Android-Apps können Benutzer per Ultraschall tracken

Security Android (Bild: ZDNet mit Material von Shutterstock/Mikko-Lemola und Google)

Nicht nur per GPS oder anhand ihrer Datenverbindungen sondern sogar durch ihre Mikrofone können Android-Smartphones bzw. entsprechende Apps Nutzer tracken. Das geschieht durch Ultraschall.

Mit dem Mikrofon des Android-Smartphones können Ultraschallsignale aus der Umgebung aufgenommen werden, die zum Beispiel von Fernsehwerbung oder anderen Smartphones ausgesendet werden können. Diese Signale sollen nach Informationen von Forschern der Technischen Universität Braunschweig 234 Android-Apps auswerten können. Das geschieht im Hintergrund ohne Zustimmung der Anwender.

Die als Ultrasound Cross-Device Tracking (uXDT) bezeichnete Technik, die einem Forschungsbericht zufolge noch in der Kinderschuhen steckt, ist in der Lage, Informationen über benutzte Apps, besuchte Orte und sogar aufgerufene Websites zu sammeln.

Die Apps machen sich den Umstand zunutze, dass Lautsprecher – auch die eines Smartphones – Töne im Ultraschallbereich ausgeben können, die für das menschliche Ohr unhörbar sind. Zudem können die Mikrofone mobiler Geräte Ultraschall-Töne aufzeichnen. Die Technik lässt sich aber auch auf Einzelhandelsgeschäfte oder Werbeplakate ausweiten. Ein Lautsprecher in einem Warenregal könnte beispielsweise einer Smartphone-App per Ultraschall die Information liefern, dass der Nutzer in einem Schuhgeschäft ist, um dann in einer App oder im Browser zeitnah dazu passende Werbung einzublenden.

Konkret werde die Technik benutzt, um standortbezogene Werbung wie Rabattcoupons oder Gutscheine anzuzeigen. Die sogenannten Ultraschall-Beacons fanden die Forscher in mehreren Einzelhandelsgeschäften in zwei nicht näher genannten europäischen Metropolen.

Viele dieser Apps seien Tausende oder gar mehrere Millionen Mal heruntergeladen worden, darunter Spiele wie Pinoy Henyo, das Ultraschallsignale aus der Umgebung aufnimmt, sobald es Zugriff auf das Mikrofon erhält. In dem Bericht werden aber auch die Apps der Restaurantketten McDonalds und Krispy Kreme genannt. Die Forscher lassen allerdings offen, wie und wofür die Apps die Technik nutzen.

Generell stufen sie das Ultraschall-Tracking als „eine Bedrohung für die Privatsphäre“ ein, da es „unbemerktes Tracking von Standorten, Verhalten und Geräten“ erlaube. Werbetreibende könnten unter anderem den Medienkonsum einer Person ermitteln, indem sie geräteübergreifend, beispielsweise von einem Smartphone und einem Fernseher, Ultraschallsignale von Websites sowie Radio- und Fernsehübertragungen aufzeichnen. „Ein Bösewicht könnte sogar präzise sensible Inhalte wie politische Dokumentationen oder Filme für Erwachsene einer bestimmten Person zuordnen – sogar an unterschiedlichen Standorten“, heißt es in dem Bericht.

Werbung lässt sich demnach über die Ermittlung des Standorts eines Nutzers, seines Verhaltens und sogar seiner Kaufgewohnheiten optimieren, die sich ebenfalls per Ultraschall ausspähen lassen. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass die Technik geeignet ist, um Bitcoin-Zahlungen zurückzuverfolgen oder Nutzer des Anonymisierungsnetzwerks The Onion Router (Tor) zu enttarnen.

Zudem weisen die Forscher darauf hin, dass Nutzer nicht erkennen können, welche Apps auf Ultraschallsignale aus ihrer Umgebung warten. Der einzige mögliche Hinweis sei die Berechtigung für den Zugriff auf das Mikrofon. „Sobald ein Nutzer eine solche App installiert hat, weiß er weder, wann das Mikrofon aktiviert wird, noch welche Informationen an die Server des Anbieters übermittelt werden“, ergänzten die Forscher.

Nutzer, die sich vor derartigen Bedrohungen schützen wollen, sollten in den Einstellungen ihres Smartphones die App-Berechtigungen überprüfen. Beispielsweise Nachrichten-Apps oder Spiele sollten keinen Zugriff auf das Mikrofon benötigen.

Die 234 fraglichen Apps fanden die Forscher bei einer Analyse von insgesamt 1,3 Millionen mobilen Anwendungen. Auch wenn der Anteil der Appps, die uXDT nutzen, mit 0,018 Prozent sehr gering erscheint, hat sich ihre Zahl in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Im April 2015 waren 6 von 1,3 Millionen Apps betroffen. Im Dezember 2015 waren es schon 39.

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Tags :Quellen:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de

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