Der Atomgarten – die Gentechnologie der 50er und 60er Jahre

Als die Wissenschaftler 1960 Pflanzen mit Gammastrahlen bombardierten, hoffen sie Änderungen in der Pflanzenstruktur und den Ernteerträgen zu erzielen. in den Reihen der Befürworter taten sich der Unternehmer C.J. Speas und die Britin Muriel Howorth hervor, die die "Atomic Gardening Society" gründete. Die Gesellschaft sollte mutierte Varianten bekannter Pflanzen bekannter machen. Johnson beschreibt eine Abendgesellschaft, zu deren Anlass Howorth "NC 4x" vorstellte. Das waren Erdnüsse, die aus einer mutierten Pflanze stammten. Die Erdnüsse stammten nicht direkt aus bestrahlten Pflanzen sondern von ihren Nachkommen. Nach der Party pflanzte Howorth die Erdnüsse ein. Sie wuchsen so schnell wie Bohnen.

Die Anpflanzung lockte Journalisten und Neugierige an, die sich die mutierte Pflanze ansehen wollten. Garten-Journalistin Beverley Nichols nannte die Erdnuss die sensationellste Pflanze Großbritanniens.

„Für mich hatte sie etwas außerirdisches an sich. Die erste Atomerdnuss. Es ist eine üppige, grüne Pflanze, die eine fast ungeheure Wuchskraft besitzt. Sie verspricht, irgendwann einmal unseren Sieg über den Hunger verkünden zu können“ schrieb sie.

Genau wie bei der heutigen Gentechnik war auch damals die Industrie die entscheidende Antriebskraft hinter den Pflanzenmodifikationen. Und was blieb von den damaligen Versuchen übrig? Eine ganze Menge. Zum Beispiel das Minzöl, das wir heute in Zahnpasta, Kaugummi und vielen anderen Bereichen verwenden. Die Züchtung mit dem Namen „Todd’s Mitcham“ ist eine Pfefferminze, die gegenüber Pilzen unempfindlich ist. Sie wurde im Brookhaven National Laboratory durch Bestrahlung entwickelt. Und die Grapefruit-Sorte „Rio Star“, die Dreiviertel der Produktion in Texas ausmacht, stammt von einer anderen Mutation. Sie ist bekannt für ihr dunkelrotes Fruchtfleisch.

Die Atomgartenforschung wurde nicht nur in den USA betrieben sondern auch in Schweden, Indien und in anderen Ländern. Daraus entstanden zahlreiche neue Pflanzensorten. Aber soweit es Johnson recherchieren konnte, war der Unternehmer Speas der einzige, der bestrahlte Samen an Hobbygärtner verkaufte. Die Samenpakete für Gemüse, Obst und Blumen wurden mit dem Claim „Atom-geladen“ vermarktet.

Nachdem die Wissenschaftler und später auch die Öffentlichkeit verstanden, welche Gefahren in der Bestrahlung lagen, wurde es still um die Atomgärten. Auch die Hoffnung, dass man mit den Mutationen die Welternährungsprobleme beseitigen könne, schwand schnell.

Jahrzehnte später haben es Wissenschaftler geschafft, Pflanzen gezielt so zu manipulieren, dass die gewünschten Effekte entstehen. Aber auch diese Methode hat ihre Kritiker. Sie haben massive Bedenken, dass die Manipulationen für die Gesundheit und das Ökosystem schädlich sein könnten. Fast genau so, wie Radioaktivität negative Effekte haben kann.

Wir wissen heute viel mehr, als es in den 60er Jahren der Fall war. Aber wie werden künftige Generationen unsere genetischen Experimente bewerten? Nur mit einem nostalgischen Gefühl oder auch mit einer gewissen Verachtung über soviel Naivität? [Rebecca Boyle / Andreas Donath]

[Via PopSci]

  1. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    1. „Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt und die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet ihr merken, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.“

    1. Das sieht mir allerdings aus wie eine Nachbehandlung der Ernte – und dient nicht wie in unserem Beispiel zur (ungezielten) Mutation der späteren Aussaat.

  2. @hugo
    schönes zitat, aber passt hier mal überhaupt nicht rein, aber wo wir dabei sind:
    „sometimes you just have to pee in the sink“
    -bukowski

  3. ich wollte mir jetzt ieigentlich die mühe machen und erklären was es mit der ganzen sache auf sich hat, aber nein, ich würde mich angesichts der ignoranz der thematik und des unwissens der allgemeinheit doch eh nur aufregen.

    bei gentechnik sogar noch mehr als bei den atomkraftgegnern haben die menschen mit dem größten unwissen und geringsten verständniss gleichzeitig auch noch das größte maul.

    und es ist nicht meines hier licht ins dunkel der massenhaften idiotie zu bringen.

    1. >ich wollte mir jetzt ieigentlich die mühe machen und erklären was es mit der ganzen sache auf sich hat, aber nein, ich würde mich
      >angesichts der ignoranz der thematik und des unwissens der allgemeinheit doch eh nur aufregen.

      Na lassen Sie sich doch nicht so bitten :) Wenn Sie etwas interessantes zum Thema beizutragen haben, dann nur zu. Sie müssen sich ja nicht auf die Seite der Befürworter schlagen, sondern können Ihr Wissen objektiv weitergeben.

  4. Nach einem Artikel in der FAZ vom 17.05.2001 wurden in den 1950er und 1960er Jahren viele neue Sorten mittels Bestrahlung gezüchtet, nämlich 434 Reis-, 269 Gertsen- 232 Chrysanthemen-, 197 Weizen-, 90 Soja-, 68 Mais-, 61 Rosen-, 54 Bohnen-, 48 Erdnuss-, 36 Dahlien-, 32 Erbesen- und 24 Baumwoll-Sorten. Ganz schöne Bilanz, oder? Und niemals hat sich jemand darüber aufgeregt, diese Sorten wurden nicht verdammt, sondern angebaut – und zur Weiterzucht verwendet. Das heißt, viele unserer heutigen Sorten beruhen auf diesen durch Bestrahlung erzeugten.

  5. @ Gizmodo: Also wenn ihr hier weiterhin rechtschreiblich und grammatikalisch korrekte Beiträge einstellt, die auch noch interessante Themen behandeln, droht euch ernsthaft der Aufstieg in die Mittelmäßigkeit…

    Im Ernst: Weiter so, auch wenn ich die richtig schlechten Artikel irgendwie lustig fand ;)

  6. Auch noch in den 70ern hatte man eine mehr oder minder positive Einstellung zu Radioaktivität. So wurde uns am 24.04.1975 ein Text mit dem Namen „Der Atomgarten“ diktiert. Hier heißt es im letzten Abschnitt: „Die Atombiologen bezweifeln nicht, dass es einmal möglich sein wird, mit Hilfe radioaktiver Strahen Kirschen zu züchten, die so groß sind wie Äpfel. Die Größe der Äpfel könnte den heutigen Kürbissen angeglichen werden. …“.
    Irgendwie doch ein etwas unheimlicher Gedanke.

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