GraviPlant – diese Bäume rotieren an Wänden

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In Wittenberg wachsen Bäume aus Wänden. Vertikal. Die nicht ganz neue Idee hat vor allem für Städte mehrere potentielle Vorteile.

Der Platz in Städten ist begrenzt, die Luft oftmals schlecht und die Anzahl der CO2-speichernden Bäume zu gering. Dr. Alina Schick lässt Bäume deshalb waagrecht aus der Fassade wachsen und rotieren. Die Idee dazu stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert. Heutzutage lassen sich auf diese Weise zahlreiche ungenutzte Flächen begrünen. Das ist nicht nur ein Hingucker, sondern reinigt auch die Luft.

Damit das klappt, müssen die Bäume aber in eine technische Vorrichtung eingespannt werden. Diese wird über einen Computer gesteuert und dreht die Stämme langsam, mit 0,3 bis 2 Umdrehungen pro Minute, um die eigene Achse. Den Bäumen wird dabei sozusagen schwindlig und die Wirkung der Schwerkraft verändert sich. Ohne Orientierung wachsen die Bäume nun nicht mehr nach oben, sondern einfach geradeaus.

Dem urbanen Grün scheint das nicht zu schaden. „Der erste Ligusterbaum, den wir in einen solchen rotierenden Kübel gesetzt haben, dreht sich nun schon seit drei Jahren und ist nach wie vor gesund“, sagte Schick. Gemeinsam mit Christoph Mandl hat sie das Start-up Visioverdis, eine Ausgründung der Universität Hohenheim, begonnen und GraviPlant entwickelt.

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Beleuchtet, waagrecht und rotierend. So könnte eine Fassade künftig aussehen. (Bild: Visioverdis)

Aktuell wird das System in der Lutherstadt Wittenberg verwendet. Auf 54 m² senkrechter Fläche entsteht ein Park aus Ligusterbäumen. Die einzelnen Pflanzkübel beinhalten dabei eine Mischung aus Erde und Lavagranulat – Gesamtvolumen: 80 Liter. Bewässert und inklusive Pflanze wiegt ein GraviPlant letztlich ganze 230 Kilogramm.

GraviPlant versorgt die Pflanzen

Nicht nur gedreht wird per Computer. Sensoren messen auch die Feuchtigkeit der Erde und lassen den Computer mit ihren Daten die nötige Wasserzufuhr errechnen. Dann wird automatisch gegossen, bislang noch über den herkömmlichen Wasseranschluss. Der Anschluss ans Regenwasser müsste noch getestet werden.

GraviPlant misst darüber hinaus die Umgebungstemperatur. Künftig sollen auch Daten zur Luftqualität gesammelt und Solarzellen zur Stromversorgung integriert werden. Wenn das Problem des  zusätzlichen Wasser- und Energieverbrauchs durch die genannten Maßnahmen gelöst ist, könnte GraviPlant vielleicht bald an mehr Fassaden oder Innenwänden zu sehen sein. Schließlich können Pflanzen „die Luftqualität verbessern und die Luft von Schadstoffen befreien. Es ist deshalb dringend nötig, neuen Raum für Pflanzen in den Städten zu schaffen“, so Schick.

Tags :Via:ingenieur.deBildquelle :Visioverdis
  1. Reicht die kleine Halterung für das Wurzelvolumen?
    Und wie erfolgt die Versorgung der Bäume mit Wasser und Dünger? Waagerecht dürfte Wasser + Dünger heraustropfen…
    Eventuell auf Hydrokulturbasis mit Stammabdichtung?

  2. Cool! Fassadenbegrünung findet man in Asien zunehmend häufiger, ich finde das abgefahren. Hätte gern zwei der Bäume… gibt es da schon Preisvorstellungen?

  3. Also zum Einen wachsen die Bäume horizontal. Dieser anfängliche Ein-Wort-Satz funktioniert also nur bedingt. Dann frage ich mich weiterhin, ob ihr Dinge auch hinterfragt…
    „Der Platz in Städten ist begrenzt, die Luft oftmals schlecht und die Anzahl der CO2-speichernden Bäume zu gering.“ Das Prinzip nennt sich Fassadenbegrünung, und gibt es in besseren Ausführungen und vermutlich Günstigeren schon länger, weiterhin ist zu fragen, wie lange diese Bäume leben müssen, um den Edelstahl der Arretierung und den permanenten Stromverbrauch von Monitoring und Drehen zu kompensieren. Die Absurdität mag die Idee erstmal erstaunlich erscheinen lassen, aber eine anständige Rankvorrichtung und passende Bepflanzung scheinen mir doch Wartungs- und Kosten unintensiver zu sein….

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