren, Sprints zum Bus und Mützentragen haben sie bestanden. Sehr vorsichtig muss man aber beim An- und Ablegen von Schals und Mützen sein, hier besteht nach unseren Testergebnissen das größte Verlustrisiko neben dem schlichten Liegenlassen der Box, was aber bei On-Ears nicht anders ist. Ab iOS 10.3 wird Apple zumindest für die eigenen Geräte eine praktische Suchfunktion für die AirPods implementieren, sodass sie bei ausreichend Rest-Akku geortet werden können.

Wie kommt es denn nun, dass man die “normalen” Ohrstöpsel von Apple eher aus den Ohren verliert als die AirPods? Nun, sie sehen gleich aus und die Form scheint wirklich identisch zu sein. Im direkten Vergleich fällt aber auf, dass die AirPods anders austariert sind. Der Schwerpunkt liegt anders und wenn kein direkter Zug an die Geräte kommt (wie es ja bei Kabeln immer wieder vorkommt), fallen sie auch nicht aus den Ohren heraus. Natürlich ist dies wie gesagt eine individuelle Sache und man sollte das Headset auf jeden Fall Probetragen, bevor man sie kauft.

Funktionen

Die Funktionen der AirPods sind schnell erklärt: Einmal verbunden kann man mit ihnen Musik hören, Siri bedienen und telefonieren. Ein Tipp auf einen beliebigen Stöpsel aktiviert Siri, die man bitten kann, jemanden anzurufen, lauter oder leiser zu stellen oder das Lied zu wechseln. Das klappt wunderbar. Nimmt man einen AirPod aus dem Ohr, so pausiert das Musikstück. Das ist sehr praktisch, wenn man sich kurz unterhalten möchte. Ein bisschen blöd ist aber, dass die AirPods wohl auf Körperwärme reagieren und bei warmen Händen davon ausgehen, dass sie zurück im Ohr sind – kleine Schreckmomente, wenn beim Brötchenholen plötzlich Dave Grohl ins rechte Ohr brüllt, sind dann vorprogrammiert. In die Tasche stecken ist nicht immer praktikabel und ganz posermäßig das Statussymbol von Apple auf den Bäckerei-Tresen legen ist auch nicht immer angebracht. Im Zweifelsfall bleibt auch hier nur das Pausieren direkt auf dem Telefon oder der Smartwatch.

Die Musik geht wieder an, wenn der AirPod in der warmen Hand lagert

Die Musik geht wieder an, wenn der AirPod in der warmen Hand lagert

Akku

Die AirPods werden kabellos in der Transportbox aufgeladen, welche wiederum per Lightning-Kabel mit Strom versorgt wird. Die Schachtel kann bei “normaler” Nutzung genug Strom für etwas mehr als eine Woche liefern, denn die AirPods sind nicht besonders gierig. Eine volle Ladung reicht für gute fünf Stunden Dauerbetrieb aus und legt man die leeren Stöpsel in die geladene Box, so erhält man wiederum gute 140 Minuten Energie. Komplett aufgeladen sind sie nach ca. einer Stunde, die Ladebox nach etwa zwei Stunden. Mit einer vollen Box plus voll geladenen AirPods kamen wir im Test auf fünf Ladezyklen, also völliges Entleeren und Aufladen der Kopfhörer. Das entspricht 25 Stunden Dauerbetrieb und damit im Schnitt etwa dreieinhalb Stunden Nutzungszeit pro Wochentag, das sollte den meisten Leuten genug sein.

Das Case dient als Aufbewahrung und Ladestation

Das Case dient als Aufbewahrung und Ladestation

Sound

Kommen wir aber zum wichtigsten Punkt, wenn es um Kopfhörer geht: Den Sound. Dieser ist überraschenderweise sehr gut. Überraschenderweise, weil man ein derart sattes Hörerlebnis eher großen kabelgebundenen Over-Ears zutraut, aber nicht den kleinen Stöpseln. Die AirPods klingen einfach gut, sie übersteuern nicht und halten auch bei maximaler Lautstärke ohne zu scheppern gut durch. In manchen Reviews wird gesagt, dass sie nicht anders klängen als die EarPods, die gratis dem iPhone beiliegen – in unserem Test zeigte sich ein anderes Bild. Die EarPods sind nicht schlecht, im Vergleich zu den AirPods aber doch ziemlich schwach auf der Brust. Es fehlt des EarPods an Tiefen und die Höhen bleiben sehr blass.

