XYZprinting Da Vinci Jr. 2.0 Mix: Der Doppel 3D-Drucker im Test

xyzprinting da vinci junior 2 duo review teaser

Wenn es um 3D-Drucker geht, ist die Auswahl mittlerweile riesig. Sowohl im professionellen Einsatzbereich, wie auch für ambitionierte Hobbybastler und Maker finden sich Geräte, die preislich und beim Druckergebnis schmale und anspruchsvolle Geldbeutel bedienen. XYZprinting spricht mit seinen Modellen die Einsteiger- und Mittelklasse an und hat sein Produktportfolio nun um einen 3D-Drucker erweitert, der mit zwei Farben gleichzeitig drucken kann. Wir haben bei unserem Test mal 3D-Druck ausgeübt.

XYZprinting Da Vinci Jr. 2.0 Mix Test

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XYZprinting Da Vinci Jr. 2.0 Mix
(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Platz für zwei Filamente  (Bild: Übergizmo)DRM-Schutz der Filamente durch NFC-Chip, der den Verbrauch etwas ungenau misst
 (Bild: Übergizmo)Preis-/ Leistungsverhältnis für
den Drucker ist gut…
 (Bild: Übergizmo)… für die Filamente aber weniger
 (Bild: Übergizmo)Druckergebnisse für einen Drucker dieser
Preisklasse ansehnlich
 (Bild: Übergizmo)Software (Apps, Druckersoftware, Webseite) wirken zusammengeschustert
 (Bild: Übergizmo)Einfache Bedienung über das
Druckermenü
 (Bild: Übergizmo)Kein beheiztes Druckerbett (Nachteil beim Drucken mit ABS-Filament)
 (Bild: Übergizmo)Einfache Endmontage
 (Bild: Übergizmo)Geschlossen (Keine Gefahr vor Verunreinigungen
oder Katzen beim Druck)

XYZprinting Da Vinci Jr. 2.0 Mix: Doppelt druckt besser

Das erfreuliche bei der Inbetriebnahme des Da Vinci Jr. 2.0 Mix ist die unkomplizierte Montage. Während es bereits zu spottbilligen Preisen Bausätze gibt, die stundenlang und mit etwas Geschick zusammengebaut werden müssen, beschränkt sich das Prozedere bei dem 3D-Drucker von XYZprinting auf ein paar Kleinigkeiten: das Entfernen einiger Schaumstoff- und Pappteile, die beim Transport vor Schäden schützen, sowie der sehr einfache Einbau des Druckerkopfs sind im Grunde auch schon alles.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Schön: Die Kabine des Da Vinci Jr. 2.0 Mix ist geschlossen und schützt somit den Druckvorgang (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Bleibt noch das Laden des Filaments, also quasi der “Tinte” und hier liegt die größte Besonderheit. Während ein Großteil aller 3D-Drucker mit einem Filament druckt, beherbergt der Da Vinci Jr. 2.0 Mix gleich zwei, die in den Farben rot und blau im Lieferumfang enthalten sind. Das Einlegen des 1,75 Millimeter Durchmesser starken Plastikfilaments ist relativ simpel und die letzten Zentimeter zum Laden in den Druckerkopf erfolgen dann automatisch über das Menü des Druckers.

Etwas unpraktisch ist dagegen, wenn ihr mal eine Farbe austauschen wollt. Der Da Vinci Jr. 2.0 Mix entlädt dann nämlich beide Spulen, auch wenn ihr nur eine Austauschen wollt. Offenbar hat jemand vergessen, die Software auf dem Drucker upzudaten, der nahezu baugleich mit dem Da Vinci Jr. 2.0 ist. Nur eben mit einer Spule.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Das Gehäuse und die Hardware sind ausgezeichnet verbaut und sogar einigermaßen schick (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Das Menü ist sehr einfach gestaltet, hat aber alle Funktionen, die zur Kalibrierung, Reinigung oder sonstigen Wartung gebraucht werden. Habt ihr eine SD-Karte mit Bauplänen eingelegt, könnt ihr den Druck direkt über das Menü anstoßen. Komfortabler und mit mehr Einstellungsmöglichkeiten geht es jedoch über die Software, die XYZprinting für PC und Mac anbietet.

Hardware hui, Software pfui

Die ist relativ, nun ja, verbesserungswürdig. Sie bietet für Einsteiger zwar ausreichend Funktionen, erlaubt aber leider nicht die Einstellung zahlreicher Parameter, die den Druck verbessern könnten. Wer sich ein wenig mit 3D-Druck beschäftigt, wird schnell merken, dass XYZprinting seine Software hier um viele Funktionen, wie Temperatureinstellungen oder die Regulierung der genauen Druckgeschwindigkeit beschnitten hat.

Das alles ist aus Einsteigersicht aber nicht wirklich tragisch. Dass mich das Tool aber bei jedem Start und jedem Aufwachen aus dem Ruhezustand meines Macs auffordert, den Drucker zu registrieren, mir immer wieder die gleichen Tooltips anzeigt, wie ich die Software bedienen muss und mir in Popups weitere Produkte verkaufen will, ist gelinde gesagt sehr unprofessionell.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Die Apps von XYZprinting sind alle etwas unterirdisch (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Generell wirkt jegliche Art von Software bei XYZprinting arg zusammengeschustert. Die Smartphone-Apps sind optisch und von der Bedienung her leider eine Zumutung, weswegen ich sie dann auch gemieden habe. Die Desktop-Anwendung ist nicht ganz so schlimm, gewinnt aber dank einiger Bugs auch nicht gerade Usability-Preise.

Und das Onlineportal mit den Bauplänen zum Ausdrucken reiht sich da optisch, wie auch funktionell ein. Falls ihr ein anständiges Portal mit Bauplänen sucht, werdet ihr bei Thingiverse oder MyMiniFactory gut bedient. Im Software-Department sollte XYZprinting also dringend nachbessern.

Druckerqualität und -material

Hardwaretechnisch stimmt dagegen alles. Für einen Drucker in der Preisklasse von rund 500 Euro ist alles ordentlich verbaut. Nichts fühlt sich billig an, weder das geschlossene Gehäuse, noch das Druckerbett aus Glas oder der Druckkopf, auch Extruder genannt. XYZprinting verzichtet zwar auf ein beheiztes Druckerbett, was aber beim reinen Einsatz mit PLA-Filament kein Problem darstellen sollte. Bei Nutzung mit ABS hilft ein beheiztes Bett dagegen bei der Qualität der unteren Druckschichten.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Der 3D-Drucker hat Platz für zwei Filamente. Die andere Farbe sitzt genau gegenüber (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Wer gerade nur 3D-Bahnhof versteht, hier ein kurzer Exkurs: Beim 3D-Druck könnt ihr mit verschiedenen Materialien drucken, wobei die gängigsten die Plastikvarianten ABS und PLA sind. ABS wird aus Rohöl gewonnen, wie auch Kunststoff in der Industrie. Es riecht beim Druck auch ein wenig chemisch und ist ökologisch natürlich nicht ganz so doll. PLA ist da umweltfreundlicher, da es aus Maisstärke oder Zuckerrohr gewonnen wird und somit biologisch abbaubar ist.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Eine Rolle mit dem sehr guten PLA-Filament hat 600 Gramm Material (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Qualitätsunterschiede haben beide Materialien natürlich auch: Während ABS bruchfestere Druckergebnisse liefert und sich mehr wie “richtiges” Plastik verhält, erlaubt PLA etwas detailliertere Ergebnisse, riecht beim Druck dafür nicht wie Tankstelle, ist aber spröder. Beide Materialien haben ihre Einsatzzwecke, wer aber der Umwelt etwas gutes tun will, nimmt einfach PLA.

So sehen die Ergebnisse aus

Beim Druck selbst überzeugt der Da Vinci Jr. 2.0 Mix auf jeden Fall für seinen Preis. Mit 0.2 Millimetern maximaler Genauigkeit erreicht er einen relativ guten Wert, der im Endeffekt für einen glatteren Druck und genauere Details sorgt. Je dünner die einzelnen Schichten, desto genauer. Besonders bei sehr filigranen Modellen haben andere Drucker dieser Preisklasse oft Probleme, beim Da Vinci Jr. 2.0 Mix sind die Ergebnisse aber wirklich ansprechend. Und als Besonderheit kann er zwei Farben beim Druck mischen oder Farbübergänge drucken. Das Mischverhältnis könnt ihr in der Software einstellen oder beim Bauen eines Modells selbst festlegen.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Rudimentäre Einstellungen und die Wartung erfolgen über das einfache Menü (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Wie gut das gedruckte Modell aussieht, hängt natürlich auch davon ab, wie schnell ihr den Da Vinci Jr. 2.0 Duo drucken lasst. Ich habe mich einfach dafür entschieden, den 3D-Drucker nachts im langsamsten Modus laufen zu lassen. Zum einen ist der 3D-Drucker aufgrund der Lüfter auf der Rückseite nicht gerade leise. Er erreicht etwa die Lautstärke eines mittellauten Staubsaugers. Zum anderen ist es nachts relativ egal, ob der Druck drei oder fünf Stunden braucht. Dafür sehen die Modelle nachher besser aus, wenn länger und somit genauer gedruckt werden kann. Da hier Bilder mehr sagen als 1000 Geek-Worte, genießt die Galerie:

Wie ihr seht, sind die Ergebnisse bei größerflächigen Modellen sehr gut, bei sehr sehr filigranen Details, wie den Teilen dieses verrückten Steampunk-Würfels muss man ein wenig nacharbeiten. Hier bieten sich Präzisionsmesser, Schleifpapier und im Fall von ABS kurze Dampfbäder in Aceton an. Aber Feinheiten muss man auch bei deutlich teureren und professionelleren Druckern noch bearbeiten.

DRM-Schutz beim teuren Filament

Alles in allem sind die Ergebnisse wirklich zufriedenstellend, eine Sache ist aber leider etwas unschön: XYZprinting hat seine Drucker und Filamentspulen mit NFC-Chips versehen. Diese haben einen DRM-Schutz und sorgen dafür, dass ihr nur das Originalfilament der Firma nutzen könnt, nicht jedoch das von Drittanbietern, die vermutlich deutlich günstiger wären. XYZprinting lässt sich seine mit 600 Gramm Material bestückten Rollen nämlich mit rund 30 Euro bezahlen, was im Vergleich zu anderen Herstellern doch etwas teuer ist. Zumal diese auch noch den Druck mit Fremdfilamenten erlauben, die nochmals günstiger sind.

(Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Nach dem Druck fährt das unbeheizte Druckbett automatisch nach vorne (Bild: Übergizmo / Jake Pietras)

Diese Restriktion ist auf der einen Seite zwar ungeil, auf der anderen sorgt sie auch dafür, dass die Druckergebnisse stimmen. Denn das Filament von XYZprinting ist wirklich gut und wenn die Firma den vergleichsweise günstigen Druckerpreis mit teurerem Druckmaterial gegenfinanziert, ist das meinetwegen auch irgendwo in Ordnung.

In Foren und Rezensionen habe ich aber stellenweise gelesen, dass Leute noch etwas auf der Rolle hatten, der NFC-Chip aber keinen weiteren Druck erlauben wollte, da die Rolle der elektronischen Zählung nach schon verbraucht war. Ob hier XYZprinitng im besten Fall zu viel Filament auf die Rolle packt oder der NFC-Chip falsch, also zu viel Verbrauch misst, sei dahingestellt. Die Rollen sind auf jeden Fall nur über aufwändige (und vermutlich Garantie-vernichtende) Hacks wieder nutzbar zu machen. Auch hier wieder: Softwaretechnisch etwas schwach, gell.

Fazit

(Bild: Übergizmo)
Der Da Vinci Jr. 2.0 Mix ist für seinen Preis ein guter 3D-Drucker der Mittelklasse. Er ist ordentlich verbaut, lässt sich simpel einrichten und bedienen und die Druckergebnisse sind in diesem Segment ansehnlich.

Die Software und Apps von XYZprinting sind dagegen so schlecht, dass man kaum glauben mag, dass es die gleiche Firma ist, die auch die Hardwarekomponenten herstellt. Die mobilen Apps wirken wie mit der heißen Nadel gestrickt, die Webseite gibt leider nicht viele Baupläne her und die interne Druckersoftware weiß offenbar nicht, dass der Drucker zwei Filamentrollen beherbergt. Und die Desktop-Anwendung ist arg beschränkt und wirkt stellenweise wie eine Beta.

Aus diesem Grund haben wir einen halben Stern abziehen müssen, für die DRM-geschützte Beschränkung auf das etwas teure Druckmaterial gibts ebenfalls einen halben Stern Abzug. Das Filament ist dagegen hochwertig und der Drucker und die Ergebnisse der Modelle für den Preis gut. Für Einsteiger, die auch gar nicht viel rumspielen, sondern sich nur an ihren Modellen erfreuen wollen, ist der Da Vinci Jr. 2.0 Mix eine Empfehlung wert. Alle anderen finden bei anderen Herstellern mehr Optionen und die Möglichkeit, günstiges Material zu nutzen.

Tags :Bildquelle :Übergizmo / Jake Pietras

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