Jenseits von High-Tech: ein BioBnB in Transsylvanien

biobnb (Bild: Dupa Gard)

Eine alte Scheune in Siebenbürgen soll per Crowdfunding renoviert werden, um Urlaubsgästen die Natur nahe zu bringen. Den minimalistischen Urlaubsort ohne Internet bezeichnen die Verantwortlichen als BioBnB. Wir haben mit dem Besitzer gesprochen.

Negativer Stress ist ein Symptom der alltäglichen Realität vieler Menschen. Doch dass es Alternativen zur Lebenswelt des 21. Jahrhundert gibt, ist manchmal kaum noch vorstellbar. Oder mit Unbehagen assoziiert, schließlich gab es früher ja nicht einmal WLAN. Eine Internetverbindung lässt sich auf dem Dupa Gard in Siebenbürgen tatsächlich nicht herstellen. Und zwar mit Absicht.

„Wir haben uns das Konzept des Digital Rehab auf die Fahnen geschrieben“, sagte uns Andreas Pohl, der Dupa Gard gemeinsam mit seiner Frau Ioana Joca initiierte. Am Rathaus des Dorfes gibt es zwar kostenloses WiFi, allerdings empfiehlt man den Gästen, die „Chance zu nutzen, um zur Ruhe zu kommen“.

Abseits von Autobahnen, Streaming-Diensten und dem frischen Wind des PC-Lüfters soll es sich gut leben lassen. Menschen waren ja nicht schon immer abhängig von  OLED-Displays und Facebook-Likes. Wer sich diesem entledigt, soll auf Dupa Gard die Freude an der Natur entdecken.

Das BioBnB „im Herzen der Berge Siebenbürgens“ besteht deshalb schlicht aus einer alten Hütte in traditioneller Bauweise mit Holzschindeldach und ohne Stromanschluss. Ein klein wenig High-Tech wird trotzdem Platz finden: eine Solaranlage soll nämlich für Licht und warmes Wasser sorgen. Tagsüber lässt sich in der transsylvanischen Gemeinde Posaga die Wildnis mit ihren seltenen Pflanzen und Kräutern erkunden. Neben Wölfen lebt in den umliegenden Naturschutzgebieten auch die letzte natürliche Bärenpopulation Europas.

BioBnB mit Wachstumsgrenzen

Damit das nahezu unversehrte Stück Land nun nicht dem Massentourismus anheimfällt, werden anfangs maximal sechs bis acht Personen gleichzeitig auf Dupa Gard urlauben dürfen. „Je nachdem wie sich alles entwickelt, werden wir aber auch etwas expandieren“, sagte uns Andreas. In Zukunft könnten dann weitere, mit Stroh bedeckte Holzhäuser in der Region gebaut werden. „Die Besucherzahl wird jedoch immer – relativ – klein bleiben, um unseren Gästen eine optimale Betreuung anbieten zu können, und um das Dorf nicht mit zu vielen Besuchern zu überfüllen.“

biobnb (Bild: Dupa Gard)

Posaga (Bild: Dupa Gard)

Die Dorfgemeinschaft soll am Dupa Gard profitieren, schließlich erhalten die Gäste ein traditionelles Frühstück aus regional erzeugten Lebensmitteln, können in den Läden in Posaga einkaufen und werden von Andreas und Ioana auf Wunsch in die traditionellen Betriebe der Gemeinde geführt. Dort lässt sich der angeblich seit Jahrhunderten kaum veränderte Lebensstil erfahren, der sich „in einer engen Symbiose mit der umliegenden Natur“ entwickelte.

Das Bio Bead-and-Breakfast (BioBnB) wird 50 Euro pro Person und Nacht kosten und ist im Übrigen auch als Vollpension zu haben – dann ebenfalls mit ausschließlich lokalen, biologisch angebauten und unverpackten Lebensmitteln. Besonders gut gefällt uns, dass mit dem Projekt bewusst das ursprüngliche Leben fernab von High-Tech betont werden soll.  Auf Dupa Gard kann eine Rückbesinnung auf Wertvolles und Grundlegendes stattfinden, auf einen Lebensstil, der über Jahrhunderte hinweg normal und umweltschonend war.

biobnb (Bild: Dupa Gard)

Posaga (Bild: Dupa Gard)

Bislang ist das BioBnB namens Dupa Gard noch nicht zu beziehen. Andreas und Ioana sammeln über die Crowdfunding-Plattform startnext noch bis 23. April Geld, um die Renovierung der Hütte in den kommenden Monaten abzuschließen und eventuell eine Sommerdusche zu bauen, einen Kachelofen zu installieren und das Zugangstor zum Anwesen zu erneuern. 

Gelingt ihnen die Finanzierung, haben sie ein natürliches Urlaubsangebot geschaffen, das für Ruhe und einen zumindest vorübergehend nachhaltigen Lebensstil sorgt. Nur An- und Abreise sind eine Belastung für das individuelle Emissions-Konto. Dupa Gard erreicht man nämlich über den 70 Kilometer entfernten Flughafen Klausenburg.

Tags :Via:startnext

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