Sexismus in der Arbeit: In Startups werden Frauen häufiger sexuell belästigt

(Bild: Shutterstock)

Der Fall Uber sorgt derzeit in den USA für eine öffentlich geführt Debatte um Sexismus in der Wirtschaft. Anscheinend bildet der Fahrdienstvermittler nur die Spitze des Eisbergs, denn nach und nach geraten weitere Konzerne in die Schusslinie. Auch in deutschen Unternehmen ist Sexismus ein Problem, wobei vor allem in Startups Frauen häufig sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind. Das hat eine Studie des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Nachrichtenblatts Bild am Sonntag ergeben.

Für die Untersuchung hat Innofact insgesamt 1.247 Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. 200 von ihnen sind in Startups angestellt, die restlichen in traditionellen Unternehmen. Die Studie sei nicht bevölkerungsrepräsentativ, heißt es seitens der Studienleiter.

Dennoch: Von den 200 Startup-Mitarbeiterinnen gaben 54 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten schon mal Ziel anzüglicher Kommentare und Bemerkungen gewesen zu sein. 44 Prozent sagten, dass sie unangemessen angestarrt worden seien. Ein Drittel der Frauen wurden unerwünscht berührt und umarmt, während 27 Prozent von ihren männlichen Kollegen E-Mails mit sexuellen Inhalten erhalten hätten. Ein Fünftel der Befragten wurde schon mal unerwünscht geküsst.

Auch in etablierten Unternehmen klagen Frauen über sexuelle Belästigungen, doch greift das Problem hier etwas weniger um sich. Von den knapp über 1000 Befragten gaben 28 Prozent an, Ziel anzüglicher Kommentare und Bemerkungen gewesen zu sein. 12 Prozent sagten, dass sie ungefragt berührt und umarmt wurden.

Startup-Szene wird sich „hinterfragen“ müssen

Die Ergebnisse dürften Anlass sein, sich mit dem Phänomen ernsthaft auseinanderzusetzen und dagegen etwas zu tun. Für Florian Nöll, den Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutsche Startups, ist die Studie ein Weckruf. Die „Startup-Szene“ werde sich mit Blick auf die Studienergebnisse „hinterfragen“ und „Problemlösungen erarbeiten“, erklärte er dem Magazin Golem.

Während man in Deutschland auf das Problem langsam aufmerksam wird, herrscht in den USA längst eine öffentliche Debatte um das Sexismus-Problem in der Wirtschaft. Ausgelöst wurde sie durch den Skandal um den Fahrdienstvermittler Uber. Nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin in einem Blog eine im Unternehmen herrschende sexistische Kultur beklagt hatte, wurden im Zuge einer internen Ermittlung tatsächlich zahlreiche Missstände aufgedeckt. Daraufhin mussten mehrere Angestellte, darunter CEO Travis Kalanick, ihre Posten räumen.

Tags :Quellen:Bild am Sonntag GolemVia:Gründerszene

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