#CityofTomorrow: So sieht Ford die Stadt der Zukunft

City of tomorrow (Bild: Übergizmo)

Auf einem Event in London hat Ford die eigene Idee der Stadt der Zukunft vorgestellt. Im Fokus stehen Elektrifizierung, autonomes Fahren und die Vernetzung von öffentlichen Räumen. Wir waren bei der Veranstaltung vor Ort und haben uns einen eigenen Eindruck zur Vision verschafft.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in Städten. Der Trend ist unaufhaltsam, bis 2030 soll der Anteil auf knapp 60 Prozent linear anwachsen. Bürgermeister und Stadträte stehen bereits jetzt vor mehreren Problemen. Sinkende Luftqualität und erschwerte Mobilität sind zwei davon, die Ford gerne mit den Stadtregierungen zusammen angehen möchte.

Vernetzung: Die Stadt der Zukunft muss intelligent sein

Bei diesen Problemen ist eine Lösung zentral und bildet die Basis für eine intelligente Stadt der Zukunft – die digitale Vernetzung. Smart Home findet zunehmend Einzug in unser zu Hause, so ähnlich soll das auch mit der öffentlichen Infrastruktur geschehen. Öffentlich ist dabei ein zentraler Begriff, der für Ford wichtig ist. Im Gespräch mit Übergizmo betonte Sarah-Jayne Williams, Director Ford Smart Mobility bei Ford Europa, dass der private und der öffentliche Sektor zusammenarbeiten müssen, um eine ganzheitliche Lösung für eine intelligente Stadt zu erschaffen. Bereits jetzt gebe es Zubehör fürs Smartphone, das die Luftverschmutzung lokal messe und in einem Crowdsourcing-Ansatz allen zur Verfügung stelle. Der CleanSpace Tag ist ein Beispiel dafür.

Ford #CityofTomorrow - die Themen in der Übersicht (Bild: Ford)

Ford #CityofTomorrow – die Themen in der Übersicht (Bild: Ford)

Die Vernetzung der Kreuzungen, Fahrzeuge und der generellen Verkehrsinfrastruktur bringt Vorteile. Richard Balch, Director Sustainable Mobility und Telematics, sieht drei Kategorien der Intelligenz:

  1. Historisch: Aufgrund von historischen Daten werden Vorhersagen zur Verkehrssituation und dem Verkehrsfluss vorausgesagt.
  2. Reaktiv: Durch Sensoren wird auf aktuelle Ereignisse reagiert. Beispielsweise wenn starker Verkehr auf einer Route herrscht, werden als Reaktion darauf die Fahrzeuge vom Navigations- oder dem Verkehrsleitsystem umgeleitet.
  3. Pro-aktiv: Hier werden sowohl die historischen, als auch die sensorischen Daten zusammengefasst, um eine möglichst genaue Vorhersage für die Zukunft vorherzusagen.

Während die ersten beiden Punkte bereits alltäglich in unseren Navigationssystemen und den Verkehrsleitsystemen eingesetzt werden, so ist der dritte Punkt erst jetzt im Entstehen. Big Data Analysen und eine wachsende Anzahl an Sensoren machen eine aufwendige Muster-Erkennung und Vorhersage möglich. Erst seit kurzem hat beispielsweise Google eine Funktion in Maps integriert, die die voraussichtliche Reisezeit abhängig von der Start-Zeit anzeigt und somit den besten Startzeitpunkt vorschlägt.

Die Ford Smart Bench - inklusive WLAN und Ladestation (Bild: Ford)

Die Ford Smart Bench – inklusive WLAN und Ladestation (Bild: Ford)

Eine Parkbank, die euer Handy auflädt

Um diese Vernetzung zu beschleunigen, hat Ford auf dem #CityofTomorrow Event eine connected Parkbank vorgestellt. Zwanzig Stück der Ford Smart Benches werden in Kürze in London aufgestellt und bieten durch eine eingebaute Solar-Zelle kostenlosen Strom für euer Smartphone, Tablet oder Wearable. Mit insgesamt 2 USB-Anschlüssen, je einem microUSB und einem Lightning-Kabel sowie zwei Qi-Ladestellen können Passanten ihre Batterien aufladen.

Die Bank bietet außerdem einen kostenlosen WLAN-Hotspot sowie diverse Sensoren für Lautstärke, Kohlenstoffdioxid, Luftfeuchtigkeit und Umgebungstemperatur. Diese Daten werden zum einen über eine App zur Verfügung gestellt, damit sich die Londoner die ruhigste und “sauberste” Bank aussuchen. Zum anderen haben lokale Behörden ebenfalls Zugang zu diesen Informationen und sollen so bessere, datenbasierte Entscheidungen in ihrem Umkreis treffen können.

Die Ladestelle der Ford Smart Bench (Bild: Übergizmo / Daniil Matzkuhn)

Die Ladestelle der Ford Smart Bench (Bild: Übergizmo / Daniil Matzkuhn)

Ford: eCall-Verordnung treibt Vernetzung von Autos voran

Bereits jetzt bieten viele Automobilhersteller ein integriertes LTE-Modem im Fahrzeug an, um beispielsweise Echtzeitverkehrsdaten abrufen zu können oder um Musik streamen zu können. Ab April 2018 werden alle neuen PKW-Modelle in der europäischen Union so ein Modem besitzen müssen, das haben die Mitgliedsländer in Brüssel mit der eCall-Verordnung beschlossen. Die Verordnung besagt, dass jedes neue PKW-Modell im Falle eines Unfalls eine Verbindung zum Internet bereitstellen muss, um die Position des Fahrzeugs, die Fahrtrichtung, Anzahl der Insassen und Art des Kraftstoffs zu übermitteln.

