Was will man mehr? BQ Aquaris X im Test

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Wer einfach nur ein gewöhnliches, doch schickes Smartphone sucht, wird womöglich bei den Produkten des spanischen Herstellers BQ fündig. Auch das Aquaris X scheint ein solider Kompromiss aus Leistung und Design geworden zu sein. Doch leider nicht ohne Macke. Mehr dazu in unserem Test.

BQ Aquaris X

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Abgerundetes Display
(Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Lange Akkulaufzeit  (Bild: Übergizmo)Mehrfacher Abbruch der Kamera-Software
 (Bild: Übergizmo)Gute Bildqualität
 Speicher erweiterbar(Bild: Übergizmo)  
 (Bild: Übergizmo)Fingerabdrucksensor vorhanden  

Knapp 300 Euro kostet das Aquaris X. Seit Frühjahr 2017 ist es erhältlich und bezüglich der Ausstattung im Bereich der Mittelklasse angesiedelt. Ich habe das Smartphone mehrere Wochen als privates Gerät verwendet und mir einen Eindruck verschafft.

Das 5,2 Zoll-Display löst in Full-HD (1.920 mal 1.080 Bildpunkte) auf. Das entspricht einer Pixeldichte von 423 ppi, was vollkommen ausreichend ist und einzelne Bildpunkte mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen lässt. Mit bis zu 650 Nits kann der LCD-Touchscreen ordentlich hell werden. Um Strom zu sparen, sollte man aber eher eine untere oder mittlere Helligkeitseinstellung wählen.

Farben können sehr satt wiedergegeben werden und sind blickwinkelstabil. Besonders gut gefällt mir, wie nah die Inhalte unter dem Frontglas zu liegen scheinen. Das 2.5D-Dinorex-Glas bedeckt die ganze Vorderseite und ist seitlich leicht abgerundet. Hübsch, auch wenn es heutzutage bei weitem keine Seltenheit mehr ist.
(Bild Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

BQ hat 3 GByte Arbeitsspeicher ins Smartphone integriert. Gemeinsam mit dem Achtkernprozessor Qualcomm Snapdragon 626 (14 nm, bis 2,2 GHz Taktung) sowie der Grafikeinheit Qualcomm Adreno 506 (bis 650 MHz) sorgte das Gerät für ausreichend Geschwindigkeit und Leistung. Apps öffnen relativ zügig und auch komplexere Spiele funktionieren problemlos.

Neues Android und erweiterbarer Speicher

Als Betriebssystem ist das aktuelle Android 7.1.1 Nougat vorinstalliert. Das wirkt noch schlanker als seine Vorgänger, ist aber auch um ein paar kleine Funktionen reicher. Mehr dazu findet ihr hier.  Bloatware ist bei BQ übrigens Mangelware, d.h. es sind keine nervigen Werbeapps vorinstalliert, sondern ausschließlich die Standard-Anwendungen von Google und eine App von BQ selbst. Der interne Speicher ist mit 32 GByte ausreichend groß. Zwar sind 8 GByte bereits belegt, allerdings kann einer der beiden Nano-SIM-Slots auch für eine MicroSD-Karte mit bis zu 256 GByte verwendet werden.

(Bild Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Das BQ Aquaris X  ist in den Farben Mineral Black und Pearl Rose erhältlich. Bei Abmessungen von 146.5 x 72.7 x 7.9 mm wiegt das Aquaris X 153 Gramm. Gewicht und Größe sind für meine Verhältnisse in Ordnung. Wer eher kleine Hände hat, sollte das Smartphone aber erst einmal probeweise in die Hand nehmen. Das abgerundete Gehäuse mit Metallrahmen sowie das sanfte, rückseitige Coating des schwedischen Unternehmens Beckers lassen das Aquaris ansonsten allerdings sehr angenehm in der Hand liegen.

Die Bedienknöpfe (On/Off-Button, Lautstärkewippe) an der rechten Seite sind passend platziert, wackeln zwar leicht, aber haben einen guten Druckpunkt. Positiv fällt auf, dass die rückseitige Kamera nicht vom Gehäuse hervorsteht. Bei manchen anderen Geräten ist das der Fall, sodass die Smartphones wackeln, wenn sie bspw. auf einen Tisch gelegt werden.

(Bild Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Die Kamera des Aquaris X hat sehr hohes Potential. Der Sony iMX298-Sensor löst mit bis zu 16 Megapixel auf. Der Blendenwert liegt bei ƒ/2.0. Damit lassen sich im Außenbereich richtig schöne Bilder mit satten Farben und brillanter Schärfe schießen. Der Autofokus mit Phasenerkennung funktioniert relativ schnell und die Bokehs im unscharfen Bereich können sich sehen lassen. 

