„Pokémon Go“ in der Kirche: Russischer Blogger verurteilt

Screenshot Übergizmo (Quelle: YouTube)

Der russische Blogger Ruslan Sokolowski, der wegen Spielens eines Computerspiels in einer Kirche vor Gericht stand, ist gestern verurteilt worden. Dabei blieb die Richterin deutlich unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren.

Die ABC News heute unter Berufung auf die Agentur Tass berichtet, wurde Sokolowski zu dreieinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Richterin Jekaterina Schoponiak befand, dass der Blogger sich „respektlos“ gegenüber der Gesellschaft verhalten habe, deren „religiöse Gefühle“ er verletzen wollte. Sie betonte, dass Sololowski, nicht nur wegen seines Computerspielens in einer Kirche angeklagt war. Er habe auch andere Videos veröffentlicht, mit denen er die Gläubigen beleidigte. Obwohl die Richterin unter dem geforderten Strafmaß blieb, sorgte das Urteil bei Menschenrechtlern für Kritik.

Sokolowski saß seit Oktober letzten Jahres in Haft. Er hatte vor rund einem Jahr auf YouTube ein Video gepostet, auf dem er in einer Kirche das Computerspiel „Pokémon Go“ spielt. „Vielleicht bin ich ein Idiot, aber kein Extremist“, kommentierte der Blogger zuletzt seine Aktion. Das Video habe er als bewusste Provokation ins Netz gestellt.

Nach seiner Anhörung im April reagierte der 22-Jährige empört auf die Vorwürfe und das geforderte Strafmaß. „Ich bin schockiert, dass die Anklage eine solche Strafe für mich beantragt hat“, sagte er in einem Interview mit der Agentur Tass. „Ich habe niemandes Recht und Freiheit verletzt, seinen Glauben auszuüben.“

Blogger Sokolowski bedankt sich bei Journalisten

Umso erleichterter zeigte sich der Blogger angesichts des Urteils. Ausdrücklich dankte er den Medien, die in den vergangenen Monaten über seinen Fall berichtet und ihn als Hexenjagd beschrieben hatten. „Ich wäre wahrscheinlich ins Gefängnis gesperrt worden, hätten die Journalisten mich nicht unterstützt“, wird der Sokolowski von ABC News zitiert.

Sokolowski ist der erste, dem wegen Anstachelung zu religiösem Hass der Prozess gemacht wurde. Vor fünf Jahren sorgte der Fall der Punkrock-Band „Pussy Riot“ für weltweites Aufsehen. Die Musikerinnen wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt, nachdem sie in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale mit einer Protestaktion aufgefallen waren. Ihr Ziel war es, auf die Verquickung von Staat und Kirche aufmerksam zu machen.

Tags :Quellen:ABC News
  1. Idioten die bewusst provozieren und dann heulen – verstehe ich nicht. Ich würde ihn mind. für 3 Monate ins Knast schicken, nebst der Bewährung, dann weiß er bei der nächsten Jagd nach Youtube Klicks, was man nicht tuen sollte, oder lieber lässt.

  2. Auch in der Kölner Dom Kirche gab es Pokemon Jäger. Damals liefen die Paffen Sturm, und forderten sogar den Hersteller in Asien auf, die virtuellen Viecher nicht auf der Dom- Platte zu platzieren…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising