Beyerdynamic Byron BTA Test: Bluetooth-Hörer für Audiophile

Der BEYERDYNAMIC BYRON BTA im Test

Knapp 200 Euro verlangt der Heilbronner Audiospezialist Beyerdynamic für den Bluetooth-Hörer Byron BTA. Unser ausführlicher Test zeigt, ob der Byron BTA leistet, was der Preis verspricht.

Eigentlich bin ich der falsche Mensch für diesen Test. Journalisten sollten ja neutral und unvoreingenommen sein. Aber ich bin gleich doppelt voreingenommen. Erstens bin ich ein hartnäckiger Fan von Beyerdynamic. Ich mag den typischen weiträumigen, transparenten Sound mit dem staubtrockenen Bass der offenen Hörer von Beyerdynamic. Bestes Beispiel dafür ist der legendäre DT 990. Ich schätze auch die solide Verarbeitung mit den hautfreundlichen Velourspolstern und den langzeitstabilen Metallbügeln. Außerdem: Ein mittelständisches Unternehmen aus Heilbronn fertigt die Geräte in Deutschland, auch das finde ich gut. Wenn so jemand einen In-Ear-Hörer von Beyerdynamic testet, kann das Urteil ja nur sehr wohlwollend ausfallen.

Was zum zweiten Punkt führt: Ich mag In-Ears nicht. Die muss man umständlich reindrehen, bis sie mal sitzen, und entweder drücken sie dann oder sie fallen wieder raus. Außerdem mag ich es nicht, wenn die Hörer das Ohr abdichten. Das ist unterwegs, also beispielsweise im Straßenverkehr, auch sicherheitstechnisch ziemlich ungünstig.

In-Ears haben bei mir als Tester also schlechte Karten. Der Bericht über den Byron BTA von Beyerdynamic wird also ein heikler Test, aber immerhin wisst ihr jetzt Bescheid.

Beyerdynamic Byron BTA: Klanglich überzeugend (Bild: Beyerdynamic)

Beyerdynamic Byron BTA: Klanglich überzeugend (Bild: Beyerdynamic)

Verpackung und Handbuch

Beginnen wir mit den weniger wichtigen Dingen: Bluetooth-Kopfhörer sind Lifestyle-Produkte, deshalb erwartet man als Käufer eine schicke Verpackung. Das Unboxing sollte Spaß machen. Das ist beim Byron nur bedingt der Fall. Zwar ist der Hörer in einem stabilen, schwarzen Pappkarton untergebracht, aber das putzige graue Plastiktäschen für den Transport unterwegs sieht schon ein bisschen bieder aus. Die Silikon-Ohrstöpsel stecken in einem winzigen Plastiktütchen. Da muss man sie mühsam mit der Fingerspitze rauspulen. Zudem war der Hersteller ein wenig sparsam, nur drei verschiedene Größen sind enthalten (1x S, 2x M, 1x L), die sonst üblichen Ohrpassstücke aus Comply-Schaum sind nicht dabei. Da sind andere Hersteller deutlich spendabler. Immerhin verlangt Beyerdynamic für den Byron BTA 199 Euro, da ist der Geiz bei den Stöpseln nicht so ganz nachvollziehbar.

Die Bedienanleitung ist auf einem kleinen Faltblatt gedruckt und nur auf Englisch. Auch Statusmeldungen, die der Ohrhörer im Betrieb von sich gibt, sind ebenfalls auf Englisch. Kein Problem, Meldungen wie “Power On”  oder “Battery Full” verstehen wir ohne Probleme. Aber bei aller Begeisterung für das internationale Flair, irgendwie hätte ich es nett gefunden, wenn die Heilbronner Kopfhörer-Manufaktur ihr heimisches Publikum auch auf Deutsch anspricht. Immerhin gibt es in der PDF-Version der Bedienungsanleitung, die auf der Website zum Download bereit steht, auch einen deutschsprachigen Teil.

Gut, das ist nicht so wichtig, nur ein paar erste Eindrücke.

Wie praktisch alle Bluetooth-Hörer lässt sich der Beyerdynamic Byron BTA über USB aufladen. Das funktioniert tadellos und die Akkulaufzeit ist mit mehr als 7,5 Stunden auch völlig in Ordnung.

Mit dieser Ladeschale wird der Byron BTA aufgeladen. Die Schale hängt wiederum via USB am PC oder einem USB-Netzteil. (Bild: Beyerdynamic)

Mit dieser Ladeschale wird der Byron BTA aufgeladen. Die Schale hängt wiederum via USB am PC oder einem USB-Netzteil. (Bild: Beyerdynamic)

Das Verbindungskabel zwischen rechtem und linkem Hörer bietet eine integrierte Fernbedienung mit Drucktasten und Mikrofon, man kann mit dem Byron also auch telefonieren. Beim Betätigen der Fernbedienung muss man nur behutsam vorgehen, sonst zieht man sich den Hörer aus dem Ohr.