Wichtig für fotografisch besonders Begeisterte: die manuelle Kontrolle der Parameter Belichtungszeit (10s bis 1/6400s), Fokus und ISO (100 – 1600) sowie Weißabgleich (2000K – 10000 K). Angenehm ist außerdem, dass die Lautstärketasten für Funktionen im Kamera- und Videomodus belegt werden können. Zur Auswahl stehen etwa „Bild aufnehmen“ oder „Zoom“.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Tolles Bild! Dank des schnellen Autofokus ist die Fliege gestochen scharf. 

Auch bei schlechterer Belichtung macht die Kamera dank des guten Blendenwertes passable Bilder. Mit weniger  einfallenden Licht nimmt aber natürlich das Bildrauschen zu und die Schärfe verliert an Brillanz. Notfalls lässt sich zumindest der Dual-Tone-Blitz hinzuschalten.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Viel Sonne, satte Farben – schön!

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Gute Belichtung im Raum, gute Bildqualität.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Schlechtere Belichtung, leichtes Bildrauschen, aber noch akzeptabel.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Sehr dunkle Umgebung, verhältnismäßig gutes Bild. In Echt sogar dunkler als auf dem Bild.

Das Ärgerliche: Die Kamera ist mehrfach in verschiedenen Modi abgestürzt und zum Teil musste das Aquaris X neu gestartet werden. Gerade der Panorama-Modus schien hier anfällig zu sein. Vermutlich kann ein Software-Update die Probleme aber beheben und von häufigen oder regelmäßigen Problemen kann ohnehin nicht die Rede sein.

4K-Videos und Zeitlupenmodus

Videos lassen sich im hochauflösenden 4K-Modus aufzeichnen. Bei eingeschaltetem Bildstabilisator merkt man sodann, dass das Bild auf dem Smartphone ein paar Millisekunden mehr hinterherhinkt. Wackler oder störend lange Verzögerungen traten aber nicht auf. Besondere Features sind der Motion-Effekt und Zeitraffer sowie die automatische HDR-Funktion und die Aufnahme im RAW-Format. Gefehlt hat die laut Herstellerdaten verfügbare Zeitlupe von 120fps bei einer Auflösung von 720p. Im Kamera-Menü konnten maximal bis zu 60 Bilder pro Sekunde gewählt werden.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Maximaler Zoom. Das folgende Bild zeigt den Ausgangszustand (kein Zoom).

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris XNicht Sony sondern Samsung ist der Hersteller der Kamera an der Vorderseite. Mit 8 Megapixel Auflösung einer Blende von ƒ/2.0 lassen sich auch hiermit gute Bilder machen. Anstelle der sechs Largan-Linsen der rückseitigen Kamera beinhaltet die Kamera vorne nur drei Linsen. Dafür gibt es vorne auch einen Blitz und die Möglichkeit, Full-HD-Videos mit bis zu 60 fps aufzuzeichnen. Kurzum: auch das funktioniert alles gut. Besondere Features der Selfie-Kamera sind das Selfie-Vorschaufenster und der Face Beauty-Modus – auch wenn sich durch Letzteres nicht wirklich eine Veränderung bemerkbar machte.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Selfie mit guter Beleuchtung.

(Bild: Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Selfie gegen das Sonnenlicht.

Ohrhörer legt BQ dem Smartphone nicht bei, die hat man ja häufig bereits. Dafür besitzt das Gerät zwei Mikrofone mit Rauschunterdrückung und empfängt FM-Radiowellen, wenn man Kopfhörer in den Anschluss steckt. Das Smartphone kann über angestöpselte Ohrhörer auch HD Audio abspielen. Der integrierte Lautsprecher hingegen liefert kräftigen, doch blechernen Sound, wie man ihn von Smartphones eben gewohnt ist.

Ein bisschen Regen

Wirklich wasserdicht ist das Smartphone leider nicht. BQ gibt zum Schutz gegen Staub und Tropfwasser eine IP52-Zertifizierung an. D.h., das Aquaris X ist „staubgeschützt“ und bietet „Schutz gegen fallendes Tropfwasser bei Gehäuseneigung bis 15°“. Ein bisschen Regen ist also noch keine allzu große Gefahr.

(Bild Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Für mobiles Internet unterstützt das Smartphone LTE. Außerdem versteht es GPS, GLONASS und GALILEO sowie Bluetooth 4.2, NFC und WLAN 802.11b/g/n/ac (Dualband – 2,4 GHz | 5 GHz). An der Unterseite befindet sich ein USB 2.0-Anschluss Typ C. Das ist der neue USB-Standard, bei dem die Einsteckrichtung egal ist. Oben können Kopfhörer oder Boxen über den 3,5 mm Klinkensteckeranschluss mit dem Smartphone verbunden werden.

