T2 Trainspotting – Aufgewärmter Kult mit weniger Heroin

T2 Trainspotting

“Du bist Tourist in deiner eigenen Jugend”. Ein Satz aus T2 Trainspotting, der nicht passender hätte beschreiben können, wie ich mich bei der Fortsetzung des gleichnamigen Kulthits von Danny Boyle als Zuschauer fühlte.

T2 Trainspotting

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Rent Boy (Ewan McGregor) und Spud (Ewen Bremner) versuchen es mit Sport statt Heroin
© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

1996 war ich mit einer Freundin im Kino, wir hörten damals gerne Britpop. Cool Britannia war damals der Zeitgeist. Trainspotting lief im Original mit Untertiteln und ich machte das erste mal mit der schottischen Sprache Bekanntschaft. Zuerst war ich mir nicht mal sicher, ob es überhaupt Englisch war, was ich da hörte. Ein seltener chinesischer Dialekt hätte in meinen Ohren ähnlich exotisch geklungen.

Auch zwanzig Jahre später, beim zweiten Teil des kultigen Heroindramas, erinnert Schottisch noch immer an Ausserirdisch. Britpop klingt immer noch cool. Sick Boy, Rent Boy, Spud und Begbie sind immer noch Looser. Heroin ist immer noch schlecht. Danny Boyle hat es immer noch drauf!

Trainspotting-Nostalgiereise

T2 Trainspotting bringt Nostalgie auf die Leinwand. Erinnert ihr euch noch an den phänomenalen Soundtrack? Underworlds “Born Slippy” oder Iggy Pops “Lust for Life” prägten sich für immer als Trainspotting-Hymnen in unsere jugendlichen Hirne ein und werden nun reaktiviert.

Mark "Rent Boy" und Franco Begbie auf Kriegsfuß © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Mark „Rent Boy“ und Franco Begbie auf Kriegsfuß
© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Danny Boyle versammelte das komplette Originalcast samt Ewan McGregor und liefert einen unterhaltsamen Aufguss von Trainspotting. Kultstatus kann man für gewöhnlich nicht erzwingen und ich bezweifle, dass T2 als Meisterwerk in die Filmgeschichte eingehen wird. Aber für alle Fans ist T2 Trainspotting ein Must-See! Es ist wie ein Klassentreffen nach zwanzig Jahren, wo sich nur die Loser wiedertreffen.

Ewan McGregor, Johnny Lee Miller, Ewen Bremner und Robert Carlyle hatten sichtlich Spaß in ihren aufgewärmten Rollen. Sie sprangen aus einer Zeitkapsel aus 1996 direkt auf die Leinwand mit einigen Falten mehr in ihren Gesichtern und mit weniger Heroin in ihren Adern. Ansonsten sind sie immer noch unverkennbar die Anti-Helden von damals.

T2 spielt exakt 20 Jahre nach dem Ende von Trainspotting. Freundlicherweise bietet der Film für alle, deren Gedächtnis über die Jahre – ob mit oder ohne Drogen – eingerostet ist kurzweilige Updates was alles geschah nachdem Rent Boy (Ewan McGregor) am Ende des Films mit einer Stange Geld abhaute und seine Freunde im Stich ließ. Zu Beginn von T2 kehrt Mark “Rent Boy” zurück in seine Heimat, er verbrachte zwei Jahrzehnte in Amsterdam. Auf seine Rückkehr reagiert sein ehemaliger bester Freund Simon “Sick Boy” berechtigterweise mit gemischten Gefühlen.

Die alte Drücker-Crew ist wieder da! © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Die alte Drücker-Crew ist wieder da!
© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Simon ist mittlerweile Barbesitzer, der wahrscheinlich leersten Bar Schottlands. Mit seiner bulgarischen Freundin Veronika (Anjela Nedyalkova) verdienen sie sich ein Zubrot als Erpresser von sexgeilen reichen Ehemännern dazu und planen die Eröffnung eines edlen “Sauna”-Betriebes. Junkie Spud hat sich in den zwanzig Jahren kaum verändert, sein Leben scheint er immer noch nicht im Griff zu haben, Heroin bestimmt seinen Alltag.

Auch Franco Begbie erlebte keine Läuterung, obwohl er die ganze Zeit im Gefängnis saß. Er ist immer noch der selbe Brutalo wie damals. Geschickt kann er aus dem Knast abhauen. Als er von Mark Rentons Rückkehr erfährt ist er wie im Blutrausch mit dem einzigen Ziel sich zu rächen. Die Jagd auf Mark und die Aufarbeitung der vergangenen Jahre mit etlichen Rückblicken bestimmen die Handlung der Fortsetzung.

T2 Trainspotting – Statt Fäkalien gibt es diesmal Kotze

Ab Marks Ankunt am Flughafen von Edinburgh zeigt uns Regisseur Boyle durchgehend Bilder, die so auch als Image-Film der schottischen Tourismusbehörde funktionieren könnten. Abwechselnd gibt es wieder schnell geschnittene Szenen im Musikvideo-Stil, rohe Gewalt und einen Ekelmoment durch Kotze geschürt. T2 bietet einige originelle Szenen, doch mit der legendären Fäkalien-Szene (Rent Boy taucht in “die dreckigste Toilette Schottlands” ein, die sich wie in einen Traum in einen Ozean verwandelt…) aus dem ersten Teil kann keine mithalten.

T2 Trainspotting ist für Fans gemacht. Wer Trainspotting nicht kennt, wird sich sicherlich auch amüsieren über den Haufen Chaoten, aber es empfiehlt sich auf jeden Fall den ersten Teil anzuschauen, bevor man ins Kino geht. T2 ist eine Nostalgiereise, ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

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  1. Die Freundin heißt übrigens nicht Viktoria sondern Veronika, und wird gespielt von Anjela Nedyalkova.
    Aber vielleicht spielt die Medyalkova doch eine Viktoria … :-)

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