Guter Klang durch aptX

Der Byron unterstützt auf Basis von Bluetooth 4.2 Qualcomms hochwertigen Audiocode aptX sowie Advanced Audio Coding (AAC). Wenn auch das Smartphone aptX unterstützt, steht dem guten Klang nichts im Weg. Getestet habe ich den Klang mit einem Samsung Galaxy Neo SIII neo (mit aptX) und einem Nokia Lumia 950 (ohne aptX). Wenn Du wissen willst, ob Dein Smartphone aptX beherrscht, kannst Du auf dieser Qualcomm-Website nachsehen.

Praktisch: Die Ohrhörer haben auf der Außenseite einen kleinen Magneten, so kann man sie unterwegs einfach aneinanderheften. Auch die Verarbeitung des Beyerdynamic Byron BTA ist top, trotz der geringen Abmessungen ist der In-Ear sehr solide und stabil.

Abhilfe schafft ein Update der Firmware, das es auf der Website zum Download gibt. Dann kann man die lästigen Sprachmeldungen deaktivieren.

Der Klang: hervorragend. Tiefe Bässe und eine voluminöse Bühne beim Stück “Melankoli” der Elektronik-Band Lulu Rouge. Beim jazzig-lockeren “Hanky-Panky” von St Germain wirkt das Zusammenspiel von Percussion und Gitarre sehr filigran, differenziert und luftig. Der Metal-Klassiker “Better than you” von Metallica rammt sich hart und voluminös ins Ohr.

Trockener Bass, Präzision, Räumlichkeit und ein “schneller”, anspringender Sound, diese Merkmale kennzeichnen den Byron BTA. Ideal für dynamischen Pop, Electro oder Metal. Doch wie macht sich der Byron bei Stimmen? Die Songwriterin Melody Gardot haucht ihr skurriles Chanson “Les Etoiles” leicht und doch ganz klar und präsent ins Ohr. Die warme und unprätentiöse Stimme von Anna Ternheim in “Ghost of a Man” kommt natürlich, gleichzeitig direkt und warm.

Der In-Ear spielt auch so feinfühlig, dass er die Unterschiede zwischen einem Mobilgerät mit und einem ohne aptX deutlich macht. Am Samsung-Phone klingt alles eine Spur freier und gelöster.

Beyerdymanic Byron BTA Fazit: Präzise, räumlich, bassbetont

Der Byron BTA beherrscht im Prinzip alle Musikrichtungen, er musiziert luftig, schnell, impulstreu und räumlich. Der Bass ist tief, aber nie verschwommen. Gegenüber echten Highend-Hörern wirkt der Byron vielleicht eine Spur zu hart oder analytisch, manchmal fehlt ein bisschen musikalischer “Schmelz”.

Doch für das Geld spielt der Byron auf jeden Fall angemessen auf. Die kleinen Schwächen beim Drumherum wie das Fehlen einer deutschsprachigen Bedienanleitung auf Papier, die lästigen Sprachmeldungen bei niedrigem Batteriestand, oder die magere Ausstattung mit Ohrstöpseln trüben das gute Bild etwas, sind aber letztlich zweitrangig.

Was mich persönlich als Tester betrifft: Mir waren auch die kleinen Ohrpassstücke (Größe S) zu groß, ich musste die Ohrhörer beim Test ständig in den Gehörgang drücken, sonst wären sie rausgefallen. In-Ears sind einfach nicht mein Ding.

Hier muss man allerdings erwähnen, dass der Hörgeräte- und Akustik-Spezialist Kind für den Byron BTA individuelle, “auf den Benutzer angepasste Ohrpassstücke aus Silikon” anbietet. Das könnte das Problem lösen – sofern man bereit ist, ein paar Euro mehr hinzulegen.

In meiner Bewertung zum Beyerdynamic Byron BTA komme ich auf vier von fünf Sterne im Überrank. 

(Bild: Übergizmo)

Quelle Titelbild: Beyerdynamic

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  1. AptX ist ein mittlerweile in “Jahre” gekommener Codec, den selbst 20€ Stöpsel aus China beherrschen.
    Für 200€ erwarte ich aptX HD, es sei denn die Byron’s sind schon länger auf dem Markt, dann frage ich mich aber, wozu alte Hardware “testen”?

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