BQ Aquaris X mit zahlreichen Sensoren

Weitere Features sind unter anderem die anpassbare LED, das optionale Inaktivitätsdisplay oder Double Tap, d.h. dass bei doppeltem Klick auf den ausgeschalteten Bildschirm der Sperrbildschirm mit Benachrichtigungen erscheint.  Neben dem Fingerabdrucksensor sind auch ein Helligkeits-, Näherungs-, Beschleunigungs- und Hall-Sensor sowie ein eCompass und Gyroskop integriert.

(Bild Andreas Eichenseher) BQ Aquaris X

Links oben befindet sich ein Frontblitz. Außerdem an der Vorderseite: Selfie-Kamera und Anzeige-LED.

Was die Akkuleistung des 3.100 mAh fassenden Speichers anbelangt, hat BQ wieder einmal ein ordentliches Ergebnis zustande gebracht. Zwei Tage Laufzeit waren mit einer Akkuladung nie ein Problem. Auch drei Tage sollten bei den meisten Leuten im Alltag ohne Steckdose überstanden werden können. Und wer sehr sparsam in der Anzahl der verwendeten Apps ist sowie hauptsächlich im WLAN surft, kann sich mit dem Auffinden des Ladekabels sogar bis zum vierten Tag gedulden. Die Ladezeiten selbst liegen in gewohnten Bereichen. Nach einer Stunde ist der Akku schon bei rund 80 Prozent, für eine volle Ladung muss man sich aber weitere 50 Minuten gedulden.

Fazit

Das Aquaris X ist ein solides Smartphone mit allen nötigen Funktionen. Display und Leistung sind absolut in Ordnung, die Schnittstellen ausreichend und das Design schlicht, doch edel. Vor allem die Akkulaufzeit, das neue Android und die Kamera sind große Pluspunkte. Einzig der Software-Absturz der Kamera-App war wirklich unerfreulich. Vielleicht ist das Problem mit einem der kommenden Updates aber schon behoben. Bei einem Preis von unter 300 Euro hat sich BQ mit dem Aquaris X auf jeden Fall fünf Sterne in unserem Ranking verdient!

UPDATE [29.06.2017]
BQ teilte uns mit, dass ein Update das Software-Problem der Kamera-App behoben hätte. 

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BQ hat seit 8. Juni übrigens auch eine teurere Version des Aquaris X in petto. Das Aquaris X Pro kostet rund 380 Euro UVP und ist in den Farben „Midnight Black“ und „Glaze White“ erhältlich.

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  1. Ich hätte euch das gern privat geschrieben aber habe leider keine „Kontakt“Kategorie gefunden.
    Danke für das Review. Interessante Lektüre. Nur noch eine Anmerkung. Ich finde Photos von Schlüssel riskant. Du hast zwar nicht beide Seiten der Schlüssel auf den Bildern aber das lässt sich mit etwas Mühe sicher auch extrapolieren und wenn man dann die Umgebung auf den anderen Photos kennt…. Vielleicht bin ich zu vorsichtig. Ich würde es nicht tun. Schönes WE.

    1. Hallo Justus, was genau möchtest du wissen bzw. was genau hättest du bei den Aufnahmen der Schlüssel anders gemacht? Die Aufnahmen der Schlüssel wurden zur gleichen Tageszeit (binnen einer Minute) gemacht. 1. Bild: in einem Raum mit zwei Fenstern, Sonnenseite. 2. Bild: in einem Flur ohne Fenster, aber Lichteinfall über zwei Zimmer . 3. Bild: Schatten in dunklem Zimmer mit Nord-Fenster Richtung kl. Innenhof. Die Zimmerbeleuchtung war jeweils aus. Liebe Grüße

      1. Es ging Justus um deine Sicherheit in Bezug auf die Schlüssel. Er meint, man könnte die Schlüssel ggbf. nachmachen und durch die anderen Fotos evtl. Aufschluss darüber erhalten, wo du wohnst.

        1. Ach, nun verstehe ich – vielen Dank für die Erklärung ;) An diese Gefahr dachte ich gar nicht, weil die Schlüssel ihren Zweck des Aufsperrens schon seit Jahren nicht mehr erfüllen, d.h. sie sind außer Gebrauch und ich weiß selbst nicht, was sich mit ihnen einst aufschließen ließ.

  2. Wie sieht es denn mit der Sprachqualtät aus?

    In einem anderen Test wurde diese extrem bemängelt und ist zur Zeit der Grund der mich vom Kauf abhält.

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