Moto Z2 Play im Test: Interessantes Konzept, fraglicher Preis

Moto Z2 Play uberrank

Das Motorola Moto Z2 Play soll Abwechslung in die Mittelklasse bringen. Die pfiffigen Moto Mods erweitern das Telefon mit einer zusätzlichen Batterie, einem Lautsprecher oder einem Beamer. Doch das Smartphone hat ein klares Problem: Es schießt preislich weit über das Ziel hinaus.

Moto Z2 Play Test

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Lenovo Moto Z2 Play Test

 PRO

 CON

 viele Individualisierungsmöglichkeiten(Bild: Übergizmo)  (Bild: Übergizmo)zu teuer
 Schlankes Design, …(Bild: Übergizmo)  (Bild: Übergizmo)… aber dicke Kamera
 Schlankes Android(Bild: Übergizmo)  relativ dicke Displayränder(Bild: Übergizmo)
   keine optische Bildstabilisierung(Bild: Übergizmo)

Design: Durchwachsen

Das Design des Moto Z2 Play löst ein Wechselbad der Gefühle aus. Einerseits ist es mit 5,99 Millimetern beeindruckend schlank (und verzichtet dennoch nicht auf einen Klinkenausgang – hust, Apple). Es liegt sehr solide und hochwertig in der Hand und das verwendete Aluminium strahlt einen Hauch von Luxus aus. Andererseits sind die dicken Displayrahmen alles andere als zeitgemäß. Das Mikrofon, das links neben dem Fingerabdrucksensor platziert ist, sieht unsymmetrisch und verloren aus und der dicke Kamerabuckel auf der Rückseite stört das sonst so schlanke Design.

So dick wie eine Euro-Münze ist der Kamerabuckel (Bild: Übergizmo)

So dick wie eine Euro-Münze ist der Kamerabuckel (Bild: Übergizmo)

Spannend wird das Smartphone dann schon eher, wenn man sich mit den Modulen des Smartphones beschäftigt. Motorola bietet sogenannte Moto Style Shells an – magnetisch haftende Rückseiten, die den Kamerabuckel elegant kaschieren. Diese gibt es in sechs unterschiedlichen Ausführungen. Unser Testmuster heißt Charcoal Ash und beeindruckt mit einem matten Finish und einem dunklen, zebraartigen Holz. Zugegeben, das Cover hat ein minimales Spiel, wenn es angebracht ist, dennoch sitzt es erstaunlich sicher auf der Rückseite. Die Idee der Moto Style Shells gefällt und die Ausführung kann überzeugen.

Moto Mods bieten Vielfalt

Und dann gibt es noch die Moto Mods – intelligente Rückseiten, die weitere Funktionen bieten. Derzeit bietet Motorola vier Erweiterungen an: Den Hasselblad True Zoom Kamera-Aufsatz, den Moto Insta-Share Projector, den JBL SoundBoost 2 Speaker und das Moto Turbopower Pack. Die beiden letzten konnten wir ausführlich testen.

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Die von uns getesteten Moto Mods und Shells (Bild: Übergizmo)

Das Turbopower Pack ist unser Favorit. Es erweitert den internen Akku um ganze 3490 Milliamperestunden und verdoppelt im Grunde die Akkulaufzeit des Smartphones. Vor allem für Power-User ist das Turbopower Pack ein praktisches Zubehör, weil das Telefon damit auch den längsten Arbeitstag durchhält. Gleichzeitig macht es das Smartphone rund doppelt so dick und doppelt so schwer. Das wird mit Sicherheit nicht jedem gefallen.

Außerdem ist uns im Test aufgefallen, dass das Aufladen des Moto Z2 Play über das Case ungewöhnlich lange dauert. Motorola bewirbt zwar ein 15 Watt-schnelles Laden, allerdings hat es fast drei Stunden gedauert, bis unser Testmuster das Telefon von 0 auf 90 Prozent geladen hat. Das sind umgerechnet nicht wirklich 15 Watt, die da rauskommen.

