SmartHalo: Fahrrad-Gadget im Test

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SmartHalo vereint Navi, Alarmanlage, Frontlicht und Fitness-Tracker fürs Fahrrad. Das kleine Gadget soll die umweltfreundliche Alternative zum Auto noch sicherer und attraktiver machen. In unserem Test ermitteln wir, wie gut das klappt.

SmartHalo

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So sieht das SmartHalo am Fahrradlenker aus.

Neue Autos haben ihre großen Bordcomputer mit Navi, Freisprecheinrichtung und DAB-Empfang. Fahrräder sind dagegen noch relativ weit von einer ernsthaften Beziehung mit dem digitalen Zeitalter entfernt. Aber mal ehrlich, ich bin bislang auch ohne zusätzliche Gadgets ganz gut mit dem Fahrrad ans Ziel gekommen. Trotzdem wäre ein Frontlicht, das zuverlässiger funktioniert als mein Dynamo, eine tolle Sache. Und freilich hätte ich mir dieses Problem eines jahrzehntealten Dynamos erspart, wenn meine beiden vorherigen Fahrräder bereits mit einer Alarmanlage ausgestattet gewesen und nicht über Nacht entwendet worden wären. Brauche ich also doch ein Gadget wie SmartHalo?

Neuartiges Biken mit SmartHalo?

Um das herauszufinden, habe ich das 139 Euro teure Gerät zunächst an meinem Fahrrad montiert. SmartHalo gibt an, dass sich das Gadget an jeden Lenker anbringen lässt. Dafür hat der Hersteller Montagematerial für zwei bzw. drei verschiedene Lenkstangendurchmesser beigelegt. Circa zwanzig Minuten dauert das Anbringen an der Mitte des Lenkers. Das nötige Werkzeug, ein kleiner Inbusschlüssel, ist im Lieferumfang inbegriffen und die Montage gestaltet sich dank der hervorragenden Anleitung in der App problemfrei. Hat man die Halterung am Lenker befestigt, lässt sich das eigentliche Gadget unter Verwendung eines magnetischen Schlüssels an selbiger befestigen. Ohne diesen Schlüssel kann SmartHalo also nicht entfernt werden. Und das ist auch gut so. Entfernen muss man das Gadget im Übrigen ohnehin nur, um es via USB-Kabel aufzuladen.

Navigieren

SmartHalo unterstützt beim Fahrradfahren durch akustische und visuelle Signale. Diese Signale sollen nicht vom Verkehr ablenken und sind daher bewusst reduziert gehalten. Via Bluetooth ist es mit dem Smartphone gekoppelt und gibt nur die wichtigsten Informationen wieder. In der Navigationsfunktion zeigt das runde Display also keine Karten mit Straßenzügen und Ankunftszeiten, sondern schlicht und ergreifend die Richtung an. 

Hat man also beispielsweise rechts abzubiegen, wird ein Kreissegment an der rechten Seite dargestellt. Je näher man der Kreuzung kommt, desto mehr füllt sich das Segment mit grünem Licht aus. Fährt man falsch, blinkt SmartHalo rot, akzeptiert gegebenenfalls nach einigen Sekunden aber auch, wenn man einen anderen Weg nehmen möchte.

In Kombination mit dem akustischen Signal erwies sich die Navigationsfunktion als äußerst praktisch wenn man eine Adresse zum ersten Mal ansteuert. Enttäuscht hat SmartHalo in diesem Kontext nur insofern, als dass die Routenberechnung gelegentlich kurz vor dem Start abbrach. Ein weiteres Firmware-Update könnte dieses Problem aber sicherlich beheben.

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Frontlicht

Eine kleine Reihe LEDs an der Vorderseite des SmartHalo soll für die entsprechende Beleuchtung bei Nacht sorgen. Per App lässt sich das Licht aktivieren bzw. einstellen, dass es automatisch angeht, sobald man fährt. Das ist praktisch, schließlich erlischt das Licht auch wieder von alleine, wenn das Fahrrad eine gewisse Zeit ruht. Wer darauf nicht warten möchte, tippt zweimal auf das Display, um das Frontlicht ein- oder auszuschalten. Das ist hilfreich, schließlich war das automatische Leuchten nicht immer zuverlässig. Meistens wurden Bewegungen beziehungsweise Pausen allerdings nach zwei bis fünf Sekunden registriert.

