MWC: Wird Ford zum Serviceanbieter? [Interview]

(Bild: Übergizmo)

Öffentliche Flächen in Städten sind begrenzt und müssen effizient genutzt werden. Auch Ford will diesbezüglich Ideen ins Rennen schicken. Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona sprachen wir mit Jessica Robinson von Ford über Zukunftskonzepte des Unternehmens.

Ford stellte auf dem Mobile World Congress diverse urbane Mobilitäts-Konzepte vor, etwa das Carr-E , das einem autonomen Staubsauger ähnlich sieht und Personen mit bis zu 18 Stundenkilometer transportieren können soll. Und das ist nicht die einzige Idee, die in dem Automobilunternehmen im Rahmen eines Wettbewerbs entwickelt wurde.

Lenz Nölkel von Übergizmo hat mit Jessica Robinson, ‎Director City Solutions bei Ford, in Barcelona dazu ein Gespräch geführt.

Lenz/Übergizmo: Sie haben 633 Konzepte von Ihren Mitarbeitern zur sogenannten  „Last Mile Mobility Challenge“ erhalten, richtig?

Jessica/Ford: Das gehört zu unseren Bemühungen, innovative Ideen zu unterstützen. Die Einreichungen werden wir nicht notwendigerweise alle veröffentlichen, sondern es sind eher Beispiele dafür, wie man Lösungen denken kann. Drei der Konzepte schafften es in die finale Runde und wurden nun auf dem MWC gezeigt: Carr-E, Autolivery und TriCiti.

Was wird nun der nächste Schritt sein? Sie wollen die Produkte zwar nicht veröffentlichen, doch was passiert als nächstes? Ken Washington (Vice President, Research and Advanced Engineering) sagte gestern, man könne ein Konzept nicht für die ganze Welt nutzen.

Das ist ein wichtiger Punkt. Es gibt wahrscheinlich Bereiche der Einreichungen, etwa eine Technik- oder Geschäftsidee, die in irgendeiner Weise weiterleben wird, auch wenn wir sie vielleicht nie zu sehen bekommen, aber das ist eben das Wesen von Innovations-Wettbewerben. Es haben Teams zusammengefunden, die zuvor noch gar nicht existierten. Das gesamte Bild einer Stadt der Zukunft zeigt, dass solche Technologien die Schlüsselfunktionen sind. Wir sprechen aus dieser Perspektive heraus mit Bürgermeistern und Verkehrsplanern und fragen: „Was meint ihr? Wie passt dies in das Szenario, was ihr euch für eure Städte vorstellt?“. So lassen sich Gespräche zu diesem Thema beginnen.

Wir haben zum Beispiel ein Video, in dem Menschen mit den kleinen Carr-Es in der Stadt umherfahren. Manche meinen daraufhin, sie wollen nicht, dass ihre Stadt so aussieht, andere wiederum sagen, sie würden es lieben, und das sind wichtige Startpunkte für uns. Wir bringen also einige Ideen zu vielen verschiedenen Entscheidern, die sich beruflich damit beschäftigen und wollen als nächstes ein Zusammenspiel aufbauen.

Jessica Robinson von Ford spricht mit uns über die Zukunft der Mobilität. (Bild: Ford)

Jessica Robinson von Ford spricht mit uns über die Zukunft der Mobilität. (Bild: Ford)

Okay, ihr sprecht also mit jeder Stadt oder Regierung einzeln. Plant ihr mit ihnen gemeinsam auch neue Projekte?

Genau. Aktuell versuchen wir vor allem herauszufinden, was die drängensten Probleme sind.  Sicherlich zählen Verkehrsstaus dazu, Stau, wie wir ihn heute Morgen selbst erlebten. Aber Stau ist in jeder Stadt ein anderes Phänomen. Mal läuft der Verkehr mehr über die Autobahn, mal mehr in der Innenstadt selbst, mal zeigt sich der Stau hingegen in einer U-Bahn, wenn alle gegen die Fenster gepresst werden.

Wir versuchen also zu verstehen, wie der Verkehr in den einzelnen Städten funktioniert. Anschließend werfen wir einen Blick darauf, was es auf dem Markt aktuell gibt, wie es funktioniert und wo eine mögliche Anwendungs liegen könnte, denn wir denken, dass es noch viel Ineffizienz gibt – wir erleben das ja jeden Tag als Bürger einer Stadt. Wir versuchen, die Ursprünge dieses Ineffizienten zu verstehen und überlegen, wie wir sie beheben können.