Was bei den AirPods hingegen auffällt ist der sehr dominante Bass. Das passt zu den meisten rockigen Stücken und zu Techno, bei leiseren Pop-Tönen kann er stören. Insbesondere bei klassischer Musik fällt auf, dass man wirklich jedes Instrument einzeln ausmachen kann. Der Bass kommt hier sehr schön zur Geltung, ohne das gesamte Stück zu dominieren. Allerdings ist bei voller Lautstärke in den hohen ersten Stimmen ab und an ein Kreischen zu hören, was sehr störend ist. Bei geringerer Lautstärke gibt sich dies aber wieder.

Insgesamt machen die AirPods klanglich eine sehr gute Figur und es offenbart sich, warum der Preis für die eigentlich unscheinbaren Ohrstöpsel so hoch ist – die Technik dahinter ist gewaltig. Probehören ist dennoch ein Muss, schließlich ist der persönliche Geschmack immer noch der wichtigste Indikator für “guten Sound”.

Verbindung

Auch das Telefonieren klappte im Test sehr gut. Die Bluetooth-Verbindung ist stabil und die Gesprächsqualität hervorragend. Benutzt man die AirPods beim Radfahren oder Autofahren als Freisprecheinrichtung, verstaut man am besten einen Stöpsel im Case, dann kann man sie wunderbar nutzen, ohne den Verkehr um sich herum zu überhören. Gerade erst machen Meldungen die Runde, dass Apple Probleme mit abbrechenden Telefonverbindungen, die wohl oft auftreten sollen, untersuchen wird. Im Test wurde viel und lang telefoniert, die Verbindung blieb bei unseren Exemplaren stets stabil. Eventuell ist ja eine andere Charge betroffen oder wir hatten Glück – man weiß es nicht.

Eins der Mikrofone der AirPods

Eines der Mikrofone der AirPods

Fazit

Das Fazit des Tests könnte lauten: Die AirPods sind besser, als ich es erwartet hätte. Aber das klingt zu negativ. Dazu müsste man noch sagen, dass die Erwartungen sehr hoch waren. Immerhin sind die Stöpsel mit 179 Euro zwar Apple-typisch, aber auch unverschämt, teuer. Es steckt aber eben auch eine Menge drin: Der Sound steht vielen Konkurrenzprodukten derselben Preisklasse in nichts nach. In den AirPods steckt ein eigener Prozessor, der Apple W1. Dieser erlaubt das schnelle Umschalten zwischen den Geräten, steuert den sehr guten Akkuverbrauch und die Reaktionen auf Tippen und Herausnehmen.

Gerade dann, wenn man sich die Frisur nicht durch Bügel versauen möchte und etwas möglichst Kleines für die Ohren sucht, sind die AirPods eine gute Wahl. Mit längeren Haaren sieht man dabei dann nicht einmal aus wie ein Depp. Wobei, seien wir ehrlich: Wir kennen doch Apple und die Konsumgesellschaft – das Design ist erst der Anfang. Wahrscheinlich hätte Apple auch Kopfhörer in Brezelform bauen können, sie wären der letzte Schrei und die Leute würden sich danach verzehren.

Zum Thema Verbindung muss ich sagen, dass bei unseren Exemplaren alles geklappt hat, was klappen sollte. Telefonate wurden kein einziges Mal unterbrochen. Generell war die Bluetooth-Verbindung sehr stabil und die Reichweite genauso weit wie mit anderen Geräten und Kopfhörern der Konkurrenz auch.

Für die fünf Sterne reicht es dennoch nicht ganz, denn die AirPods sind eben nicht ganz perfekt. Der Klang passt zwar für die meisten Musikrichtungen, der Bass ist aber in der Tat für viele Stücke zu dominant. Die Höhen sind bei hoher Lautstärke oft zu schrill. Was fehlt ist eine Bedienung, die durch Tippgesten funktioniert. Siri ist schön und gut – aber auch zu langsam. Manchmal möchte ich auch nicht mit ihr sprechen, das Smartphone aber auch nicht ständig rauskramen. Eine einfach Wischoption für den nächsten oder vorherigen Song und die Lautstärke wären cool gewesen. Fünf Sterne wären gerechtfertigt, wenn die AirPods günstiger wären. 179 Euro bei Apple und derzeit sechs Wochen Lieferzeit sind einfach zu viel und ein kleines Manko.

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  1. “lachnummer oder hörgenuss” – das ist nicht die frage. selbst wenn die air pods einen richtig guten klang hätten, wären sie eine lachnummer.
    ich glaube, ich kann mir das grinsen nicht verkneifen, wenn ich den ersten damit sehe. bisher ist mir damit noch keiner über den weg gelaufen :)

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