Tamagotchi 2017 im Test: Das 90er Gadget in der limitierten Neuauflage

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das Tamagotchi gibt’s nun seit 20 Jahren – Grund genug für Bandai, eine abgespeckte Mini-Version des Kult-Ei’s herauszubringen. Schlimm genug, dass das schon zwanzig Jahre her ist und so mancher Teenie heute wahrscheinlich achselzuckend vor seinem Smartphone sitzt und weiterklickt. Tja, wir waren halt noch begeisterungsfähig! Zugegeben: damals mit 13 Jahren war so mancher von unserem Team schon sehr angetan von dem neuen Gadget, das vor allem japanische Schulmädchen im Sturm erobert hatte. Für so manchen Teenie konnte so zumindest teilweise ein unerfüllter Wunsch nach einem Haustier wahr werden. Das knuffige Design spricht und auch heute noch an. Wir fragen uns: Hat das Tamagotchi als Gimmick in der heutigen Zeit noch seinen Reiz?

Tamagotchi 2017

Bild 1 von 5

Die Verpackung der Neuauflage (Bild: ubergizmo / Tim To)

PRO

CON

(Bild: Übergizmo)Hoher Kultfaktor (Bild: Übergizmo)Sehr eingeschränkte Interaktionsmöglichkeiten
(Bild: Übergizmo)Weckt nostalgische Gefühle (Bild: Übergizmo)Kein Anreiz zum längeren Spielen
(Bild: Übergizmo)Knuffiges Design (Bild: Übergizmo)Recht teuer

Alles beim Alten: Charmantes Paket

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert. Es ist zwar deutlich kleiner, aber das Design ist das Gleiche wie damals. Erhältlich ist es in verschiedenen Farbkombinationen, von schlichtem weiß bis hin zu poppigen Farbkombinationen wie Babyblau-Pink. Rein optisch gesehen nach wie vor richtig knuffig und ansprechend verpackt. Nach dem Auspacken ist es wie immer: man zieht eine kleine Plastiklasche aus der Seite und startet somit den Stromfluss. Sogleich erscheint auch das pulsierende Ei wie damals. Nachdem man die Zeit eingestellt hat dauert es noch eine Minute, bis das Tamagotchi schlüpft.

Was man bei einer Webssuche momentan bei dem Suchbegriff Tamagotchi findet sind unzählige, teilweise schon arg abgelaufene Fan-Websites, die von unzähligen, den meisten wahrscheinlich gänzlich unbekannten, Tamagotchi Varianten vergangener Tage berichten. Man merkt dennoch, wie verrückt die Leute nach dem Kult-Ei waren.

Eine der letzten Entwicklungsstufen war eine Variante mit größerem, höher auflösendem Display mit Infrarot-Schnittstelle zur Kommunikation mit anderen Tamagotchis – eigentlich ganz cool. Aber man versteht schnell, warum das Ganze heut nicht mehr als ein Sammlerstück ist. In Zeiten, in denen man mit seinen Freunden über beliebige Distanzen eine Fülle an Spielen am Smartphone spielen kann und man mit Pokémon Go mit Freunden durch die Stadt zieht, um spannende Kämpfe auszurichten, wirkt selbst ein mit Infrarot aufgebohrtes Tamagotchi ähnlich spannend wie das Salatangebot in einem Burgerladen.

Das Spielerlebnis, oder: Ein Fall für das Jugendamt

Unser Ei ist inzwischen geschlüpft und los geht der Spaß. Im Vergleich zum Original wurde die Bedienung und die Möglichkeiten abgespeckt. Waren beim Original am oberen und unteren Bildschirmrand noch jeweils vier Icons als Menü zur Auswahl wird das heute nur noch direkt über die drei Buttons abgebildet.

Der linke Button öffnet eine Auswahl an 2 Mahlzeiten, die man seinem Sprössling füttern kann. Mit dem mittleren Button bestätigt man die Auswahl. Der daraus resultierende Haufen ist auch schnell mit einem Knopfdruck weggemacht. Ist es müde, kann man über die gleiche Logik das Licht ausschalten. Der rechte Button zeigt die Stimmung des Tamagotchis an. Ist es genervt, füttert man es. Ist das Ei krank, so versucht man es so lange zu füttern, bis es gesund ist. Ansonsten gibt es noch eine Uhr. Spiele zur Steigerung des Wohlbefindens (des Tamagotchis sowie dessen Besitzers) oder gar genauere Statusanzeigen in Form von Balkendiagrammen wie beim Original sind in der abgespeckten Version nicht vorhanden.

Dank der kompakten Abmessungen kann man seinen Sprössling wunderbar als Schlüsselanhänger hernehmen. So kann man auf dem Weg zum Fahrrad schnell mal füttern oder den Mist wegmachen. In der Arbeit passiert es uns aber immer wieder, dass das Ei komplett in Vergessenheit gerät und man Stunden später ein „überhäuftes“ Haustier vorfindet. Hat man anfangs noch ein schlechtes Gewissen, sein Ei vernachlässigt zu haben, so verliert man doch relativ schnell das Interesse mangels Interaktionsmöglichkeiten: Füttern, Saubermachen, Licht aus und nach der aktuellen Stimmung fragen unterfordern auf Dauer doch arg.

Nach ein paar Tagen entwickelt es sich von einem Wurm zu einem erwachsenen Adultchi, danach nochmal zu einem unglücklich dreinschauenden Knödel. Wir schaffen es, unsere Tamagotchis innerhalb einer Woche sterben zu lassen. Es fehlen uns Herausforderungen, das Entdecken, der Anreiz, weiterzuspielen und weiterzuentwickeln. Wer ernsthaft damit spielen will holt sich lieber die App auf Handy, die Kostet auch „nur“ knapp 5€, neben diversen kostenlosen Alternative. Wer dennoch die 20€ für das Plastikei auf den Tisch legen will, der wird auf Ebay fündig, die limitierte Auflage dürfte bei Müller schon vergriffen sein.

ueberrank_big_300dpi-25

Fazit

Laut Bandai ist das Alleinstellungsmerkmal des Tamagotchis, dass es ein individuelles Stück Hardware ist, und somit ein einzigartiges Erlebnis bietet. Um ein ernsthaftes Spielzeug zu sein, fehlen ihm unserer Meinung nach dennoch Funktionen und Möglichkeiten, um uns wirklich längerfristig daran zu interessieren. So ist es einfach ein sehr knuffiges Sammlerstück, das uns mit einem wohligen Gefühl an sorgenfreie Zeiten erinnert.

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising