Ich nutze diesen Scheiß nicht: Ex-Facebook-Manager Chamath Palihapitiya über soziale Medien

Facebook (Bild: Facebook)

"Wir wollen die Welt zu einem besseren Ort machen", in diesem Leitspruch sehen viele High-Tech-Unternehmen und Startups ihre Existenzberechtigung. Dass Konzerngrößen wie Facebook weit davon entfernt sind, dieses Versprechen zu erfüllen, ist die Kehrseite der Medaille. Wenn dann auch noch ehemalige Angestellte antreten und ihre einstigen Arbeitgeber anschwärzen, dann wird die Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit umso offensichtlicher. So geschehen im Fall des ehemaligen Facebook-Managers Chamath Palihapitiya, der ein vernichtendes Urteil nicht nur über seinen ehemaligen Arbeitgeber fällt, sondern über das Phänomen sozialen Medien an sich.

In einem Podiumsgespräch an der Stanford Graduate School of Business hatte Palihapitiya kein gutes Wort übrig für soziale Netzwerke wie Facebook. Der Unternehmer war von 2007 bis 2011 Vice President für Nutzerwachstum beim heute weltweit größten sozialen Netzwerk. Seiner Meinung nach würden soziale Medien “die Kernfundamente des menschlichen Verhaltens untergraben.” Er empfinde “enorme Schuldgefühle”, Werkzeuge mitentwickelt zu haben, die “das soziale Gefüge auseinanderreißen.”

Viele Menschen würden nicht erkennen, dass sie von sozialen Netzwerken konditioniert würden. Jeder einzelne müsse entscheiden, ob er sich von den Unternehmen vereinnahmen lasse oder intellektuell unabhängig bleiben wolle. Nachdem er sich gegen diesen Konditionierungsprozess entschieden habe, nutze er “diesen Scheiß” nicht mehr – gemeint sind soziale Netzwerke á la Facebook. Auch seine Kinder dürften “den Scheiß” nicht mehr nutzen. Allen Nutzern empfiehlt Palihapitiya einen “harten Bruch” mit sozialen Medien.

Falsches Selbstbild der Nutzer

Diese würden nicht nur unsere gesellschaftliche Grundfeste erschüttern, indem sie den öffentlichen Diskurs lahmlegten und Lügen verbreiteten. Sie würden auch das Phänomen des falschen Selbstbildes eines jeden Nutzers fördern. “Wir schaffen ein perfektes Bild von uns selbst, weil wir mit Signalen wie Herzchen, Like- und Daumen-hoch-Buttons belohnt werden”, so Palihapitiya. Diese Selbst- und Fremdwahrnehmung würden wir mit der Wahrheit verwechseln. Stattdessen sei “alles nur Fake”, so der Unternehmer, der seit 2011 das Unternehmen Social Capital leitet. Alles sei “zerbrechliche und kurzlebige Popularität”, die den Menschen “noch leerer zurück lässt, als er es zuvor gewesen ist.”

Palihapitiya steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Gegen das willkürlich empfundene Schalten  und Walten von Facebook hatten sich zuletzt mehrere Ex-Manager kritisch geäußert. Firmenmitgründer Sean Baker sagte zuletzt in einem Interview, dass das soziale Netzwerk die menschliche Psychologie ausbeute. Programmierer Justin Rosenstein ist der Entwickler des Like-Buttons. Ihm zufolge machen soziale Medien die Nutzer nicht nur süchtig, sie beeinträchtigen auch deren “Aufmerksamkeitsspanne”.

Tags :Quellen:Quartz Media

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