Aus dem JBL SoundBoost 2 kommt viel Sound... (Bild: Übergizmo)

Aus dem JBL SoundBoost 2 kommt viel Sound… (Bild: Übergizmo)

Der JBL SoundBoost 2 ist ein Lautsprecher, der an die Rückseite geheftet wird. Mit zwei eingebauten Treibern und maximal 2 x 3 Watt Leistung bietet er einen angenehmen und lauten Klang bei bis zu 10 Stunden Laufzeit. Soweit so gut – leider ist der Lautsprecher etwas groß geraten, sodass man das Smartphone damit kaum noch greifen kann. Außerdem bekommt man für einen Preis von rund 100 Euro einen sehr guten Bluetooth Lautsprecher, der mindestens genau so lange durchhält und dabei noch einen besseren Klang und mehr Lautstärke bietet. Hier stellt sich euch als potentielle Käufer dann wahrscheinlich die Frage: Kaufe ich einen schicken Mod fürs Smartphone, der ziemlich dick in der Hose aufträgt, oder reicht mir ein portabler (& separater) Bluetooth-Speaker?

...aber er macht das Smartphone auch unangenehm groß (Bild: Übergizmo)

…aber er macht das Smartphone auch unangenehm groß (Bild: Übergizmo)

Ausstattung: Mittelklasse

Die Ausstattung des Moto Z2 Play wäre sehr gut, wenn sich der Preis südlich der 400 Euro befinden würde. Das tut er nicht und so muss es sich an der preislich ähnlichen Konkurrenz messen.

Fangen wir mit dem Display des Moto Z2 Play an. Mit einer Diagonale von 5,5 Zoll ist es recht groß und bietet somit viel Fläche für eine gute Darstellung. Die Farben sind kräftig gesättigt, die Kontraste sehr gut und die Blickwinkel Super-AMOLED-typisch weit. Die Auflösung beträgt Full High Definition und stellt Schriften und Fotos scharf und detailreich dar.

Das Display des Lenovo Moto Z2 Play (Bild: Übergizmo)

Das Display des Lenovo Moto Z2 Play (Bild: Übergizmo)

Unter der Haube werkelt ein Qualcomm Snapdragon 626 System-On-Chip mit einer CPU-Taktrate von maximal 2,2 GHz. Der SoC wird von 4 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt, hierzu gibt es 64 Gigabyte Medienspeicher, der sich per microSD Speicherkarte erweitern lässt. Mit diesen Spezifikationen gehört das Moto Z2 Play klar der Mittelklasse an. Die Leistung ist im Alltag gut, Apps öffnen schnell und Animationen sind flüssig.

Wer allerdings die Performance eines HiSilicon Kirin 960 wie im Honor 9 (hier geht es zum Hands On) oder eines Qualcomm Snapdragon 821 wie im LG G6 (hier geht es zum Test) erwartet, wird enttäuscht. Der Leistungsunterschied macht sich vor allem bei Spielen bemerkbar. Die beiden Konkurrenzgeräte bieten mehr Details und höhere Bildraten – und kosten beim Händler auch noch deutlich weniger Geld.

Die 12 Megapixel Kamera auf der Rückseite (Bild: Übergizmo)

Die 12 Megapixel Kamera auf der Rückseite (Bild: Übergizmo)

Kamera: Wenig überzeugend

Von der  Hauptkamera des Moto Z2 Play haben wir uns mehr erwartet. Sie löst mit 12 Megapixeln auf und bietet eine theoretisch starke f/1.7 Blende. Diese Lichtstärke scheint kaum zu nutzen. Bilder im Dunkeln werden schnell unscharf und sehen dunkel und matschig aus. Andere, günstigere Geräte wie das Honor 9 oder ein LG G6 sind in diesen Situationen stärker. Zudem fehlt eine optische Bildstabilisierung. Das merkt man an leicht verwackelten und damit unscharfen Fotos genauso wie an wackeligen Videos.

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Tagsüber sind die Fotos besser, hier hilft vor allem der sehr schnelle Dual Pixel Autofokus das Objekt schnell scharf zu stellen. Der automatische HDR Modus kann einen hohen Dynamikumfang einfangen, sodass Schatten und Lichter ausgewogen belichtet sind. Trotz des präzisen Autofokus wirken die Aufnahmen am Rechner betrachtet etwas matschig und bieten unserer Meinung nach für diese Preisklasse zu wenig Details, wenn man sich die Bilder näher ansieht.

