Gift mit dem Smartphone messen: Diese App hätte Schneewittchen gerettet

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Ist der Apfel nun Bio oder nicht? Das will die App HawkSpex mobile des Fraunhofer-Instituts in Magdeburg herausfinden, indem sie Produkte auf ihre Inhaltsstoffe prüft. So soll sie zum Beispiel feststellen, wenn ein Apfel mit gesundheitsgefährdenden Pestiziden behandelt wurde. Dabei funktioniert HawkSpex mobile ohne extra Zubehör mit herkömmlichen Smartphones.

Die Smartphone-App HawkSpex mobile des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg soll Abgaben von Herstellern und Verkäufern überprüfen können. Die HawkSpex mobile genannte Anwendung greift dazu auf Komponenten zurück, die in aktuellen Smartphone ohnehin bereits verbaut sind. Spezielles Zubehör, das vergleichbare Funktionen derzeit schon ermöglicht, sei damit nicht mehr erforderlich.

Als ein Anwendungsbeispiel nennen die Forscher die Überprüfung von Bio-Äpfeln. Ob die wirklich nicht gespritzt wurden, weiß der Kunde nicht. Er muss sich auf die Angaben des Verkäufers verlassen. Teilweise sind für Verbraucher aber auch Informationen wichtig oder interessant, zu denen der Verkäufer keine Angaben machen muss, zum Beispiel wenn sie an bestimmten, seltenen Unverträglichkeiten leiden.

Mit der App HawkSpex mobile sollen sie in solchen Fällen künftig die Möglichkeit haben, die Angaben zu überprüfen. Dazu müssen sie lediglich die App öffnen und das Smartphone auf das zu prüfende Objekt richten, damit ihnen dann die die gewünschten Information angezeigt werden – etwa, ob der Apfel nicht doch giftige Rückstände enthält.

Systeme, mit denen sich solche Messungen durchführen lassen waren bislang nur als Zubehör erhältlich, oft teuer und unpraktisch in er Nutzung. Erst vor kurzem hat der chinesische Anbieter Changhong mit dem H2 ein erstes Smartphone mit integriertem Molekularscanner vorgestellt. Das Telefon verfügt über einen in Zusammenarbeit mit Consumer Physics und Analog Devices (ADI) entwickelten SCiO-Molekularscanner. Dadurch kann es die molekulare Zusammensetzung von Objekten und Oberflächen untersuchen und mit vorinstallierter App erkennen.

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Verbraucher sollen so etwa Eigenschaften von Lebensmitteln, Flüssigkeiten oder Medikamenten analysieren können. Das H2 soll in China im ersten Halbjahr 2017 für rund 433 Dollar in den Handel kommen, in anderen Ländern dann im weiteren Verlauf des Jahres.

Für die Nutzung der App HawkSpex mobile muss dagegen kein neues Telefon angeschafft werden: “Der Anwender braucht für die Messung nichts weiter als die Kamera, die ohnehin in seinem Smartphone integriert ist”, erklärt Professor Udo Seiffert, Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer IFF.

Die für solche Messungen sonst benötigte Hyperspektralkamera ermittelt jeweils, wie viel Licht einer bestimmten Farbe das Objekt zurückwirft. So erstellt sie einen “spektralen Fingerabdruck”. Aus dem lassen sich über ein mathematisches Modell vielfältige Informationen über das Objekt ablesen, darunter auch die Inhaltsstoffe.

“Da im Smartphone keine Hyperspektralkamera integriert ist, haben wir dieses Prinzip einfach umgedreht”, erklärt Seiffert. Daher wird mit der App der zu untersuchende Gegenstand über das Display des Smartphones mit Licht unterschiedlicher Farbe beleuchtet: Wirft das Display nur rotes Licht auf das Objekt, kann das Objekt auch nur rotes Licht reflektieren und die Smartphone-Kamera nur rotes Licht messen. Der Clou sind die Auswertungsalgorithmen: Sie sorgen dafür, dass die App nicht nur die eingeschränkten Leistungen von Kamera und Display kompensiert, sondern auch mit der Rechenleistung eines Smartphones auskommt.

(Foto: Übergizmo)

Die erste Laborversion der auch zum Patent angemeldeten App ist fertig. Derzeit entwickeln die Forscher erste Anwendungen. Um bei der Nutzung durch Verbraucher zuverlässig zu funktionieren, muss das System zunächst über Vergleichsmessungen trainiert werden. Der Prozess soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

In anderen denkbaren Einsatzszenarien sind diese Vergleichsmessungen gar nicht notwendig. Ein Beispiel dafür ist der Kauf eines Gebrauchtwagens: Dabei kann die App einfach feststellen, ob der Lack an allen Stellen exakt die gleiche Farbe hat oder ob nachlackiert wurde. Falls das der Fall ist, wäre zum Beispiel die Angaben unfallfrei des Verkäufers zu hinterfragen.

Um alle denkbaren Einsatzbereiche abzudecken, wollen die Forscher es wenn die App Ende 2017 auf den Markt kommt, auch Verbrauchern ermöglichen, am weiteren „Training“ der App teilzunehmen. Auch im gewerblichen Bereich sehen die Entwickler Einsatzmöglichkeiten, etwa bei der raschen, ersten Qualitätskontrolle von Lebensmitteln.

Tags :Quellen:FraunhoferVia:Mit Material von Peter Marwan, silicon.de

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