Ford sieht die eCall-Verordnung als Chance, seine Fahrzeuge weiter zu vernetzen. Denn die zusätzliche Hardware ist teuer – daher will der Automobilhersteller diese nutzen, um neue Funktionen in die eigene FordPass App zu integrieren. Mit dem neuen Focus Modell, das Mitte nächsten Jahres vorgestellt wird, werden diese erstmalig in Europa zur Verfügung stehen. Dann werden Kunden ihr Fahrzeug über das Smartphone öffnen und abschließen, den Kraftstoffstand abrufen und den digitalen Fahrzeugschlüssel auch anderen Personen zuschicken können.

Das FordPass Bike in Zusammenarbeit mit Call-a-Bike (Bild: Übergizmo)

Das FordPass Bike in Zusammenarbeit mit Call-a-Bike (Bild: Übergizmo)

Im Interview mit Jörg Ullrich, der für das Wachstum der FordPass Plattform in Europa verantwortlich ist, wird der Stellenwert des Dienstes klar. FordPass soll Ford vom Automobilhersteller ausgehend nun weiter als Mobilitätsdienstleister etablieren. Im Moment sind Ford-Fahrzeuge Teil des Flinkster Carsharing-Angebots. Zudem stellt das Unternehmen ab dem 15. Oktober 3.200 Fahrräder im Rahmen des Call-a-Bike in Köln und Düsseldorf zur Verfügung. Die Konnektivitätslösung zum digitalen Anmieten der Räder soll dabei dem Modem aus dem neuen Ford Focus ähneln. Für alle Ford Kunden steht Call-a-Bike innerhalb der FordPass App als FordPass Bike zur Verfügung. Seit August verschenkt Ford 100.000 einjährige Abonnements für FordPass Bike und damit auch Call-a-Bike an seine Kunden.

Elektrifizierung: Hybrid als Teil der Lösung

Ein Thema, das bei keinem Automobilhersteller aktuell fehlen darf, ist die Elektrifizierung des Antriebs. In der Vergangenheit war Ford kein Vorreiter in diesem Gebiet – das einzige voll-elektrische Fahrzeug, das in Deutschland angeboten wird, ist der Ford Focus Electric mit einer Reichweite von 225 Kilometern. In naher Zukunft soll sich das ändern. Bis 2020 investiert Ford weltweit 4,5 Milliarden US-Dollar in die Elektromobilität, in den kommenden fünf Jahren sollen 13 neue Elektromodelle vorgestellt werden.

Die Elektrifizierung sieht der Hersteller nicht rein elektrisch. Die Kostenkurve von Akkumulatoren sei zwar absteigend, aber die Kosten seien weiterhin hoch. Dazu kommt das Gewicht der Akkus sowie die noch geringe Reichweite der Fahrzeuge. Stattdessen sieht man kurz- und mittelfristig den Hybrid im Vorteil.

Der Ford Transit Plug-in Hybrid (Bild: Ford)

Der Ford Transit Plug-in Hybrid (Bild: Ford)

In London will man noch dieses Jahr mit dem Test des neuen Ford Transit Custom Plug-In Hybrid anfangen. Das Modell-Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit örtlichen Unternehmen und Behörden, die erforschen, wie Hybrid-Fahrzeuge gleichzeitig zur Erhöhung von Luftqualität und Produktivität im anspruchsvollen Stadtverkehr beitragen können. Die elektrische Reichweite beträgt rund 50 Kilometer, zusätzlich dient ein EcoBoost 1.0 Liter Benzinmotor als Range Extender, der die Batterie auflädt. Der Start der Serienproduktion des Ford Transit Custom Plug-In Hybrid ist für das Jahr 2019 vorgesehen.

Auch voll-elektrisch verfolgt der US-Konzern feste Ziele. Im August kündigten Ford und die Deutsche Post DHL Group eine Partnerschaft zur Fertigung des batterieelektrischen Lieferfahrzeuges StreetScooter Work XL an. Bis Ende 2018 werden 2.500 dieser Fahrzeuge im innerstädtischen Lieferverkehr der Deutschen Post DHL Group zum Einsatz kommen. Außerdem soll in den nächsten Jahren ein komplett neues Crossover Utility Vehicle mit einer Reichweite von über 450 Kilometern vorgestellt werden.

Der StreetScooter Work XL in Zusammenarbeit mit DHL (Bild: Ford)

Der StreetScooter Work XL in Zusammenarbeit mit DHL (Bild: Ford)

Die Automobilbranche ist im Wandel

Das #CityofTomorrow Event spiegelt die aktuelle Stimmung für die gesamte Branche. Die Automobilindustrie ist im Umbruch: Städte und Kunden stellen fest, dass der motorisierte Individualverkehr nicht die ultimative Lösung ist. Regierungen sind gefragt, die Luftqualität in Innenstädten zu verbessern. Dazu gehören nicht nur (lokal) saubere Fahrzeuge, sondern auch intelligente Mobilitätskonzepte wie Car- und Bike-Sharing sowie vorausschauende Verkehrsleitsysteme. Dieser Umbruch ist selbstverständlich eine Bedrohung an vergangene Geschäftsmodelle, gleichzeitig ist er auch eine Chance, unsere Städte smarter zu machen. Ford scheint diese Chance zu nutzen.

Tags :Bildquelle :Ubergizmo / Daniil Matzkuhn

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