Get Out – Geniale Mischung aus Satire und Horror

get out

Das lässt das Herz von Genre-Fans höher schlagen: Get Out liefert allerfeinsten Psychohorror mit bissiger Gesellschaftskritik - ab morgen im Kino!

Bereits Gore Verbinski vermischte eine Prise Gesellschaftskritik in seinen grandiosen Horrorthriller A Cure For Wellness (hier kannst du die Übergizmo-Kritik lesen). Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen am Ende ein gewaltiges Gore-Fest zu inszenieren. Die Mischung funktionierte wunderbar: ein bisschen Satire, ein bisschen psychologisch subtiler Thrill und ein brutaler Höhepunkt zum Schluss. Get Out funktioniert nach dem gleichen Prinzip, aber ist dabei noch ein bisschen mutiger.

Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele widmete sich dem Thema Rassismus, was vor allem im heutigen USA (wieder) erschreckende Relevanz findet. Peele bettete seine Gesellschaftskritik in einen subtilen Horrorthriller. Wobei von “subtil” nur bis zum letzten Drittel die Rede sein kann. Get Out gipfelt in einer Gewaltorgie, die Genrefans zum jubeln bringen wird.

Lachen ist auch erlaubt bei Peeles Meisterwerk. Der Filmemacher selber arbeitete viele Jahre als erfolgreicher Comedian in der Serie Key & Peele auf Comedy Central (2012-2015). Dieses komödiantische Talent fließt bei Get Out gekonnt mit ein. Er engagierte den Comedian Lilrel Howery für eine Nebenrolle, die maßgebend ist für den Humor in seinem Streifen.

Eine Teetasse sorgt für das nötige Grauen in Get Out

Regisseur Peele bewies ein Händchen bei der Wahl seiner Besetzung. Seine jungen Hauptdarsteller Daniel Kaluuya (“Sicario”, “Johnny English – Jetzt erst recht!”) und Allison Williams (bekannt aus der Erfolgsserie “Girls”), spielen mühelos neben der brillanten Catherine Keener (“Being John Malkovich”), deren hypnotische Wirkung mit Hilfe einer Teetasse das Blut in euren Adern gefrieren lässt. Sämtliche Darsteller vereint mit einer fesselnden Story und einer gemeingefährlichen Inszenierung, machen Peele’s Streifen so besonders.

Get Out beginnt mit einer harmlosen Alltagsgeschichte (doch was ist schon harmlos, wenn man weiß es handelt sich um einen Horrorfilm?!). Im Mittelpunkt steht der schwarze Chris (Daniel Kaluuya) und seine weiße Freundin Rose (Allison Williams). Sie planen ein Wochenende bei Rose’ Eltern, die Chris zum ersten mal treffen werden. Und gleich stellt sich eine ethische Frage: Muss Rose ihren Eltern gegenüber erwähnen, dass ihr neuer Freund Chris ein Schwarzer ist? Get Out traut sich unangenehme Fragen einer schwarz-weißen Beziehung zu thematisieren. Wenn es nach Rose geht, ist die Hautfarbe ihres neuen Freundes nicht erwähnenswert. Es ist Chris, der sich unwohl fühlt, wäre ja schließlich nicht zum ersten mal, dass ein Afroamerikaner bei Weißen auf Vorurteile stößt.

Das allein ist schon Stoff genug für den ganz persönlichen Horror des Alltags. Get Out kommt aber gerade erst in Fahrt. Mit jeder Minute wächst das aufkeimende Gefühl von “irgendetwas stimmt hier nicht”, mit jeder Minute kriegt man ein wenig mehr Gänsehaut – und das obwohl noch fast nichts passiert ist. Das Kennenlernen mit Rose’ Eltern verläuft im ersten Moment problemlos ab – Familienoberhaupt Dean Armitage (Bradley Whitford) betont enthusiastisch, dass er Barack Obama sogar ein drittes Mal zum Präsidenten gewählt hätte, wäre es möglich gewesen. Er und seine Frau Missy (wunderbar: Catherine Keener) geben sich als weltoffene, tolerante Bürger, die scheinbar nichts gegen den neuen Freund – und seine Hautfarbe – haben. Scheinbar.

Es passt irgendwie nicht ins Bild, dass die wohlhabende Familie Armitage nur schwarze Angestellte haben, das Klischee des reichen weißen Großgrundbesitzers flammt auf. Chris beobachtet misstrauisch das seltsame Auftreten des Gärtners Walter (Marcus Henderson) und der Haushaltsdame Georgina (Betty Gabriel). Sie sind merkwürdig unterwürfig und wirken fremdgesteuert. Das unruhige Gefühl, dass in Chris (und parallel bei den Zuschauern) aufsteigt, findet bei einer großangelegten Familienfeier seinen Höhepunkt – der harmlose Schein trügt – und das gewaltig.

Achtung: Get Out endet in einer Gewaltorgie

Trotz seiner Comedy-Laufbahn demonstriert Jordan Peele, dass er ein Meister des leisen Grauens ist, das sich mit jeder Szene mehr und mehr entfaltet, bis es schließlich am Ende explodiert. Die Gewalt am Ende wird euch in eine Art Schockzustand versetzen und euch regelrecht aus euren Sitzen katapultieren – soviel Spoiler sei verraten. Die explizite Brutalität zum Schluss hätte sich Peele aber tatsächlich auch sparen können. Der Horroreffekt baut sich durch eine innere Panik beim Zuschauer mit jeder Minute automatisch auf. Gleichzeitig kann Get Out mit Intelligenz punkten, die man bei vielen Horrorfilmen umsonst sucht.

Wenn ihr also Lust auf einen amüsant inszenierten und intelligenten Horrorfilm habt, dann lasst euch Get Out nicht entgehen – ab 4. Mai deutschlandweit im Kino. Hier der Trailer:

Tags :Bildquelle :Universal Pictures

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising