Unmenschliche Arbeitsbedingungen: Ehemalige Mitarbeiterin kritisiet Apple

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Apple sieht sich gerne als Marke, die nicht nur qualitativ hochwertige Produkte herstellt, sondern auch als Konzern, bei dem ethische Wertmaßstäbe groß geschrieben werden. Was ersteres angeht, das wollen wir an dieser Stelle stehen lassen. Hinsichtlich des letzteren Punktes wird der kalifornische Weltkonzern indes durch eine weitere Behauptung eines ehemaligen Mitarbeiters unter Druck gesetzt. Die österreichische Informatikerin Daniela Kickl hat mit "Inside Apple" ein Buch geschrieben, in dem sie en detail auf die zum Teil unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei Apple eingeht.

Kickl studiert Wirtschaftsinformatik und Personalmanagement und arbeitet zunächst als Software-Entwicklerin. 2014 bewirbt sie sich für eine Stelle beim technischen Support in Apples Europazentrale im irischen Cork. Sie nimmt die Stelle an – auch eingedenk der in Aussicht gestellten Aufstiegsmöglichkeiten. Die bleiben nicht nur aus, die vermeintliche Traumarbeit entpuppt sich auch noch als „Horrorjob“.

Kickl spricht von durch und durch standardisierten Arbeitsbedinungen, wo sich die Mitarbeiter wie in einer „Hühnerfarm“ vorkommen. Auf die Arbeiter würde seitens Apple Druck ausgeübt, viele würden unter den Bedingungen leiden. Während ihrer drei Jahren bei Apple soll es sogar drei Selstmordfälle gegeben haben, wobei Kickl vorsichtig genug ist und sich mit Hinweisen auf kausale Zusammenhänge zurückhält.

Wer denkt, verliert!

Ausführlich schreibt die Autorin, dass Apple systematisch Kreativität und selbstständiges Denken eines jeden Mitarbeiters unterdrückt. Im Umgang von Support-Mitarbeitern mit Kunden gelte das Prinzip Standardisierung. Spontanität und Improvisationen würden strickt unterbunden. „Alles, was wir mit einem Kunden tun, muss einer Prozedur entsprechen“, schreibt Kickl. „Improvisationen und spontane Ideen, welcher Art auch immer, sind verboten. Wir dürfen unter keinen Umständen selbstständig denken und handeln, sondern müssen die jeweils anzuwendende Prozedur im Schlaf kennen und ihr genau folgen.“

Kickl wird mit ihren Anschuldigungen konkreter und in der Kritik schärfer, als sie ausführlich die Mechanismen der Mitarbeiter-Einschüchterung beschreibt. Ein Arbeiter ist so viel wert, wie viel er leistet und Leistungsausfälle würden zu Konsequenzen führen. Ob diese von Krankheiten, Unfällen oder ähnlichen Ursachen verschuldet werden, sei irrelevant. „Apple wertet bei uns jeden Nicht-Arbeitsantritt gewöhnlich als incident („Vorfall“), egal, ob wir krank sind, einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit haben oder schlicht blaumachen. Auch jede Verspätung wertet Apple grundsätzlich als incident. […] Die Konsequenzen zu vieler incidents sind mannigfaltig.“

Um den Job oder die Aussicht auf Beförderung nicht zu verlieren, passen sich viele Mitarbeiter an das Diktat des Konzerns an. „Deshalb schleppen sich viele Apple-Advisors auch in einem mehr als fragwürdigen Gesundheitszustand ans Telefon, gemieden von anderen Kollegen, die noch mehr als die Ansteckung die damit einhergehenden incidents fürchten. Ein Kollege humpelte selbst mit frisch gebrochenem Bein, auf Krücken gestützt, zur Arbeit“, so Kickl.

Kickl ist nicht die erste, die sich über Apple beschwert

Die Wiener Informatikerin ist nicht die erste, die in ihrem am 18. März erschienenen Buch auf die ethisch fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei Apple hinweist. Vor zwei Jahren hatte der ehemalige Manager des Konzerns, Ben Farrell, mit einem Blog-Eintrag für Aufsehen gesorgt. Seine Schilderungen decken sich zum Teil mit den Ausführungen seiner österreichischen Kollegin. Unter anderem schrieb er, dass Apple Krankheiten oder gar familiäre Probleme als „Leistungsschwierigkeiten“ betrachtet. Wie er hat auch Kickl seine Arbeit bei Apple beendet. Die Wienerin hat Anfang März gekündigt. Ihre Entscheidung, mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen, vergleicht sie mit der Haltung von Systemkritikern wie Julian Assange und Edward Snowden. Wie sie wolle auch sie „die Welt zu einer besseren machen.“

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  1. Unmenschliche Arbeitsbedingungen, und das nicht nur bei Apple Produktion in China bei Foxconn… Den Chinesen ergeht es aber noch viel schlechter!

  2. Na dann arbeite mal in einem grossen Weltkonzern und staune… Ehrlich gesagt kennen ich das garnicht anders. Schein wohl normal zu sein bei solchen Firmen…

    1. Ausnahmsweise kann ich hier dem Appleboy zustimmen.
      In immer mehr großen Firmen gilt Arbeiten streng nach Handbuch.
      Eigenes Denken / Verbesserungsvorschläge / Initiativen werden meistens nicht gern gesehen, und oft sogar bestraft.
      Entweder haben die Vorgesetzten Angst übergangen zu werden, was deren Können und Kompetenzgehabe in Frage stellt.
      Oder die juristische- und marketing- Abteilungen in Konzern haben sich bei den strikten Arbeitsvorgaben etwas bestimmtes gedacht, was aber andere (inklusive der Mitarbeiter) nicht durchblicken sollen. Die sollen blind gehorchen, streng nach Vorgaben funktionieren, aber nicht denken.
      An liebsten hätten die Konzerne fähige Roboter, weil die zu 1000 Promille nach Vorgabe funktionieren.
      Und so wird es auch kommen.
      Ist nur Frage der Zeit und des Fortschritts bei KI.

  3. Was hatte sich denn die gute Frau von einem Job im Support denn erhofft? Das Sie ihre Kreativität voll ausleben kann?
    Warum sollte das bei Apple anders sein als bei anderen „Supports“. Auch das man Konsequenzen fürchten muss, wenn man zu oft krank ist oder fehlt dürfte nun wirklich kein Apple spezifisches Phänomen mehr sein.
    Darüber nun gleich ein Buch zu schreiben, halte ich für etwas übertrieben. Aber naja, wenn die eigenen Vorstellungen nicht erfüllt werden, kann man so vielleicht seinen Frust ablassen.

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