 

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(Bild: Übergizmo / Lenz Nölkel)

Ford Carr-E (Bild: Übergizmo / Lenz Nölkel)

Um ein Beispiel zu nennen: Erst vor 30 Minuten war ich an der alten Messe ein paar Kilometer von hier und bekam kein Taxi, auch nicht über Uber oder andere App-Dienste. Ineffizienz ist also ein wichtiger Punkt. Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten Themen, auf die ihr euch fokussieren wollt, etwa autonomes Fahren und Car-Sharing? Oder ganz andere Konzepte?

Wir befassen uns zum Beispiel damit, wie wir einen Service einbringen können, den wir vielleicht auch gemeinsam mit dem öffentlichen Verkehrsnetz oder, wenn vorhanden, Bike-Sharing operieren lassen können. Dabei müssen vielleicht nicht zwingend alle Dienste gemeinsam arbeiten, aber wir wollen viele zusammenbringen, um die Effizienz zu erhöhen und die Nutzererfahrung zu verbessern. Gerade die Effizienz ist noch ein Problem, denn Städte wissen oft nicht, was auf deren Straßen los ist – was auch gar nicht ihr Verschulden sein muss.

Es kommen eben mehr Menschen in die Städte und bewegen sich fort. In manchen Städten zahlt man beispielsweise den Bus noch bar. Und auch um solche Sachen geht es in unseren Gesprächen, in denen wir herausfinden wollen, ob es sich um einzelne lokale Probleme handelt, oder um Herausforderungen, die an vielen Orten auftreten. Anschließend fragen wir uns, wie wir eine Lösung finden können, die an vielen Orten verwendet werden kann, aber noch immer lokal angepasst ist.

Ford Autolivery

Ford Autolivery

Das klingt, als würde auch Ford seinen Einsatzbereich mehr zu Dienstleistungen verschieben. Gibt es diesen Wandel von Hardware zu Software zu Dienstleistungen?

Ja, gibt es, gerade wenn man sowohl IT als auch Hardware abdeckt. Wir sind als Ford auf dem Weg, uns von einem reinem Automobilhersteller zu einem Mobilitätsanbieter zu wandeln. Ein Beispiel dafür ist FordPass. Mit dieser App kann der Nutzer unkompliziert Services nutzen wie beispielsweise einen Termin für die Inspektion zu vereinbaren oder sich bei der Parkplatzsuche helfen zu lassen. Dieses Miteinbeziehen von Dienstleistungsangeboten hilft, neue Kundengruppen zu erschließen und in einen Mobilitätsmarkt vorzustoßen, an dem wir bisher keinen Anteil hatten.Damit verbunden ist für Firmen aber auch, dass es andere Fähigkeiten braucht, Dienstleistungen zu erbringen und an beispielsweise Verwaltungen zu verkaufen. Ein anderer Grund ist, dass es einfach eine komplett andere Geschäftsstruktur zu entwickeln erfordert.

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Das ist interessant und zeigt sich ja auch hier vor Ort. Wenn man sich die Stände von LG oder IBM Watson ansieht, hat das nichts mehr mit dem zu tun, wofür der MWC ursprünglich ins Leben gerufen wurde. Hardware-Anbieter haben sich zu Dienstleistern entwickelt und fuhren fort mit Infrastrukturprojekten. Und dann gibt es Leute wie euch, die alles miteinander verbinden und coole neue Sachen wie das Virtual Reality-Gadget bauen. Ich bin gespannt, was von euch als nächstes kommt, hoffentlich solche Bestelldienste wie Autolivery. Wenn man aktuell bestellt, können die Sachen zwar auch schon nach ein bis zwei Stunden ankommen. Aber mit solchen Konzepten klappt es schon binnen schätzungsweise zehn bis fünfzehn Minuten.

Ja, es könnte ziemlich gut funktionieren, wenn man die Daten in der Cloud hat und mit Vorhersagen arbeiten kann.

Jessica, vielen Dank für deine Zeit und ich freue mich, wenn wir uns nächstes Jahr am MWC wieder sehen können. Wir sind gespannt, wohin die Reise für Ford gehen wird!

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