Ein Ersatz für die gewöhnliche Beleuchtung ist SmartHalo aber leider nicht. Nicht nur, weil natürlich ein Rücklicht fehlt. Das Frontlicht erfüllt laut Hersteller leider nicht die Auflagen in Deutschland, kann bei einer polizeilichen Kontrolle also bemängelt werden. Speziell für den deutschen Markt plant SmartHalo deshalb bereits eine Version mit stärkerem Licht.

Links: ein zugelassenes Fahrradlicht. Rechts: SmartHalo (Foto: Andreas Eichenseher)

Links: ein zugelassenes Fahrradlicht. Rechts: SmartHalo (Foto: Andreas Eichenseher)

Tatsächlich schneidet das Frontlicht von SmartHalo im Vergleich mit einem regelkonformen Licht deutlich schlechter ab, leuchtet weniger breit und weniger stark (siehe Bild). Vor allem aber sollte SmartHalo versuchen, das fehlende Rücklicht zu kompensieren, um gleich die ganze Lichtanlage zur Verfügung stellen zu können. Vielleicht genügt ja schon eine wasserfeste Halterung für die Sattelstange, in die man sein Smartphone steckt, dessen Display während der Fahrt rot leuchtet. In Kombination mit der Navigationsfunktion ließe sich dabei sogar das Abbiegen durch Leuchtsignale ankündigen. 

(Bild: Andreas Eichenseher) SmartHalo

Alarmanlage fürs Zweirad

Ein außergewöhnliches, doch manchmal goldwertes Feature für ein Fahrrad. Die Alarmfunktion lässt sich am Smartphone aktivieren – sofern man direkt in der Nähe des Rads ist. In der App können auch zwei verschiedene Sensitivitätsstufen sowie der Tap-Code eingestellt werden. Mit dieser fünfstelligen Toucheingabe auf dem runden Display des SmartHalo lässt sich der Alarm gegebenenfalls wieder beenden. 

Ja, SmartHalo reagiert sofort auf Bewegungen wie Erschütterungen. Das Display blinkt mehrmals rot auf, der Lautsprecher gibt einige krächzende Töne von sich. Wer das Fahrrad weiter vom Fleck bewegt muss nun ein richtig lautes und nervtötendes Signal in Kauf nehmen. Das ist Abschreckung genug und könnte einige Diebe in die Flucht schlagen.

Etwas schade: Der (versuchte) Diebstahl wird auf dem Smartphone erst im Nachhinein sichtbar. Eine sofortige Benachrichtigung wäre sicherlich angebracht – wenn auch technisch viel schwerer realisierbar, da die aktuelle Kommunikation über Bluetooth nur einige Meter Distanz zulässt. Ohne ein anderes Kommunikationsmodul entfällt im Übrigen auch die Möglichkeit, das Fahrrad nachträglich zu orten. Etwas nervig war zudem, dass der Alarm auch nach der Deaktivierung mittels des Tap-Codes wieder einsetzte, wenn man sein Fahrrad bewegte, ohne SmartHalo via Bluetooth mit dem Smartphone zu koppeln.

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Fitness-Tracker

SmartHalo zeichnet auch die Distanz, Zeit, Geschwindigkeit, eingespartes CO2 und verbrannte Kalorien in der dazugehörigen App auf – sowohl für die letzte Fahrt und die vergangenen Fahrten als auch den Gesamtwert. Das Tracking muss weder gestartet, noch gestoppt werden – SmartHalo erkennt schließlich selbst, wenn man losfährt bzw. anhält. In der App lässt sich darüber hinaus ein individuelles Ziel, bezogen auf Entfernung, Geschwindigkeit, Kalorien oder eingespartes CO2, einstellen. Auf dem Display zeigt sodann ein magenta pulsierender Kreis den Fortschritt an – schön!

Die Genauigkeit der Messung muss zum Teil aber leider angezweifelt werden. Die verbrannten Kalorien sind sicherlich eine Schätzung auf Basis der biometrischen Angaben, die man bei der Installation der App macht. Die gemessene Fahrtzeit und Strecke erscheinen zwar recht plausibel, doch dafür gibt es in der aufgezeichneten Durchschnittsgeschwindigkeit sehr unrealistische Schwankungen. Demnach wäre ich einmal durchschnittlich 7,5 km/h, ein paar Tage später 76,63 km/h und einmal – der realistischste Wert – 15,6 km/h schnell gewesen.

Zudem erscheint mir die Menge des eingesparten CO2 deutlich zu hoch angegeben zu sein. Bei einem Kilometer Fahrleistung werden 255g eingespartes CO2 vermerkt. Ein Auto emittiert im Schnitt 140 Gramm je Person und Kilometer. Bus und Bahn im Schnitt 76 Gramm je Person und Kilometer. Eigentlich sollte sich der Hersteller an diesen Durschnittsangaben orientieren und die angegebene Menge des eingesparten CO2 in etwa halbieren. Klimaschutz dürfen wir schließlich nicht schönreden, wir müssen ihn erfahren ;-) 

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Mitteilung über Nachrichten und Anrufe

Telefonieren beim Fahrradfahren kostet neuerdings bis zu 55 Euro Bußgeld. Das Smartphone sollte also in der Tasche bleiben. Erhält man einen Anruf, bleibt man einfach stehen. SmartHalo zeigt dazu mit blauem Licht an, wenn man angerufen wird bzw. eine SMS eingeht. Das ist insofern praktisch, als dass man aufgrund des Straßenlärms bzw. Erschütterungen den Klingelton oder Vibrationsalarm eines Smartphones oft nicht merkt – erst recht nicht, wenn das Smartphone beispielsweise im Rucksack liegt.

Gut also, dass SmartHalo mitteilt, wenn jemand etwas von einem möchte. Schade jedoch, dass nur SMS und Anrufe übertragen werden. Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Telegram werden ignoriert. Angenehm wäre außerdem, wenn man durch zweimaliges Drücken auf das Display das Blinken beziehungsweise laute Tönen bei einem Anruf stoppen könne. Kleiner Tipp: stellt den Ton nicht zu laut ein, das zwingt euch nämlich förmlich, sofort stehen zu bleiben.

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App

Die SmartHalo-App ist kostenlos für Android und iOS verfügbar. Sie ist intuitiv aufgebaut und in die fünf Funktionen Navigieren, Frontlicht, Diebstahlschutz, Fitness und Benachrichtungen aufgeteilt. Von der linken Seite lässt sich ein Menü mit Hinweisen zum Datenschutz, der Installationsanleitung oder dem individuellen Profil in den Screen ziehen. Wer von rechts nach Innen wischt, öffnet einen Screen mit den Benachrichtigungen, einer Übersicht der aktivierten Funktionen und dem SmartHalo-Symbol zum Koppeln. Sobald Smartphone und Fahrrad-Gadget verbunden sind, wird hier auch der Akkustand des SmartHalo angezeigt.

Akku, Koppeln und Wasserdichtigkeit

Die Akkulaufzeit von SmartHalo ist dank der reduzierten Displaywiedergabe relativ lange und mit drei Wochen angegeben. Je nach Fahrleistung sind unserer Erfahrung nach tatsächlich etwa zwei bis vier Wochen möglich. Gegen Wasser, Schmutz und Schnee ist das Gadget laut Hersteller geschützt – was auch der Fall zu sein scheint. Ein klein wenig störend war nur das Koppeln von SmartHalo und Smartphone via Bluetooth. Vor jeder Fahrt kostete dies etwa 20 Sekunden Wartezeit und Bedienung des Smartphones. ueberrank_big_300dpi-35

Fazit

Ganz klar, ein neuartiges Fahrradfahren entsteht durch SmartHalo natürlich nicht. Zwar erweitert die Navigationsfunktion den gewöhnlichen Fahrradkomfort. Und mancherlei Langfinger wird im Zweifelsfall von dem Fahrrad ablassen, wenn plötzlich ein Warnsignal ertönt und es am Lenker rot blinkt. Doch leider gibt es an allen Ecken und Enden auch Kleinigkeiten, die man sich noch besser gelöst zu haben wünscht.

Dennoch: SmartHalo hat großes Potential und die meisten kleinen Probleme sollten sich auch durch baldige Firmware-Updates beheben lassen. Wenn dann auch für die Beleuchtung ein Upgrade bereitgehalten wird, könnte SmartHalo sogar für mich äußerst interessant werden. Für mehr als 3,5 von 5 Sterne in unserer Bewertung reicht es aber (noch) nicht. Toi toi toi!

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