Facebook will Computer-Gehirn-Schnittstelle bauen

Mark Zuckerberg eröffnet Facebook F8 (Bild: James Martin / CNET.com)

Kein Witz: Facebook will es ermöglichen, mit dem "Gehirn zu tippen". Diese Pläne zeigte das Unternehmen auf seiner Entwicklerkonferenz F8. Allerdings sind Neurowissenschaftler von den Erfolgsaussichten nicht gerade überzeugt.

Kommen auf Tastaturhersteller schwere Zeiten zu? Facebook will eine Gehirn-Computerschnittstelle entwickeln, mit der Nutzer durch ihre Gedanken Text auf dem Bildschirm des Rechners zu bringen.

„Wie wäre es, wenn Sie direkt von Ihrem Gehirn aus tippen könnten?“ fragte Facebook-Managerin Regina Dugan und meinte es nicht nur rhetorisch. Dugan leitet das als Building 8 bezeichnete geheime Forschungslabor von Facebook. Zuvor war sie Chefin von DARPA, der Forschungsbehörde der US-Streitkräfte, und zwischenzeitlich für Googles Forschungsgruppe ATAP (Advanced Technology and Projects) verantwortlich.

Die technische Leitung vn Facebooks Gehirn-zu-Text-Initiative übernahm der Neurowissenschaftler Mark Chevillet von der Johns Hopkins University. Insgesamt sollen über 60 Ingenieure und Wissenschaftler an dem ehrgeizigen Projekt beteiligt sein. Sogar noch weiter gehen die Pläne von Tesla-Chef Elon Musk. Sein neues Start-up-Unternehmen Neuralink arbeitet daran, Elektroden in das menschliche Gehirn einzusetzen und es mit Computersystemen zu verbinden.

Die von Vox befragte Neurowissenschaftlerin Rebecca Saxe vom MIT sieht die Erfolgsaussichten des Facebook-Projekts eher skeptisch. Das Social Network wolle nur eine nichtinvasive Technologie mit Sensoren einsetzen und von außen auf Gedanken zugreifen, was nur ungenaue Ergebnisse erlaube. Die Implantation von Mikroelektroden verspreche etwas mehr, sei aber aufgrund des hohen Infektionsrisikos in einer Anwendung für Verbraucher nicht zu empfehlen.

Aktuelle Technologie erlaubt laut Saxe nicht, einzelne Wörter aufzufangen, die im Gehirn formuliert werden. Sie kann aber immerhin erfassen, worauf sich die Aufmerksamkeit einer Person richtet. Dieses Signal können Wissenschaftler etwa für die Entwicklung von Mäusen und Tastaturen nutzen, die mit gedanklicher Konzentration zu steuern sind.

Auch an die Entwicklung einer „Gehirn-Maus“ denkt Facebook, was deutlich realistischer ist als die geplante direkte Umsetzung von Gedanken in Text. Als Argument für Letzteres führt Facebook die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit des menschlichen Gehirns an – die Geschwindigkeit von Gedanken überträfen das Sprechen bei Weitem.

Regina Dugan sieht auch große Vorteile für Augmented-Reality-Brillen. Schon einfache Buttons für „Ja“ oder „Nein“ vor den Augen könnten in vielen Situationen hilfreich sein. „Wollen Sie im Dunkeln sehen?“ könnte eine Frage lauten, um einen Nachtsicht-Modus anzubieten. Der Betreffende müsse sich nur vorstellen, einen Cursor zum „Ja“-Button zu bewegen sowie dessen Anklicken visualisieren.

Gar keine Sorgen muss man sich laut Facebook um die eigene Privatsphäre machen. Die Technologie werde nicht etwa jeden beliebigen Gedanken lesen, der sich gerade bildet. Sie zapfe vielmehr nur den Bereich des Gehirns mit bereits ausformulierter Sprache an. „Das sind Dinge, die Sie sagen wollen“, erklärt Chevillet. Dugan vergleicht es mit dem Teilen von Fotos: „Sie können viele Aufnahmen machen, aber sich entscheiden, nur einige von Ihnen zu teilen.“

Tags :Quellen:Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de
  1. Besser wäre eine bidirektionale Gehirnschnittstelle, die aus Gehirn die Software (Konditionierung) und Daten auf externen Datenträger zwischenspeichern, und in ein Anderes (jüngeres) Körper transplantieren kann. Das Ich des Individum bleibt erhalten. Bedeutet indirekt „Unsterblichkeit“!

    Man bräuchte auch nicht manuell zu lernen. (Nürnberger Trichter Prinzip)

    Ist aber leider für unsere Generation unerreichbar…

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