Dreist! Wie Vodafone neue Kunden werben wollte

(Foto: Andreas Eichenseher)

Vodafone verpackte gezielte Werbung wie ein Informationsblatt, das von Behörden hätte stammen können. Das Vorgehen war so dreist, dass man sich mittlerweile dafür entschuldigt.

Vor einigen Wochen erhielt unser Haushalt eine förmlich wirkende Postkarte von „Vodafone Kabel Deutschland“. Es gäbe „eine wichtige Neuerung der Telefon- und Internet-Technologie“ an unserer Adresse wodurch sich unser „Tarif in Preis und/oder Leistung verbessern“ könne, hieß es. Interessant, schließlich wurde das Glasfaserkabel in unserem Viertel schon vor anderthalb Jahren fertig installiert. Und Kunden bei Vodafone Kabel Deutschland waren wir auch nicht.

Bis spätestens 28. Februar sollte man die Nummer 0800 588 77 76 anrufen, um in den Genuss der potentiellen Vorteile zu gelangen. Schon hier könnte man aufhorchen, da zeitliche Limitierungen von angeblich vorteilhaften Angeboten auch bei Spam-Mails eingesetzt werden.

Was versteckt sich also hinter den Postkarten, die ich zunächst selbst für ein hilfreiches Entgegenkommen unseres DSL-Anbieters hielt (der Absender „Vodafone“ war schließlich nur relativ klein auf der Vorderseite zu lesen)? Natürlich ist es Werbung. Eine Form der Unternehmenskommunikation, die gezielt darauf setzt, ihr wahres Wesen lange nicht preis zu geben.

Vodafone-Werbung, die einen veranlasst, selbst anzurufen

Man ist es gewöhnt, vom eigenen Mobilfunk- oder DSL-Anbieter aus Werbegründen angerufen zu werden. Dass man selbst zum Anruf geleitet wird, auch noch von anderen Anbietern, ist dagegen nicht die Regel. Wie funktioniert das? Die Deadline, bis zu der man anrufen sollte, erzeugt bei jenen, die die Postkarte erhielten, Druck. Wer daraufhin anruft, ruft voller Hoffnung an. Voller Hoffnung auf einen günstigeren oder besseren Tarif.

Wer anruft, wird meist sogar in dem Glauben anrufen, den aktuellen Vertrag beim aktuellen Anbieter zu verbessern. Erst beim Telefongespräch sollte sich herausstellen, dass sich hinter der Postkarte nur der Befehl versteckt, selbst auf die Werbetreibenden zu zugehen und sich einen gänzlich neuen Tarif eines neuen Anbieters zeigen zu lassen. Und das Spielchen trieb Vodafone Kabel Deutschland nicht nur mit Internet- und Telefon-Tarifen, sondern auch mit der DVB-T-Abschaltung.

(Foto: Andreas Eichenseher)

Dieses Vorgehen ist so dreist, dass Vodafone Kabel Deutschland mittlerweile die Werbeaktion abbrach und sich entschuldigte. Wer die Nummer auf der Postkarte anruft, hört nun eine Frauenstimme, die automatisch abgespielt wird. Sie weist darauf hin, dass man „verschiedene Werbemittel in unterschiedlichen Gestaltungsformen“ einsetzt. Also auch derart gestaltet, dass der Werbecharakter verloren geht und man getäuscht wird.

„Entschuldigen Sie die eventuell aufgetretenen Missverständnisse“, führt die Stimme das Eingeständnis fort. „Diese Art der Kommunikation werden wir künftig nicht mehr einsetzen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Anschließend wird der Anruf automatisch beendet und den ehemals Interessierten wird spätestens an dieser Stelle klar, dass sie von Vodafone Kabel Deutschland hinter´s Licht geführt wurden. 

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