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Intuitive & schnelle Software

Die wahre Stärke des Moto Z2 Play ist die Software. Das Telefon läuft mit Android 7.1.1 und einem stets aktuellen Android Sicherheitspatch sehr flüssig. Das liegt daran, dass die Software größtenteils unverändertes Android ist und damit kaum Balast besitzt, der das Telefon ausbremst.

Ein Paar wenige, aber nützliche Features hat Motorola zusätzlich hinzugefügt, die sich alle in der Moto App finden:

  • Moto Action. Mit einfachen Bewegungen kann man sein Telefon steuern. Egal ob ein- oder ausgeschaltet, dreht man das Telefon im Handgelenk zwei Mal schnell hintereinander, wird die Kamera gestartet. Mit einer zweimaligen „Hackbewegung“ schaltet man die Taschenlampe ein und auch wieder aus. Das sind zwei Funktionen, bei denen man sich nicht erst durchs Menü kämpfen will und Moto hat sie gut gelöst
  • Moto Display. Auf dem Sperrbildschirm werden Benachrichtigungen angezeigt. Diese sind durch die AMOLED Technologie besonders stromsparend und werden nur bei Bedarf eingeblendet.
  • Ein-Tasten-Steuerung. Damit lassen sich die Android-Tasten ausblenden und die Navigation findet einzig durch Gesten auf dem Fingerabdrucksensor statt. Nach links wischen heißt dann zurück, nach rechts wischen bedeutet Multitasking, ein kurzes Tippen bringt euch zum Homescreen und ein langer Druck schaltet den Bildschirm aus.
Das Always on Display mit praktischen Benachrichtigungen (Bild: Übergizmo)

Das Always on Display mit praktischen Benachrichtigungen (Bild: Übergizmo)

Akku – ein Downgrade

Das Moto Z Play, der Vorgänger, war für seine starke Akkulaufzeit bekannt. Dank eines 3510 mAh starken Akkus und des stromsparenden Prozessors war das Moto Z Play ein wahrer Dauerläufer. Das Moto Z2 Play ist im Vergleich dazu ein klares Downgrade. Der Akku fasst nur noch 3000 mAh und der Prozessor ist größtenteils identisch, sodass die Akkulaufzeit um rund 15-20 Prozent abgenommen hat. Die meisten Nutzer werden damit gut durch den Tag kommen. Rund vier bis viereinhalb Stunden aktiver Nutzung sind ein guter, aber eben auch nur durchschnittlicher Wert. Für unseren Geschmack hätte Motorola auf ein etwas dickeres Gehäuse setzen können, um die Laufzeiten des Vorgängers zu erreichen. Immerhin: Dank TurboPower Netzteil ist der Akku bereits nach 30 Minuten zur Hälfte voll.

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Moto Z2 Play – Fazit

Das Moto Z2 Play enttäuscht mich persönlich. Nicht, weil es ein schlechtes Smartphone ist, sondern weil es für die gebotene Leistung in der falschen Preisliga spielt. Für rund 450 Euro einzeln oder rund 500 Euro inklusive JBL SoundBoost 2 Mod ist es mindestens 100 Euro zu teuer. Denn schauen wir uns die Konkurrenz an: Ein performanteres LG G6 kostet unter 400 Euro, ein Samsung Galaxy S7 mit einer starken Kamera und ebenfalls mehr Performance gibt es unter 450 Euro.

So viele gute Ideendas Moto Z2 Play auch hat – Software-Funktionen, Moto Mods – es ist sehr schwer den aktuellen Preis zu rechtfertigen. Ihr solltet daher aktuell die Finger von diesem Smartphone lassen und etwas warten, bis sich der Preis senkt. 

Im Test bekommt das Smartphone 3 von 5 Sternen. Es ist ein solides Telefon mit einigen spannenden Features und Elementen. Bedenkt man aber die Konkurrenz, kommt man zu diesem Preis (ich weiß, ich reite jetzt darauf herum) wahrscheinlich nicht zu einem besseren Testergebnis.

[Update – 13.11.2017] Motorola hat uns darauf hingewiesen, dass das Moto Z2 Play mittlerweile zu einer UVP von 450,00 € erhältlich ist (inklusive SoundBoost 2). Verschiedene Händler würden das Smartphone zudem im Bundle für unter 300,00 € anbieten.

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